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Erschossen oder vergiftet Zwölf getötete Luchse in Bayern - SPD fordert Ermittlungsergebnisse

In den vergangenen sieben Jahren wurden in Bayern zwölf tote Luchse gefunden. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher ausfallen. Täter konnten bis jetzt nicht ermittelt werden. Die SPD kritisiert diesen Umstand und fordert Ergebnisse.

Von: Johannes Reichart

Stand: 22.02.2018

Luchse im Herbstwald | Bild: picture-alliance/dpa

Seit 2011 sind in Bayern zwölf getötete Luchse aufgefunden worden. Das steht in einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-SPD. Die Dunkelziffer könnte bei 36 Fällen liegen. Demnach seien sechs Luchse durch Erschießen oder Vergiften getötet worden, weitere sechs Tiere wurden als ausgestopfte Trophäen gefunden. Nach Angaben des Ministeriums sind außerdem fünf Luchse bei Verkehrsunfällen umgekommen.

Noch gibt es keine Täter

Das Landesamt für Umwelt nennt weitere 14 Fälle, bei denen wildlebende Luchse umgebracht worden sein könnten. Bei keiner der sechs nachgewiesenen Tötungen konnte ein Täter ermittelt werden. Die Polizei habe bei den Fällen trotz Spurensicherung und -auswertung wenige Ermittlungsansätze finden können, heißt es seitens der Behörde.

Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn kritisiert diesen Umstand. Ende 2015 wurde in Schönberg im Kreis Freyung-Grafenau ein toter Luchs gefunden, der vermutlich erdrosselt wurde. Besonders befremdlich sei auch, dass es bis heute keine Information dazu gäbe, welche Erkenntnisse bei den Ermittlungen nach zwei getöteten Luchsen im Landkreis Cham ("Lamer Winkel") im Jahr 2015 herausgekommen seien. Damals kam es zu einer polizeilichen Hausdurchsuchung bei einem Jäger.

"Wir wissen immer noch nicht, was bei den Untersuchungen der Munition herausgekommen ist."

Florian von Brunn

Das Bayerische Umweltministerium hatte damals 10.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Der Bund Naturschutz im Landkreis Regen forderte damals die Schaffung einer Polizei-Sondereinheit gegen Wilderei im Bayerischen Wald.

Auch sei der Ermittlungsstand bezüglich der Tötung des Luchses "Alus", dessen Kadaver im September 2017 bei Schneizlreuth (Lkr. Berchtesgaden) gefunden wurde, bislang unklar, klagt Florian von Brunn. Er fordert von der Staatsregierung, die Einheit für Umweltkriminalität im Landeskriminalamt zu verstärken. Das lehnt das Innenministerium ebenso ab, wie die Errichtung einer eigenen Ermittlungseinheit für Luchsvergehen. Die Behörde betont, dass sie ein eigenes "Handlungskonzept zur Polizeilichen Aufgabenwahrnehmung im Zusammenhang mit dem Luchs" erarbeitet und allen bayerischen Polizeipräsidien mit der Maßgabe einer Anpassung auf regionale Gegebenheiten geschickt habe.

Lebensräume für Luchse

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagt ein Ministeriumssprecher: "Das Problem liegt nicht in der Personalstärke, sondern in der Schwierigkeit der Fälle. Die Spuren sind nicht aussagekräftig genug." Aus der Antwort des Umweltministeriums auf eine weitere SPD-Anfrage geht hervor, dass eine aktive Wiederansiedlung von Luchsen in Bayern derzeit nicht stattfindet. Allerdings werden zahlreiche Waldbereiche als zusammenhängende, unzerschnittene Gebiete erhalten, die als mögliche Lebensräume für Luchse dienen sollen, etwa der Bayerische Wald, der Oberpfälzer Wald, der Großraum Fichtelgebirge, der Frankenwald, die Rhön, der Spessart, der Odenwald, die mittlere und südliche Frankenalb sowie der Alpenraum.

Mit dem "Managementplan Luchse in Bayern" habe das Umweltministerium gemeinsam mit Umwelt- und Tierschützern sowie mit dem bayerischen Landesjagdverband ausreichende Regelungen getroffen, um den Luchs in Bayern zu schützen.

Luchs-Population unklar

Seit seiner Rückkehr in Bayerns Wälder weiß niemand genau, wie viele Tiere es genau gibt. Der Umweltausschuss im bayerischen Landtag hat darum die Staatsregierung mittels eines Berichtsantrags aufgefordert, konkrete Zahlen zur Luchs-Population in Bayern vorzulegen. Der Luchs ist streng geschützt. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht für die Tötung eines Tieres bis zu fünf Jahre Gefängnis vor.


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Birgit, Sonntag, 25.Februar, 14:03 Uhr

7. Ein Armutszeugnis

Für mich sieht es nach Komplettversagen der Ermittlungsbehörden aus, oder es ist gewollt. Wie kann es sein, dass serienweise Verbrechen stattfinden und in noch keinem Fall wurde ein Ergebnis erzielt. Da dürfte die Frage berechtigt sein, ob hier überhaupt ermittelt wird oder ob die Ergebnisse vielleicht unter den Teppich gekehrt wurden, weil es sich bei den Delinquenten um angesehene Mitglieder der Gesellschaft, in Politik und Jagdverband bestens vernetzt, handelte.

Thomas Klaßen, Samstag, 24.Februar, 12:47 Uhr

6.

Erschreckende Zahl, denn da wird mt Sicherheit eine beträchtliche Dunkelziffer dazu kommen. Erstaunlich aber auch, welch geringe Sachkenntnis der Genosse zeigt- Was stellt er sich vor? Dass die Polizei Vergleichsproben von allen Waffen hat? Gesetzt den Fall, es käne z.B. heraus, dass mehrere Luchse von Projektilen aus ein und derselben Waffe getötet wurden... Was brächte das für die Täterermittlung?.

Renate E., Freitag, 23.Februar, 15:12 Uhr

5. Einfach nur traurig!

Viele Menschen verdienen diese Bezeichnung eigentlich gar nicht. Wer unsinnig Leben auslöscht, auch von Tieren, nicht nur von Menschen, der sollte dafür gerade stehen müssen. Hoffen wir, dass wenigstens eine höhere Gerechtigkeit tätig wird, wenn schon keine menschliche es sein kann, weil die Täter nicht ermittelt werden können.

Waidler, Donnerstag, 22.Februar, 22:46 Uhr

4. Leonia

@leoina erst moi bayrisch Lerna dann schmatzen. 2. Wenn ma se ned aus kennt soit ma machst liess staad sei. 3.Wer soft dass a jaga ja?? 4. Wos sie Song is Verleumdung oana ganzn Region. 5 gibst scho fast mehr luchx ois reh. 6. Wenn's so Weng luxn gibt warum wer nochad andauernd waiche zamm gfon.?? 7.San de vicha de am luchx ois Guade diena ned schützenswert?? Auerhan haselhun schnepfa reh und hasal ?? ....

  • Antwort von Kommisar, Samstag, 24.Februar, 11:24 Uhr

    Na, ist das ein Outing? Sie wissen schon, dass man Ihren Wohnort ermitteln kann? Ihr Kommentar liest sich wie ein Geständnis.

Politi, Donnerstag, 22.Februar, 22:01 Uhr

3. Überlastung

Wie soll die Polizei denn noch Wilderer fangen?

Die sind doch schon überlastet - kontrollieren sie doch ab und an an drei Grenzübergängen.
Selbst Geldwäsche (gbw) und Abrechnungsbetrug (schorr) kann nicht mehr untersucht werden, die haben ja soooooo viel zu tun, die Ärmsten....
Und das aktive Wegschauen bei Steuerverkürzung und bei Lebensmittelskandalen geht schließlich auch an die Substanz!