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Teurerer Orangensaft, Whiskey oder Müsli? Handelskonflikt: Zölle könnten auch ostbayerischen Firmen schaden

Unternehmen in Niederbayern und der Oberpfalz sind besorgt über mögliche Folgen eines Handelskonflikts mit den USA. Auch Gegenzölle der EU könnten einheimische Firmen belasten. Auch auf Verbraucher könnten höhere Preise zukommen.

Von: Andreas Wenleder, Martin Gruber, Margit Ringer und Renate Roßberger

Stand: 13.03.2018

Euro und Dollar, Foto: Karl Holzhauser, (c)MEV_Aktuelles-Fotoarchiv-124 | Bild: MEV/Karl Holzhauser

Die Unternehmen in Niederbayern und der Oberpfalz sind sich einig: Neue Zölle und Handelsbarrieren lehnen sie ab. Freihandel sichere Arbeitsplätze und schaffe für alle beteiligten Nationen mehr Wohlstand, teilt Continental in Regensburg mit. "Mit dem Aufbau von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren würden sich die USA absehbar selbst schädigen", so eine Sprecherin. Auch bei ZF in Passau wünschen sich die Verantwortlichen weiterhin einen freien Welthandel. Dieser sei eine maßgebliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Auswirkungen möglicher Zölle könne das Unternehmen im Moment aber noch nicht abschätzen, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Auch Mittelständler könnten betroffen sein

Doch nicht nur die großen Autokonzerne und Zulieferer könnten die neue Handelspolitik zu spüren bekommen. In Parkstein (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) hat die Firma Witron ihren Sitz. Mit 2.800 Mitarbeitern weltweit plant und realisiert das Unternehmen automatisierte Logistikzentren.  Ein Drittel des Gesamtumsatzes entfällt dabei auf Nordamerika, erzählt Geschäftsführer Helmut Prieschenk.

"Wir sind derzeit dabei zu analysieren, in welchem Ausmaß sich die Zölle auf unser Geschäft auswirken und ermitteln gemeinsam mit unseren Kunden, welche Möglichkeiten wir haben, diesem Umstand zu begegnen."

Helmut Prieschenk

Da man aber die Rahmenbedingungen nicht beeinflussen könne, setzte man weiterhin auf den Mehrwert der eigenen Produkte für die Kunden.

BMW könnte von großem US-Standort profitieren

Ähnlich sehen es viele andere Unternehmen in der Region. Die meisten sind zwar nicht direkt von den angekündigten US-Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen. Allerdings könnten Gegenmaßnahmen der EU und weitere Gegenreaktionen der US-Regierung auch die Produkte der hiesigen Firmen verteuern.

BMW könnte zwar wohl weiterhin Autos aus dem großen US-Werk in Spartanburg (South Carolina) zollfrei in den USA verkaufen, sagt Handelsrechtsexperte Christoph Herrmann von der Universität Passau. Doch Autos aus dem Werk in Dingolfing könnten in den USA durch Zölle verteuert werden, sollte US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung wahrmachen und auf Gegenzölle der EU mit höheren Auto-Abgaben reagieren. Auch Zölle auf zugelieferte Autoteile für das Werk in Spartanburg, wie Motoren oder Getriebe, könnten dann möglich sein, so Herrmann.

Dass das Geschäft aber auch bei hohen Einfuhrzöllen nicht gleich zusammenbricht, zeigt ein Beispiel aus dem Bayerischen Wald: Für den Glashersteller Zwiesel Kristallglas sind die USA der wichtigste ausländische Markt. Schon heute verlangen die Vereinigten Staaten nach Angaben des Unternehmens 22 Prozent Einfuhrzölle auf die Glasprodukte der Firma. Trotzdem verkaufen sich die Produkte aus Zwiesel gut in den Staaten.

Alltägliche Produkte könnten auch für Europäer teurer werden

Markus Nagler

Doch bei einem eskalierenden Handelskonflikt müssen am Ende vielleicht auch die europäischen Verbraucher draufzahlen - und zwar bei ganz alltäglichen Produkten. Markus Nagler betreibt in Regensburg eine Saft-Kelterei. Neben Apfelsaft aus heimischem Obst hat Nagler in seinem Angebot auch viele Produkte mit Orangensaft. Als Gegenmaßnahme auf die Stahl- und Alu-Zölle droht die EU unter anderem Orangensaft aus den USA mit höheren Abgaben zu belegen. Nagler bezieht seinen Orangensaft zwar aus Brasilien, aber die Verflechtungen auf dem Weltmarkt sind stark, so dass höhere Preise für US-Orangensaft auch das brasilianische Angebot teurer machen könnten.

"Strafzölle sind grundsätzlich nie gut, ein Handelskrieg ist nie gut. Der bringt alles durcheinander. So freuen sich die Brasilianer vielleicht trotzdem, wenn der amerikanische Orangensaft teurer wird.  Dann können sie mehr verkaufen und vielleicht auch ihre Preise etwas anpassen. Insofern gibt es immer Querverbindungen."

Markus Nagler

Derzeit rechnet Nagler aber nicht mit großen Preissprüngen für die Verbraucher. Trotzdem könnten höhere Weltmarktpreise für andere Lebensmittel fällig werden, wenn die EU wie geplant beispielsweise Cranberries mit höheren Zöllen belegt. Diese mischt auch das Passauer Unternehmen Mymüsli gerne in ihre Müsli-Mischungen.

Amerikanischer Whiskey wird bereits knapp

Freunde des edlen amerikanischen Tropfens bekommen die möglichen Gegenmaßnahmen der EU sogar schon jetzt zu spüren. Die Preise für amerikanischen Whiskey sind bereits gestiegen, sagt Andreas Hiermer vom Spirituosen-Fachgeschäft The Whisky Brothers in Regensburg. Allein das Gedankenspiel der EU, die höheren Stahlabgaben mit höheren Zöllen auf amerikanischen Whiskey zu vergelten, habe bereits ausgereicht, um das Angebot knapp werden zu lassen.

"Es ist tatsächlich so, dass die Generalimporteure bereits die Luft anhalten und kein Nachschub mehr möglich ist derzeit."

Andreas Hiermer

Normalerweise habe er bis zu zwölf Sorten Bourbon Whiskey in seinem Geschäft vorrätig, im Moment nur noch drei. Somit trifft der drohende Handelskonflikt schon jetzt eine Zielgruppe, die US-Präsident Trump sicher nicht treffen wollte: Soldaten und Angestellte der US-Truppen in der Oberpfalz. Denn die bestellen den amerikanischen Premium-Whiskey besonders gern bei The Whisky Brothers in Regensburg. Alternativ gebe es aber genügend gute kanadische, irische oder schottische Whisky-Sorten, sagt Hiermer. Die würden sicher nicht unter die möglichen Gegenzölle der EU fallen.


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Michael D., Dienstag, 13.März, 15:06 Uhr

1. Oh, was kommt nun bloß auf uns alle zu?

Natürlich, der Weltuntergang steht kurz bevor, weil es höhere Zölle geben wird in Amerika. Und besonders schlimm - der amerikanische Whiskey wird knapp! Sofortiges Jammern auf hohem Niveau. Man erinnert sich da gleich an das große mediale Wehklagen nach dem Brexit. Wenn unsere Städte sichtbar mehr und mehr vermüllen und die Kriminalität ständig ansteigt, ist das weniger schlimm für unsere Mainstreamjournalie. Aber wehe, ein Land geht seinen eigenen Weg. Oder ein gewisser Präsident...