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Rentnerin in Straubing Altersarmut trotz lebenslanger Arbeit: "Das ist erniedrigend"

Wer in Rente geht, hätte eigentlich Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Aber vielen alten Menschen fehlt wegen zu wenig Rente das Geld dafür. Das hat auch der Sozialverband VdK heute auf seiner jährlichen Pressekonferenz kritisiert. Besuch bei einer Rentnerin in Straubing, die auf jeden Cent achten muss.

Von: Tobias Brunner

Stand: 13.12.2017

Alte Hände öffnen einen Geldbeutel mit wenigen Münzen darin | Bild: picture-alliance/dpa

Sofie Bücherl auf dem Weg zum Supermarkt. Ihr 16 Jahre alter Peugeot ist Luxus für die Straubinger Rentnerin, denn meistens reicht das Geld gerade so zum Leben. Die 70-Jährige ist von Altersarmut betroffen, nach Abzug von Miete und aller Nebenkosten bleiben ihr jeden Monat gerade mal 300 Euro übrig.

"Sechs Jahre bin ich jetzt in Rente, aber dass es finanziell so schwierig wird, hätte ich nicht geglaubt. Ich hab mir eigentlich gedacht, dass ich so viel bekomme, dass ich nicht zum Beispiel eine Grundsicherung brauche. Das ist für mich schon eine Erniedrigung."

Sofie Bücherl

"Lebenslang geschuftet"

Weil das Geld so knapp ist, springt der Staat mit der Grundsicherung ein. Insgesamt rund 840 Euro bekommt sie monatlich, 790 davon macht ihre Rente aus. Damit gilt Sofie Bücherl als arm, laut offizieller Statistik liegt die Grenze dafür bei 969 Euro. Und das, obwohl sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet hat. Zum Beispiel in einer Metzgerei, in einem Lederfachgeschäft und zuletzt 16 Jahre lang bei der Post.

"Das tut schon schon sehr weh, wenn du das ganze Leben lang schuftest, zwei Kinder alleine aufziehst. Ich würde mir ja gerne etwas dazu verdienen, aber mit meinem Gesundheitszustand geht das einfach nicht mehr."

Sofie Bücherl

Die Arthrose setzt ihren Gelenken zu. Und über die Jahre hat Bücherl nicht genügend in die Rentenkasse einzahlen können.

Tochter muss finanziell aushelfen

Nach zwei Scheidungen ist die Rentnerin auf sich allein gestellt. Für sie heißt das: sparen, wo es nur geht. Beim Einkaufen achtet sie auf Angebote und kauft billige Artikel auf Vorrat. Auch Medikamente oder Salben kauft sie immer in derjenigen Apotheke, wo sie gerade am günstigsten sind.

Wenn es ganz eng wird, bekommt Sofie Bücherl manchmal finanzielle Hilfe von ihrer Tochter. Etwa bei größeren Anschaffungen wie einer Kaffeemaschine. Und zu Weihnachten gibt es dann auch mal was Besonderes: in diesem Jahr einen neuen Kopfhörer.


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Barbara, Donnerstag, 14.Dezember, 14:23 Uhr

8. Die "Grundsicherung" ist kein Ausweg aus der Altersarmut!

Der Grund, warum Millionen Menschen keine ausreichende Rente haben, liegt darin, daß viele Leute zeitlebens trotz Beschäftigung viel zu wenig verdient haben, um überhaupt ausreichende Rentenbeiträge einzahlen zu können. Dabei werden "freiberuflich Tätige" steuerlich wie "Selbständige" behandelt, so daß sie bei der AoK und Rentenversicherung die doppelten Beiträge einzahlen müssen, obwohl sie doch im Grunde genommen Arbeitslose sind. Das ist eine Ausbeutung der Ärmsten. Geht nur ein Armutsrentner zum Sozialamt, so muß er zuerst seinen eigenen Rentenanspruch an den Staat übereignen,andernfalls bekommt er keine Grundsicherung. Er darf auch nur ca. 2.600 € "Vermögen" haben, darf nicht einmal soviel Geld haben, daß er seine eigene Beerdigung zahlen kann, darf kein Auto besitzen, obwohl er das notwendig braucht und ist all seiner Rechte beraubt. Geht man so mit Menschen um, die ein Leben lang fleißig gearbeitet haben? Darum ist die Mindest-Rente das Gebot der Stunde!

Rentnerin, Donnerstag, 14.Dezember, 08:19 Uhr

7.

Das ist nun mal so im Sozialismus. Alle sind gleich nur manche sind Gleicher. Dafür haben sich unsere Politiker wieder Ihre Diäten erhöht. Aber die sogenannte Rentenreform groß feiern. Jawohl, die Rente ist sicher ! nicht wahr Herr Blüm.

Mut, Donnerstag, 14.Dezember, 02:35 Uhr

6. Mindestrente

Eine reiche Zahnarzt- Ehefrau z. B.die nie gearbeitet hat, würde bei Einführung einer Mindestrente dann das gleiche erhalten wie die Putzfrau die 45 Jahre geschuftett hat, und das auf die Kosten der Allgemeinheit

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 14.Dezember, 07:36 Uhr

    Naja,das Familieneinkommen wird schon angerechnet.....soooo blöd ist keine Rentenkasse.

  • Antwort von Barbara, Donnerstag, 14.Dezember, 14:29 Uhr

    Bei einer Mindest-Rente geht es doch nicht darum, daß Leute, die eh schon versorgt sind, noch eine zusätzliche Rente bekommen, sondern bei einer Mindest-Rente geht es darum, daß Leute, die trotz lebenslanger Beschäftigung bei zu wenig Verdienst nicht das Nötige zum Leben haben. Diese Armuts-Renten müssen auf ein ausreichendes Maß angehoben werden. Die "Grundsicherung" ist hierfür keine Lösung.

Renate E. , Mittwoch, 13.Dezember, 23:37 Uhr

5. Leider kein Einzelschickicksal.

Das zu lesen, das lässt natürlich den Mitbürger nicht kalt. Es würde so ein Elend nicht geben, hätten wir Regelungen wie viele andere EU-Staaten, zum Beispiel eine ordentliche Mindestrente! Angeblich sind wir ein führender Industriestaat, in den Medien wird fast täglich verkündet, "Noch nie ging es uns so gut, wie heute", trotzdem haben wir die meisten Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Und die höchsten Steuern, wenn man von Dänemark absieht, wo aber die Löhne höher sind, also letztendlich mehr hängen bleibt beim Schaffenden. Der Fall Bücherl ist nur die Spitze vom Eisberg. Doch kam für sie und andere Betroffene diese geringe Rente nicht unvorbereitet - die arme Frau wusste natürlich vorher, dass die niemals damit reichen kann. Es hätte schon vor einigen Jahren ein öffentlicher Aufschrei erfolgen müssen...

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 14.Dezember, 07:34 Uhr

    Jahrelang hetzen gegen die angeblich ach so faulen französischen und griechischen Rentner und jetzt plötzlich (kurz vor der Rente?) das gleiche für Deutschland vordern? Ihr EU-Hasser seit echt schräg drauf.

QuoVadis, Mittwoch, 13.Dezember, 19:12 Uhr

4. Wir haben verstanden.

Wie war das noch mal? Was hat Seehofer gesagt?
Ohne Worte.............................................................