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Messungen bei Tüßling Geschüttelt, aber nur teilweise erlaubt

Unter dem Motto "Energie aus Ampfing" sucht das Unternehmen RDG zurzeit zwischen Inn und Salzach nach Erdöl und Erdwärme. Große Trucks erkunden dafür den Boden. Nun droht dem Messteam jedoch Ärger im Landkreis Altötting.

Von: Hans Häuser

Stand: 06.02.2017

Der Rüttler eines Vibro-Trucks in Aktion in Tüssling | Bild: BR/Hans Häuser

Riesige schwarze Reifen, weiße Karosserie und ganz schön viel Gerüttel. Zwei Messwagen stehen auf einem Feld bei Unterneukirchen und schicken Schallwellen unter die Erde. So wird – ähnlich wie beim Ultraschall – ein Bild vom Untergrund erstellt. Auf einer ziemlich großen Fläche.

"Wir messen insgesamt ein Gebiet von knapp 180 Quadratkilometern bis nach Rattenkirchen im Westen. Wr denken, dass wir gegen Ende März dort angekommen sein werden."

Ernst Burgschweiger, Geschäftsführer der RDG

Die Suche nach Öl und Möglichkeiten für Geothermie

Für Ernst Burgschweiger, Geschäftsführer der RDG, ein Hannoveraner Unternehmen, das Erdöl- und Erdgas fördert, läuft seine Firma derzeit nicht rund. Vor einigen Monaten verlief in Ampfing eine Probebohrung nach Erdöl ziemlich erfolglos. Dabei ist Öl in der Gegend früher schon einmal gefördert worden, und eigentlich müssten sich noch Vorkommen unter der Erde befinden. Nur wo? Und gibt es vielleicht noch irgendwo Geothermie, also Möglichkeiten, Erdwärme zu nutzen? Beides sollen jetzt diese seismischen Untersuchungen mit den Vibrationstrucks zeigen. Aber schon bei einer der ersten Stationen in Tüssling gibt es Widerstand. 

"Es haben sich hier in der Gemeinde ganz viele Grundstückseigentümer gemeldet, die entweder überhaupt nicht informiert wurden, dass auf ihrem Grundstück diese Geophone ausgelegt werden. Und es haben sich auch einige Grundstückseigentümer gemeldet, die einen Zettel dabei hatten, der an ihrer Haustür übergeben worden war mit dem Hinweis, es passiert irgendwas, aber nicht, dass es auf ihrem eigenen Grundstück ist, und die dann darüber sehr aufgebracht waren."

Stefanie von Pfuel, Bürgemeisterin Tüßling

Bürger fühlen sich nicht informiert

Die Messungen sind vom Bergamt zwar grundsätzlich genehmigt, allerdings darf nur mit dem Einverständnis der Grundstückseigentümer gerüttelt werden. Dem BR allerdings berichtet ein Tüßlinger, bei ihm seien die Messtrupps erst nach energischer Aufforderung wieder abgezogen. Er möchte anonym bleiben. Bürgermeisterin von Pfuel berichtet von Rissen, die bei einigen Häusern aufgetreten sein sollen, und sie macht sich Sorgen um Einrichtungen ihrer Gemeinde.

"Die unterirdische Infrastrukur, das heißt Kanalisation, Leitungen, Rohre, Brücken, die durch dieses Rütteln massiv geschädigt werden können. Und irgendwann in fünf Jahren ergeben sich dann Ergebnisse dieser Haarrisse, die dadurch entstehen."

Stefanie von Pfuel, Bürgemeisterin Tüßling

RDG-Geschäftsführer Burgschwaiger sagt, die Messungen seien der Bevölkerung auf mehreren Versammlungen angekündigt worden. Die Vorwürfe der Grundstücksbesitzer weist er zurück.

"Wir betreten kein Grundstück, wenn wir nicht vorher die Genehmigung dazu haben. Dazu sind wir verpflichtet und daran halten wir uns auch sehr strikt."

Ernst Burgschweiger, Geschäftsführer der RDG

Und auch die Angst vor Schäden will Burgschwaiger den Menschen nehmen.

"Die Aufnahmen werden nach deutscher Industrienorm durchgeführt und Grenzwerte zu Gebäuden werden natürlich eingehalten und auch dokumentiert, damit keine Schäden auftreten können."

Ernst Burgschweiger, Geschäftsführer der RDG

Unüberspürbar: Vibro-Trucks im Einsatz

In vielen anderen Orten ist bisher von Widerstand nichts zu spüren. Tüßlings Bürgermeisterin hat der Firma auf sämtlichen Gemeindegrundstücken verboten zu messen. Und weil sie nicht nur Bürgermeisterin ist, sondern auch die Besitzerin größerer Waldgebiete, gilt auch dort Rüttelverbot.

Keine guten Aussichten für Ernst Burgschwaiger. Denn er gibt zu, wenn eine solch große Fläche nicht vermessen werden darf, kann das das Ergebnis der Untersuchungen beeinträchtigen.


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Max Müller, Samstag, 04.Februar, 09:45 Uhr

4. Entsorgen

Bei uns fangen die Anwohner gerade an die Geophone einzusammeln und bei der Elektroentsorgung als Fundsache abzugeben.

Jonas Enders, Samstag, 04.Februar, 08:36 Uhr

3. Information

Bei uns in Tüßling erschien der Hinweis auf die Informationsveranstaltung an dem Tag in der Presse, an dem am Abend die Veranstaltung stattfand. Wer also vor dem Verteilzeitpunkt der Zeitung sein Haus verließ hatte keine Möglichkeit mehr zur Information. Hier unterstelle ich Absicht - das kann man sauberer lösen.

Woife , Donnerstag, 02.Februar, 18:31 Uhr

2. Messungen

Ich denke, dass wir schon informiert wurden. Mit einer Mini-Anzeige in der Zeitung, die natürlich kaum einer bemerkt. (...)Hätten die Bürger abstimmen dürfen, gäbe es diesen Mist wahrscheinlich nicht. Aber die Leute kennen sich ja nicht aus, und deswegen fragt man sie auch nicht.das ist die erste Kanzler Merkel Regel. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Montobeni, Donnerstag, 02.Februar, 14:18 Uhr

1.

Da muß man halt die Bürger vorher informieren. Wie immer !! da wird das Hintere vor dem Vorderen gemacht- tippisch.