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Mit dem "Freyung Shuttle" von Haustür zur Haustür Bald gibt's "On-demand-ÖPNV" im Bayerwald

In Freyung im Bayerischen Wald ist es schwer, ohne Auto mobil zu bleiben. Der Bus fährt nur unregelmäßig, am Wochenende gar nicht, und das Taxi ist teuer. Das soll sich ab September ändern. Dann führt Freyung als erste Stadt deutschlandweit den „on-demand-ÖPNV“ ein.

Von: Tanja Oppelt

Stand: 04.07.2017

door2door führt gemeinsam mit der Kreisstadt Freyung den bundesweit ersten „On-Demand”-ÖPNV im ländlichen Raum ein, den „Freyung Shuttle”. | Bild: door2door

Mithilfe der App "Freyung Shuttle" können sich die Freyunger einen Fahrdienst zu sich nach Hause bestellen – für deutlich weniger Geld als ein Taxi. Entwickelt hat das System ein junges Start-up-Unternehmen in Berlin namens „door2door“.

Die Idee: Eine Art Sammeltaxi soll die Kunden zu jeder Tageszeit genau dort hinbringen, wo sie hinwollen. Dazu muss der Kunde den gewünschten Start- und Endpunkt in sein Smartphone eingeben und auf ‚ok‘ drücken. Dann bekomme er drei Informationen, erklärt der Chef des Berliner Start-Up-Unternehmens Maxim Nohroudi, nämlich wie weit der Shuttle noch entfernt ist, wie lange der Kunde zu seinem Ziel braucht und wie viel die Fahrt kostet. 

Optimierte Fahrten per App 

Der Bus unterwegs aus der Vogelperspektive

Die App koordiniert die Fahrtwünsche der Freyunger und stellt für das Sammeltaxi optimierte Routen zusammen, das geht auch noch während der Fahrt. Weitere Fahrgäste können zusteigen, überraschende Begegnungen gibt’s also inklusive. Dadurch kann die einzelne Fahrt aber zu einem Preis deutlich unter dem Taxitarif angeboten werden. Das ist genau das, was wir brauchen, dachte sich der Freyunger Bürgermeister Olaf Heinrich. Denn der Busverkehr in Freyung lässt durchaus Wünsche offen. 

"Im Moment deckt die Stadt mit einem Stadtbus einen Teil des Stadtgebietes ab. Insbesondere ist die Taktung ist  so, dass man selten einen Bus bekommt, wenn man ihn braucht."

Olaf Heinrich (CSU), Bürgermeister von Freyung 

Die Freyunger Stadtbuslinie fährt sieben bis achtmal am Tag, Montag bis Freitag. Alle anderen Zeiten soll künftig der Freyung-Shuttle abdecken. 

Einfach zu bedienen 

Wer kein Smartphone hat oder sich die Bedienung der App nicht zutraut, kann den Shuttle in einer Übergangsphase auch telefonisch bestellen. Aber Bundesverkehrsminister Dobrindt hat die App des Unternehmens door2door schon getestet und ist sich sicher: Das kann jeder.

 "Meine Erfahrung ist, door2door zu nutzen ist einfacher, als am ÖPNV-Fahrkartenschalter eine Fahrkarte zu kaufen."Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) 

Freyung als Vorreiter

Modernes Logo der Bayerwaldstadt

Vom Bundesverkehrsministerium gab es Fördergelder für die Entwicklung der App. Im Gegensatz zu Anbietern wie Uber, sagt Dobrindt, funktioniere dieses Projekt nicht nur in der Großstadt. Nach den Sommerferien, Mitte September, soll der Freyung-Shuttle an den Start gehen. Kurz darauf will auch die Stadt Duisburg das „Sammeltaxi des 21. Jahrhunderts“ einführen.


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Stefan Rosner, Samstag, 08.Juli, 11:34 Uhr

4. Die Provinz sind immer die Anderen

Auch wenn uns die englischen Begriffe nicht gefallen , bei dem Unternehmen handelt es sich um eine öffentliche Antwort auf UBER und es gibt schon einen weiteren Standort für das Unternehmen in Porto Alegre, Brasilien auch dort könnten sich die Leute über Englisch als Sprache beschweren, aber es ist nun mal die internationale Geschäftssprache.
Und es geht nicht um "hauptsächlich älteren Menschen", sondern ein Angebot für Alle, gerade für die Jugend die schon weiß was eine App (= Applikation also Anwendung) ist.
Im Gegensatz zu UBER ist das System aber mit den anderen öffentlichen Systemen vernetzt, "weiß" also wann der nächste Zug geht und kann einen genau dahin bringen und im Gegensatz zu den "ollen" Bürgerbussen und Rufbusen sollten hier die Fahrzeuge immer in Bewegung sein und nicht erst aktiv werden wenn mal jemand anruft (was dann im Zweifel ewig dauern kann). Ob das nun auch in einer kleinen Stadt geht ist ja gerade das spannende und alles andere als provinziell!

Gabi, Dienstag, 04.Juli, 10:32 Uhr

3. On-demand-ÖPNV?

Ja, bei uns heißt das Ding auch einfach Rufbus und ist ein Service unseres Bürgerbusses. Aber wir wohnen halt auch in Franken in der Provinz.
Ältere Leute, für die das ja gedacht ist, können doch mit diesem denglischen Namen nichts anfangen.
Es gibt Leute, die denken Denglisch ersetze Fachkompetenz.

Josef Rödl, Dienstag, 04.Juli, 06:59 Uhr

2. Fürchterliche Namensverhunzung

Wie kann man nur eine so gute Idee gleich mit so viel englischen Modebegriffen verhunzen? Und das ausgerechnet auch noch im bayerischen Wald und ausgerechnet für eine Kundengruppe von wahrscheinlich hauptsächlich älteren Menschen?

"door2door" anstelle von "Tür zu Tür" ?
Freyung "Shuttle" anstelle von Sammeltaxi ?
Bestellung per "App" ?

Da kann selbst der bayerische Rundfunk nicht widerstehen und nennt das ganze auch noch "on-demand-ÖPNV“ eines "Start-Up"-Unternehmens ???

Gibt es denn bald niemand mehr, der sich noch in die heimische Sprachwelt, insbesondere von älteren Menschen hineindenken kann ?

Fürchterlich ...

  • Antwort von Gutmenschlein, Dienstag, 04.Juli, 08:20 Uhr

    Sehr gut!

nichts Neues, Dienstag, 04.Juli, 06:52 Uhr

1. ÖPNV

Ein einfacher Rufbus - seit Urzeiten in Norddeutschland bekannt - würde es auch tun.