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Stellenabbau Siemens: Mitarbeiter in "Abschiebebüros" krankgeschrieben

Bei Siemens ins Ruhstorf (Lkr. Passau) wurden Mitarbeiter in gesonderten Büros untergebracht - ohne Arbeit. Sie wollen unter anderem keinen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Jetzt wurde bekannt, dass ein Großteil der Mitarbeiter krankgeschrieben ist.

Von: Martin Gruber

Stand: 06.03.2018

Siemens Werk in Ruhstorf | Bild: BR / Lars Martens

Ein Großteil der 13 Siemens-Mitarbeiter in Ruhstorf (Lkr Passau), die seit einigen Wochen in einem gesonderten Büro ihren Arbeitstag ohne Arbeit verbringen, ist krankgeschrieben. Das bestätigte der Betriebsrat dem BR.

Allerdings hätten die Krankheiten der Mitarbeiter nichts mit den besonderen Umständen in Halle 14 zu tun. Vielmehr handle es sich um Langzeitkranke beziehungsweise um Mitarbeiter, die von der Grippewelle betroffen seien.

Keine Arbeit - volles Gehalt

Die Situation am Siemens-Standort in Ruhstorf sorgt seit einiger Zeit für Schlagzeilen. 13 Männer und Frauen, die Ausgleichsangebote des Konzerns nicht angenommen haben, sind seit 1. Februar in einem abgeschiedenen Büro in Halle 14 untergebracht. Einer Tätigkeit gehen sie hier nicht nach, erhalten aber das volle Gehalt. Für diese Mitarbeiter gebe es schlichtweg keine Beschäftigung mehr, hieß es von Seiten der Konzernleitung.

"Den betroffenen Mitarbeitern wurden Angebote gemacht wie Altersteilzeit, ein Aufhebungsvertrag mit 'Abfindungszahlung' oder Eintritt in eine betriebseigene Beschäftigungsgesellschaft. Dabei gilt: Wir verzichten weitestgehend auf betriebsbedingte Kündigungen."

Siemens-Sprecher Bernhard Lott

Mit den Beschäftigten in Halle 14 werde verantwortungsvoll und fair umgegangen, so Siemens-Sprecher Bernhard Lott.

950 Beschäftigte in Ruhstorf

Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass etwa die Hälfte der 1.300 Stellen in Ruhstorf in den nächsten Jahren abgebaut werden soll. Die Produktion wird größtenteils nach Osteuropa verlagert. Aktuell hat der Standort noch 950 Beschäftigte.


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GEEL, Mittwoch, 07.März, 23:07 Uhr

4. Frenstat

Seit 01.01.2018 gilt: Kunden haben im Rahmen der Gewährleistung auch Anspruch auf Ersatz der Ein- und Ausbaukosten von defekten Motoren. Da wird sich im internationalen Wettbewerb zeigen, wer die Nase vorne hat.

EUROPASTOLZ, Mittwoch, 07.März, 16:01 Uhr

3. Freiheit statt Sozialismus

...und altrömische Dekadenz als Bezeichnung für offensichtlich unverschuldete Arbeitslosigkeit (wo sind die Faulen hin?) war jahrzehntelang das Mantra deutscher Politik. Und nun wird gejammert, wenn ein Unternehmen von ebendieser Freiheit Gebrauch macht. Mein Mitleid hält sich in solchen Fällen in engen Grenzen. Seit den 70er Jahren mehr und mehr entsolidarisierte Arbeitnehmerschaft führt nun mal dazu, dass die Konzernchefs zu Recht meinen, sie könnten nach Gutsherrenart ihre Firmen "führen".

Bedingungsloses Grundeinkommen? Kein Thema "Ich zahl doch nicht für die faulen Säcke, die ned schaffen wollen..."

Na dann zahlt Ihr eben für die, die "ned schaffen dürfen". Die dürfen dann zwar nicht wie beim Grundeinkommen ihre Zeit sinnvoll und menschenwürdig gestalten, aber ihr habt es ja nicht anders gewollt.

Mit AfD und deren Atomkraftpolitik (um nix anderes geht es bei denen nämlich) wird sicher alles wieder viel besser - wie gesagt: "Freiheit statt Sozialismus"

H Rohde, Mittwoch, 07.März, 08:30 Uhr

2. Nicht neu...

es ist schrecklich für die Kollegen in Ruhstorf und endlich kommt sowas auch mal in die Presse. Bei Siemens in Krefeld gab es vor einigen Jahren schon solche Praktiken. Das ist einfach menschenunwürdig! Von wegen wir sind eine Siemens-Familie!!!!

Die Big-Bosse interessiert nur die Marge und nicht die Menschen, die dafür sorgen!!!!

Mitarbeiter, Dienstag, 06.März, 15:52 Uhr

1. Heuchelei!

Zunächst mal: Anfangs hiess es: "Das sind nur Angebote, es steht jedem frei, dies auch abzulehnen" Vielleicht hätte man diese Massnahme da schon ankündigen sollen, als nun die Betroffenen in diese Halle zu verbannen! Und dann die Aussage von dem Siemens- Sprecher: Wir verzichten weitestgehend auf betriebsbedingte Kündigungen." Die können gar niemand kündigen, siehe Radolfszeller Abkommen! Gippekrank, ja ja eh klar... und Ostern fällt heuer auf Weihnachten! Meiner meinung sollten Betroffene hier evtl das Arbeitsgericht zu rate ziehen, um zu prüfen, ob das wirklich so legal ist, wie unser wie immer so zurückhaltender Betriebsrat meint. Hoffentlich bekommen auch Siemens Grosskunden mit, dass unsere Qualitätsmotore zukünftig billig im Ausland gefertigt werden, wobei ich hier den Qualitätsstandard stark in Frage ziehe! Hier werden Tschechen 14 Tage angelernt um sich unser KnowHow von Jahrzehnten anzueignen. Lächerlich!