13

Vorzeigeprojekt Niederwinkling Wohnungsnot in Ostbayerns Gemeinden soll bekämpft werden

Die Wohnungsnot ist inzwischen auch in den ländlichen Regionen angekommen. In Regensburg fand deshalb eine Wohnungsbautagung statt. Das Thema: Welche Wohnungen braucht das Dorf der Zukunft? Die Gemeinde Niederwinkling (Lkr. Straubing-Bogen) gilt dabei als Vorzeigeprojekt.

Von: Susanne Ebner

Stand: 07.02.2018

Wohnungsbau in Niederwinkling | Bild: BR/Susanne Ebner

Dass mittlerweile sogar in kleinen Städten und Gemeinden in Niederbayern und der Oberpfalz akute Wohnungsnot herrscht, ist noch recht neu. Jetzt reagiert zum ersten Mal die Politik. Am Donnerstag fand in Regensburg eine gemeinsame Wohnungsbautagung der Regierungspräsidenten mit Bürgermeistern und Architekten statt. Thema: Welche Wohnungen braucht das Dorf der Zukunft?

Acht Euro pro Quadratmeter

Das Dorf Niederwinkling im Landkreis Straubing-Bogen gilt in Bayern als positives Beispiel in Sachen Wohnungsbau. Vor nicht mal einem Jahr wurde mit dem Bau von günstigen Wohnungen begonnen, im Dezember waren sie schon fertig. Günstige acht Euro kostet der Quadratmeter auf dem freien Wohnungsmarkt. 5,36 Euro im sozialen Wohnungsbau. Ein neues Bürgerzentrum entstand: mit Ärzten, Apotheken, einem Einkaufszentrum, einem Theatersaal - alles auf Gemeindekosten. Ein Mammutprojekt, auf das der Bürgermeister Ludwig Waas von den Freien Wählern stolz ist.

"Wir haben mit der Regierung von Niederbayern gesprochen. Schließlich haben diese Leute lange bei uns Steuern bezahlt, davon bekommen sie jetzt etwas zurück."

Ludwig Waas, Bürgermeister von Niederwinkling

Bevölkerungsstruktur verändert sich im Ort

Ludwig Waas vor dem Bürgerzentrum

Früher gab es in Niederwinkling gar keine Wohnungen zu mieten, schon gar keine kleinen. Es war mal ein typisches Dorf mit Einfamilienhäusern und ein paar wenigen großen Einlieger-Wohnungen. Doch Bürgermeister Waas wollte etwas machen aus seiner Gemeinde, wies Gewerbeflächen aus, trieb schnelles Internet voran. Große Firmen siedelten sich an. Und brachten neben hohen Steuereinnahmen neue Bewohner für Niederwinkling. Dazu einige Flüchtlinge. Das alles hat die Bevölkerungsstruktur verändert. Und den Bedarf an Wohnungen.

Hilfe vom Bürgermeister

Aber auch Einheimische sind auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen. Die 78-jährige Rentnerin Lotte Hasenkopf hat Glück gehabt, dass sie eine kleine Wohnung im Ort bekommen hat. Im Erdgeschoß, behindertengerecht. Sie lebt schon immer in Niederwinkling. Hier hat sie geheiratet und fünf Kinder bekommen. Eine Tochter ist behindert und lebt bei ihr. Nach dem Tod ihres Mannes blieben der schwer kranken Frau die große Wohnung und die kleine Witwenrente. Sie ging zum Bürgermeister - und bekam Hilfe.

"Ich habe ihn auf der Straße getroffen und dann hab ich ihn einfach gefragt, ob da noch eine Wohnung frei ist. Und er hat gesagt, komm im Bürgerhaus vorbei, dann schauen wir mal. Und dann hab ich sie wirklich bekommen. Meine Tochter ist so glücklich, weil sie jetzt ein eigenes Zimmer hat."

Lotte Hasenkopf

"Es war für die Dörfer schon eine Umstellung"

Bürgermeister Waas will den Wohnungsbau weiter vorantreiben. 36 Häuser entstehen gerade am Rand der Gemeinde. Das nächste soziale Wohnbau-Projekt wurde gestern besiegelt. Doch auch das wird nicht reichen. In vielen anderen Gemeinden in Ostbayern ist es noch viel schlimmer. Bayerns Heimatminister Markus Söder (CSU) will zwar die Menschen in die Regionen bringen. Doch dafür muss frühzeitig die Infrastruktur - vor allem bezahlbarer Wohnraum - geschaffen werden. Das sieht auch Niederbayerns Regierungspräsident Rainer Haselbeck so:

"Es war für die Dörfer schon eine Umstellung. Aber der Freistaat hat Förderprojekte, davon können die Gemeinden profitieren."

Rainer Haselbeck, Regierungspräsident von Niederbayern

Niederwinklings Bürgermeister Waas hat heute auf der Tagung sein Modell-Konzept vorgestellt. Die Regierungspräsidenten haben aufmerksam zugehört und darauf hingewiesen, dass 2017 mehr als 1.200 Wohnungen durch staatliche Förderung gebaut oder modernisiert wurden. Sie haben also erkannt: so schnell wie möglich muss nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern und Gemeinden gebaut werden.


13

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

AfDlerin, Samstag, 10.Februar, 08:48 Uhr

6. Große Erfolge der AfD

=große Wohnungsnot in Niederbayern"?

Wolfgang, Mittwoch, 07.Februar, 19:00 Uhr

5. macht die kleinen Dörfer NICHT einwenig größer!

Entwickelt Schwerpunktorte verkehrsgünstig an Bahnlinien zu kompletten kleinen Städten, einwohnermäßig so bis zu 20 000 damit am Ort alle wichtigen Schulen, Fachärzte, Kultur und vielfältige Arbeitsplätze vorhanden sind. Und an Bahnlinien gelegen wäre dann für Spezialbedürfnisse auch die Großstadt nicht weit. Z.B. Neufahrn oder Hagelstadt an der Bahnlinie Landshut-Regensburg! Oder PostbauerHeng usw.

Wohnbebauung als Blockrandbebauung oder Reihenhäuser auf höchstens 250m² Grund, für eine Klein- oder Mittlestadt der kurzen Wege, mit Mischgebiet ohne reine Wohnviertel!

QuoVadis, Mittwoch, 07.Februar, 16:49 Uhr

4. Was ist mit Freyung-Grafenau?

Feststellen lässt sich: Niederwinkling hat enorm von seiner Lage direkt an der Autobahn A3 profitiert. Niederwinkling bekommt schon seit Jahren so gut wie keine Schlüsselzuweisungen. Es ist ganz klar, dass sich hier die Leute niederlassen wollen, ganz klar verändert das die Bevölkerungsstruktur. So wie im Landkeis Freyung-Grafenau auch, wer will da schon bleiben - ohne anständige Arbeitsmöglichkeiten, ohne so tolle Infrastruktur? Schon etwas verlogen, oder?

Steinpfälzerin, Mittwoch, 07.Februar, 15:33 Uhr

3. Weiter sinkende Immobilienpreise

Jetzt kommen also in den strukturschwachen Gegenden noch mehr Wohnungen und Häuser auf den Markt. Die Preise der Bestandswohnungen, die sowieso schon im unteren Bereich sind, sinken dann noch weiter. Und so etwas nennt sich Förderung. Nur gut für Baulöwen und ein paar rumänische Bauarbeiter.

babs, Mittwoch, 07.Februar, 14:57 Uhr

2. Wohnungen am Dorf

"Dass mittlerweile sogar in kleinen Städten und Gemeinden in Niederbayern und der Oberpfalz akute Wohnungsnot herrscht, ist noch recht neu."
Also als neu würde ich das nicht unbedingt bezeichnen, in Dörfern gibts und gab es schon immer relativ wenig Wohnungen weil die meisten Einwohner in Eigenheimen wohnen. Es gibt vereinzelt Leerstand von Häusern deren Bewohner verstorben sind. Die Erben meist weiter weg verkaufen dann, Wohnungen enstehen aber daraus in den meisten Fällen nicht. Wieso auch, die Renovierungskosten sind hoch und die zu erwartenden Mieten sind niedrig. Aus meiner Umgebung kann ich berichten das die zu erwerbenden Immobilien dann gerne von Städtern als Zweitwohnung für Wochenenden und Ferien gekauft werden.

  • Antwort von Monja, Mittwoch, 07.Februar, 15:43 Uhr

    babs, da haben Sie ja wohl die besseren Erfahrungen mit den Käufern gemacht :-((
    Bei uns im Ort standen auch plötzlich einige Gebäude leer. Alle sehr renovierungsbedürftig.
    Die Erben haben versucht, sie zu verkaufen (vermieten ging so erst mal nicht), weil sie weder die Erbschaftssteuer noch in einigen Fällen die Strabs-Sätze aufbringen konnten.
    Eingezogen sind ausnahmslos Familien aus, sagen wir, etwas prekären Verhältnissen, die der Meinung waren, sobald sie keine Nachbarn mehr im selben Haus hätten, bekämen sie nie mehr Ärger:
    Animalhoarding, Gartenvermüllung durch irgendwelchen Sperrmüll, extrem verhaltensauffällige und durch den Ort marodierende Kinder, Lärm, Gekreische, Beschimpfungen, Gewalt und dann noch die, die denken, sie hätten jetzt genügend Platz, um schnelles Geld mit einer Hundezucht machen zu können, denn Nachwuchs zeugen könnten die Viecher ja schließlich von allein und wenn man sie nicht so sehr füttert, werden sie auch nicht so fett...