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Kulturfestival Vier Weise sollen Frieden stiften bei Europäische Wochen in Passau

Im Führungsstreit beim Kulturfestival Europäische Wochen in Passau soll jetzt ein Beratungsgremium zwischen dem Festspiel-Intendant Thomas E. Bauer und der Vorsitzenden des Trägervereins Rosemarie Weber für Entspannung sorgen. Eine mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des Vereins ging am Dienstagabend mit einem Burgfrieden zu Ende.

Von: Bernd Kellermann

Stand: 11.04.2018

Seit Monaten gibt es Streit beim Kulturfestival Europäische Wochen zwischen dem neuen, erst seit 2016 amtierenden Intendanten Bauer und der Chefin des Trägervereins, Weber. Es geht um die künftige Ausrichtung der Festspiele, aber auch um finanzielle Probleme.

Zu einem offenen Schlagabtausch zwischen Weber und Bauer ist es bei der Mitgliederversammlung am Dienstagabend nicht gekommen. Übergangsweise soll nun ein Gremium von vier erfahrenen Männern beratend weiterhelfen. Diese "vier Weisen" sind der Politologe Prof. Heinrich Oberreuter, der frühere Präsident des Oberösterreichischen Landtags, Friedrich Bernhofer, der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Flisek und der frühere IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart. Oberreuter sieht in der Gründung des Beratergremiums einen "Burgfrieden".

Dem Festival drohte die Insolvenz

Kritisch ist nach wie vor die Finanzlage des Festivals. Weber wies darauf hin, dass die Festspiele zeitweise "in der Insolvenz mit allen strafrechtlichen Folgen gewesen sind". Wegen der Finanzprobleme kann heuer das auf das junge Publikum abzielende Werbemagazin "con fuoco" gegen den Willen des Intendanten nicht erscheinen.

Schatzmeister und Geschäftsführer Peter Kratzer forderte eine drastische Erhöhung der Eigenkapitalquote der Festspiele. Der Haushalt des Vereins weist bei einem Gesamtvolumen von rund 1,5 Millionen  Euro derzeit nur etwa 2.000 Euro Substanz-Kapital aus.

Verhältnis zwischen Intendant und Vereinschefin bleibt angespannt

Das Verhältnis zwischen Intendant Bauer und Vereinschefin Weber aber bleibt mehr als angespannt. Seine Drohung, das Amt des Intendanten niederzulegen, wiederholte Bauer zwar  nicht. Besonderen Rückhalt gewährte ihm Vorstandsvorsitzende Weber allerdings auch nicht. Auf Nachfrage aus dem Publikum, ob die Vorstandsvorsitzende bereit sei, weiter mit Bauer zusammenzuarbeiten, meinte Rosemarie Weber: "Wir planen weiter mit Thomas E. Bauer. Wer weiß aber, ob er nicht an die Mailänder Scala engagiert wird, wenn er so toll ist." Wegen derartiger Spitzen sagte allerdings eine mögliche Sponsorin: "Wenn der Vorstand nicht zum Intendanten steht, dann sage ich als Sponsor nein."

Bauer will jungens Publikum gewinnen

Intendant Bauer unterstrich in der Versammlung, dass er nur dann eine Zukunft für die Festspiele Europäische Wochen sieht, wenn junges Publikum gewonnen wird und die Finanzen durch die Gründung einer gemeinnützigen GmbH geordnet werden. Derzeit ist der Verein mit 270 Mitgliedern Träger der Millionenveranstaltung.


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Telemaco, Donnerstag, 12.April, 11:38 Uhr

1. Kleingeister

Die bei den Wahlen krachend gescheierte Oberbürgermeisterkandidatin der CSU Rosemarie Weber zeigt mit ihrem Verhalten und solchen öffentlich vorgetragen Spitzen gegen den Intendanten, dass sie offenbar für solche Führungsaufgaben wenig geeignet ist. Mit Thomas E. Bauer hat man einen renommierten Fachmann als Intendanten, der schon in seiner sehr kurzfristig zu planenden ersten Spielzeit geschafft hat, das Festival wieder hochklassiger zu gestalten, das Programm auf das Wesentliche zu konzentrieren und die gerade von den Kommunalpolitikern so gern beschworene überregionale Bedeutung des Festivals mit künstlerischer Qualität zu untermauern. Nachdem man Bauers Vorgänger auf nicht besonders schöne Weise geschasst hatte kommt es nun nach kurzer Zeit schon wieder zu Misstönen. Das wirft kein gutes Licht auf die Verantwortlichen in den Gremien und schadet dem Festival.