NSU-Prozess


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Vorwurf der Nebenklage Bereitete NSU größeren Terrorakt vor?

Der Kölner Opferanwalt Eberhard Reinecke sieht Anzeichen dafür, dass der NSU einen größeren Terrorakt plante. Möglicherweise sei deshalb das jüdische Krankenhaus in Berlin von den Rechtsterroristen ausgespäht worden.

Von: Ina Krauß

Stand: 19.12.2017

Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.r) sitzt am 01.09.2017 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München | Bild: picture-alliance/dpa

Darauf deuten dem Anwalt zufolge sowohl das Bekennervideo des NSU als auch Asservate aus der letzten konspirativen Wohnung des NSU-Trios in der Zwickauer Frühlingsstraße hin. Reinecke analysierte in seinem Plädoyer die Entstehung des berüchtigten Bekennervideos, in dem die Comicfigur Paulchen Panther die rassistischen Morde und Sprengstoffanschläge des NSU in scheinbar ironischer Weise kommentiert.

Das Video sei menschenverachtend, so Eberhard Reinecke. Er bezweifelt aber, dass es dazu gedacht war, posthum veröffentlicht zu werden. Davon geht die Bundesanwaltschaft aus. Dagegen spreche der in dem Video genannte Slogan: "Wir kommen wieder, keine Frage.“ Das Video war auf eine DVD gebrannt und 2010 versandfertig gemacht worden. Es sollte offenbar nach Ansicht von Reinecke nach einem weiteren, größeren Anschlag verschickt werden.

Die Selbstenttarnung des NSU

Dann aber hätten die Rechtsterroristen nach Ansicht von Eberhard Reinecke ihre Pläne nicht mehr umsetzen können. Die Polizei war Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem Banküberfall auf die Spur gekommen. Um einer Verhaftung zu entkommen, erschossen sich die beiden am 4.11.2011 selbst.  Danach verschickte Beate Zschäpe die Bekenner-DVDs an türkische Kulturvereine und an die Presse.

Dass Beate Zschäpe von dem Inhalt nichts gewusst haben will, hält Reinecke für unglaubwürdig genauso wie ihre gesamten Einlassungen. Für Zschäpe fordert er genau wie die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Sie sollte nicht entlassen werden, solange sie ihr Wissen nicht preisgebe.

Eklat um Hamburger Opfer-Anwältin

Reinecke kritisierte in seinem Plädoyer auch die Ausführungen anderer Nebenklage-Anwälte und kritisierte, dass einige Kollegen ihr Mandat missbrauchten. Dabei bezog er sich unter anderem auf den Antrag, den die Schwester des in Hamburg ermordeten Süleyman Tasköprü vor wenigen Tagen an das Gericht geschickt hat.

Die Nebenklägerin will ihrer Anwältin Angela Wierig das Mandat entziehen. Wierig hatte vergangene Woche in ihrem Plädoyer unter anderem den angeklagten mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben in Schutz genommen und damit viele Nebenkläger irritiert; auch ihre Mandantin, die sich daraufhin eine neue Anwältin gesucht hat. Ob Wierig von ihrem Mandat entbunden wird, blieb offen. Zur Verhandlung gestern war sie erschienen.


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