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Fernreisen Niklas Höhne: Emissionen erst gar nicht produzieren

Eine aktuelle Studie hat errechnet: Der Tourismus ist für mehr CO2-Ausstoß verantwortlich als gedacht - nicht nur für die Produktion von drei, sondern sogar von acht Prozent der Treibhausgase. Niklas Höhne ist Professor am NewClimate Institute in Köln.

Stand: 17.05.2018

Bayern 2-radioWelt: Wie kommt es zu diesem Anstieg?

Dr. Niklas Höhne, Professor am NewClimate Institute in Köln: Die neue Studie der Universität in Sydney hat ein innovatives Element: Sie war relativ großzügig, weil sie alles, was durch Flugtourismus anfällt, berechnet hat. Sie hat zum Beispiel auch die Treibhausgas-Emissionen hinzugezählt, die aus der Nahrungsmittelproduktion für das Essen kommen, das die Touristen während der Reise zu sich nehmen. Das Wichtige dabei ist, dass man sich bewusst wird, dass alles, was wir tun, einen CO2-Fußabdruck und damit einen Einfluss auf das Klima hat. Und gerade bei Lebensmitteln ist dieser Einfluss sehr groß. Insbesondere Fleisch ist in allen Ländern sehr CO2-intensiv. Es gilt, lokale Lebensmittel zu konsumieren und nicht die, die von weit her eingeflogen werden.

Bayern 2-radioWelt: Wer jetzt gerade in der Urlaubsplanung ist für die Pfingstferien oder für den Sommer - welche Tipps hätten Sie?

Prof. Niklas Höhne

Prof. Niklas Höhne: Die meisten Emissionen entstehen durch das Reisen an sich. Und je weiter weg, desto mehr Emissionen entstehen. Also: Sich vorher Gedanken machen, wo man hinfährt. Wenn es ein näheres Ziel sein kann, umso besser für das Klima. Dann sollte man natürlich die richtigen Verkehrsmittel wählen. Mit der Bahn hat man sehr viel weniger CO2-Belastung als mit dem Flugzeug. Wenn das Urlaubsziel in Europa liegt und man mit der Bahn dort hinkommen kann, dann auf alle Fälle mit der Bahn fahren. Und wenn es unbedingt eine Fernreise sein soll, dann eine Fluggesellschaft nehmen, die sparsamere Flugzeuge betreibt oder die Passagiere etwas enger setzt. Es gibt Listen im Internet, zum Beispiel bei atmosfair.de, da kann man nachschauen, welche Airlines gut im Ranking sind und welche schlechter.

Bayern 2-radioWelt: Es gibt viele Angebote, wie ich als Reisender meinen CO2-Ausstoß kompensieren kann. Wie sinnvoll ist das?

Prof. Niklas Höhne: Das Wichtigste ist, die Emissionen erst gar nicht zu produzieren. Die Kompensation ist mit Fragezeichen behaftet, denn man gibt ja eine Spende an jemand anderen, der dann Emissionen reduziert. Das ist nicht perfekt, aber besser als nichts. Das Geld sollte in Projekte in Entwicklungsländern fließen, wo tatsächlich auch Emissionen reduziert werden und der lokalen Entwicklung geholfen wird, also auch konkrete Entwicklungshilfe geleistet wird.


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