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Behandlung der Zukunft Diagnose per Computer: Telemedizin wird seit Jahren in Zwiesel getestet

Der Deutsche Ärztetag hat entschieden, dass Mediziner künftig Patienten auch aus der Ferne behandeln dürfen. Die sogenannte Telemedizin ist besonders für Menschen auf dem Land wichtig. Im Bayerischen Wald wird die Technik bereits seit Jahren getestet.

Von: Renate Roßberger

Stand: 16.05.2018

Dr. Petra Rainer, Neurologin am Zwiesler Krankenhaus  | Bild: BR/Renate Roßberger

Patientenaufnahme im Krankenhaus Zwiesel (Lkr. Regen). Eine junge Frau mit unklaren Beschwerden wird untersucht - der Assistenzarzt hat über den PC eine Neurologin aus der Uniklinik Regensburg zugeschaltet. Die Ärztin sieht die Patientin über eine Kamera, stellt ihr Fragen. Dann die Entwarnung: Es ist keine schwere Krankheit.

Diagnose über den Bildschirm

Anders sah es bei Margot Käß aus. Die 79-Jährige bekam am Samstag eine Schlaganfalldiagnose - über den Bildschirm.

"Es war erst mal unheimlich interessant, das habe ich noch nie gesehen. Dann meldete sich der Arzt aus München. Ich durfte ihm einige Bewegungen zeigen: Hände hoch, Füße auch. Und dann hat er gesagt: 'Ja, das war ein Schlaganfall'."

Margot Käß, Schlaganfallpatientin

Tempis heißt das Telemedizin-Projekt, an dem sich das Krankenhaus in Zwiesel seit zehn Jahren beteiligt. Insgesamt sind es 21 Kliniken in Südostbayern. Dabei werden am Wochenende oder nachts Spezialisten aus Regensburg oder München zugeschaltet. Für die fest angestellte Neurologin am Zwiesler Krankenhaus, Dr. Petra Rainer, ist das ein enormer Gewinn.

"Weil wir die Therapie sozusagen von den Spezialkliniken auf's Land bringen. Dadurch können Patienten eine Therapie erhalten, die sie sonst vielleicht nicht mehr bekommen würden, weil die Wege zu lang sind."

Dr. Petra Rainer, Neurologin

Telemedizin bei Hausärzten

Auch bei Hausarztpraxen macht Telemedizin Sinn, zum Beispiel bei der Kontrolle chronischer Wunden, sagt die Allgemeinärztin Dr. Andrea Pinker in Frauenau. Sie wird die Telemedizin bald selbst ausprobieren - im Modellprojekt "Digitales Dorf" der Gemeinden Frauenau und Spiegelau. Dabei müssen sich die Patienten nicht selbst über ihre eigenen Rechner mit Kamera zuschalten. Eine Arzthelferin wie Julia Langrock kommt mit der Technik auf Hausbesuch.

"Ich habe so eine Art Tablet dabei. Damit kann ich die Ärztin anrufen und die sieht dann am Bildschirm, wie die Wunde aussieht."

Julia Langrock

Dann kann die Arzthelferin zum Beispiel die Wunde neu verbinden oder den Blutdruck des Patienten messen.

"Persönlicher Kontakt gehört dazu"

Telemedizin klappt aber nur, wenn Arzt und Patient sich von vorherigen Terminen kennen, findet Allgemeinärztin Pinker. Es sei eine gute Zusatzmöglichkeit der Behandlung. Sie befürchte aber, dass man dadurch nur dem Arztmangel auf dem Land entgegenwirken will. Das sieht Pinker skeptisch: "Ich finde, dass grade beim Hausarzt der persönliche Kontakt dazugehört."


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