NSU-Prozess


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NSU-Prozess: 426. Verhandlungstag, 16.5.2018 Wohlleben-Verteidiger attackieren Bundesanwaltschaft und Mitangeklagten

Im NSU-Prozess hat heute die Verteidigung des mutmaßlichen Mordwaffenlieferanten Ralf Wohlleben ihr Plädoyer fortgesetzt. Dem 43-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in neun Fällen vorgeworfen. Seine Verteidiger attackierten insbesondere die Bundesanwaltschaft und den Mitangeklagten Carsten S.

Von: Thies Marsen

Stand: 16.05.2018

ARCHIV - ARCHIV - 05.02.2017, Bayern, München: Die Anwälte der Angeklagten Zschäpe, Anja Sturm (l-r), Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl, sitzen im Gerichtssaal Oberlandesgericht (OLG) an ihrem Platz, während die Angeklagte Beate Zschäpe neben ihrem vierten Anwalt Mathias Grasel (r) sitzt. Auf der Bankreihe Mitte 1. Reihe links der Angeklagte Andre E., schräg dahinter der Angeklagte Holger G. In der Mitte des Bildes sitze der Angeklagte Ralf Wohlleben. (zur dpa "Berichterstattung zur Fortsetzung vom NSU-Prozess" vom 09.05.2018) Foto: Peter Kneffel/dpa - ACHTUNG: Angeklagte wurden aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen gepixelt. +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Bereits gestern hatten die Wohlleben-Anwälte deutlich gemacht, dass sie ideologisch nicht weit von ihrem rechtsextremen Mandanten entfernt sind. So hatte Anwältin Nicole Schneiders in ihren Vortrag etwa ein Zitat des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß eingebaut: Sie hatte den Richtern gedroht, sie müssten sich einst vor dem „Richterstuhl des Ewigen“ verantworten. Die gleiche Phrase hatte Heß in seinem Schlusswort im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses verwendet, nachdem er zwei Sätze zuvor bekundet hatte: „Ich bereue nichts.“

"Volkstod", "Judaslohn" und Rudolf Heß

Schneiders Verteidiger-Kollege Olaf Klemke versuchte heute die extrem rechte Propagandaparole zu rechtfertigen, den Deutschen drohe durch Migration angeblich der „Volkstod“. Dem Mitangeklagten und Kronzeugen der Bundesanwaltschaft Carsten S. bescheinigte Klemke, einen "Judaslohn" für seine Aussage erhalten zu haben.

Carsten S. hatte gestanden, im Auftrag von Ralf Wohlleben die berüchtigte Pistole Česká 83 geliefert zu haben, mit der der NSU neun Menschen türkischer und griechischer Herkunft ermordete. Dementsprechend versuchte Wohllebens Verteidigung heute insbesondere die Glaubwürdigkeit von Carsten S. zu erschüttern. Dessen Aussageverhalten sei höchst bedenklich, er sei von der Bundesanwaltschaft in unzulässiger Weise beeinflusst worden und unterliege einer Autosuggestion. Ihm gehe es zudem vor allem darum, sich selbst zu entlasten und Ralf Wohlleben zu belasten.

Auch die Aussage des Verkäufers der Tatwaffe – ein Mitarbeiter eines früheren Szeneladens in der Innenstadt von Jena – sei nicht verwertbar, da dieser von der Bundesanwaltschaft nicht ausreichend belehrt, wenn nicht gar getäuscht worden sei. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen des Mitangeklagten André E. wurde das Plädoyer am frühen Nachmittag unterbrochen und soll morgen fortgesetzt werden.


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