NSU-Prozess


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NSU-Prozess, 400. Verhandlungstag "Das Schlimmste, was ihr droht, wird wahrscheinlich kommen"

Am 400. Verhandlungstag des NSU-Prozesses haben die Nebenkläger ihre Plädoyers fortgesetzt. Dabei richtete Nebenklageanwalt Hardy Langer einen eindringlichen Appell an Beate Zschäpe, doch noch zur Aufklärung beizutragen.

Von: Matthias Reiche

Stand: 20.12.2017

Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess | Bild: picture-alliance/dpa

Zentrale Botschaft der Nebenkläger war das Versagen von Behörden, die lange Zeit alle Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund der Mordserie ignorierten - so auch im Fall des im Februar 2004 in Rostock-Toitenwinkel ermordeten Mehmet Turgut. Auch hier ermittelte die Polizei im Drogenmilieu und Bereichen der Organisierten Kriminalität, obwohl es zahlreiche Indizien für eine rassistische Tat gab, wie Hardy Langer in seinem Plädoyer ausführte. Langer vertritt als Anwalt zwei Schwestern des mit mehreren Kopfschüssen hingerichteten Mehmet Turgut. Der Nebenklageanwalt wandte sich dann in einem sehr emotionalen Appell an Beate Zschäpe. Sie solle sich darüber klar werden, dass sie mit irgendeiner Verteidigungsstrategie nichts mehr gewinnen könne. Die Angesprochene folgte den Ausführungen auffallend aufmerksam. Ob er bei ihr vielleicht etwas bewirkt haben könnte, sieht der Anwalt Langer eher skeptisch.

"Ich würde mich einfach freuen darüber - und das ist auch das, was ich versucht habe, ihr heute hier klar zu machen: Das Schlimmste, was ihr droht, wird wahrscheinlich kommen. Da man ja nicht den Eindruck hat, dass sie auf dem Weg der Einsicht oder Reue ist, ist das ja eher eine Sache, wo man sagt, da muss man alle Register ziehen."

Hardy Langer, Nebenklageanwalt

Die Hauptangeklagte Zschäpe wird unter anderem beschuldigt, aus Hass auf Ausländer und den deutschen Staat an zehn Morden beteiligt gewesen zu sein. Lebenslang, die besondere Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung - das ist, was das deutsche Strafrecht zu bieten hat. Einsicht zu zeigen und zur Aufklärung der vielen offenen Fragen beizutragen, vielleicht noch in diesem Verfahren umfassen auszusagen, wäre aus jetziger Sichte für Beate Zschäpe, die einzige Chance irgendwann auf eine vorzeitige Haftentlassung hoffen zu können.

Nach den Plädoyers der Nebenkläger werden im Januar die Schlussvorträge der Verteidigung folgen, was allein schon wegen der sehr wahrscheinlich kontroversen Doppelplädoyers von Zschäpes zwei neuen und drei alten Verteidiger mehrere Wochen dauern dürfte. Wird der Ablauf dann nicht von neuen Befangenheitsanträgen verzögert, könnte um Ostern das Urteil fallen.   


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