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Ab 25. Mai gilt die Verordnung in der EU Neue Datenschutzregeln: Was bedeuten sie für eine Hausarztpraxis?

Noch eine Woche, dann tritt die neue Datenschutzverordnung in den EU-Ländern in Kraft. Für viele Unternehmen bedeuten diese Regeln einen erheblichen Mehraufwand. Beim Hausarzt etwa heißt der zusätzliche Papierkram in der Praxis: weniger Zeit für den Patienten.

Von: Karin Bensch

Stand: 18.05.2018

Hände einer Ärztin suchen in einer Patientenkartei aus Papier | Bild: picture-alliance/dpa

Zu Besuch im Hausarztzentrum in Werther in Ostwestfalen. Hier geht es nicht nur darum, dass Kranke gesund werden. Hier werden auch viele sensible Patientendaten gesammelt und verarbeitet. Mit den neuen europäischen Datenschutzregeln wird sich hier einiges ändern, erzählt Dr. Matthias Stratmann, Allgemeinmediziner.

"Es gibt diverse Vorlagen, die unsere Patienten jetzt unterschreiben müssen. Wir müssen einen Aushang machen, wo die Patienten darauf hingewiesen werden, was mit ihren Daten passiert."

Matthias Stratmann

Deutlich mehr Schreibtischarbeit

Mit den neuen Datenschutzregeln muss der Arzt Nachweise führen, wer mit den empfindlichen Patietendaten umgeht. Neben ihm selbst sind das vor allem die Arzthelferinnen, aber auch Praktikanten und Famulanten. Genauer dokumentiert werden muss in Zukunft auch, was mit den sensiblen Informationen geschieht, sagt Stratmann.

"Datenschutz stand schon immer sehr hoch. Aber das jetzt muss alles schriftlich fixiert werden. Das ist das, was große, große Probleme bereitet."

Matthias Stratmann

Mit den neuen europäischen Datenschutzregeln kommt auf den Hausarzt in Ostwestfalen und sein Team deutlich mehr Papierkram zu. Mehr Schreibtischarbeit bedeutet weniger Zeit für die Patienten, kritisiert der Arzt. Er fühlt sich von Brüssel bevormundet.

"Man hat den Eindruck, es sind keine Menschen, die von der Basis kommen, die die Praktikabilität überprüft haben, sondern das wird von oben aufgepfropft, und wir haben das dann irgendwie umzusetzen."

Matthias Stratmann

Verbraucher werden besser geschützt

Vera Jourova ist in Brüssel mit für die neuen Datenschutzregeln verantwortlich. Die Politikerin ist in der EU-Kommission für Recht und Verbraucher zuständig. Jourova hat Verständnis dafür, dass Unternehmen, die Kundendaten erfassen, den künftigen Mehraufwand kritisieren. Ihrer Ansicht nach ist es die Sache aber wert. Denn durch die strengeren Datenschutzregeln würden sensible Informationen effektiver gegen Missbrauch geschützt, und Kunden könnten ihre Rechte besser einklagen. Die neuen Datenschutzregeln geben Menschen eine größere Chance ihre Privatsphäre unter Kontrolle zu haben, sagt die EU-Kommissarin.

Wenn Daten ein Kerngeschäft sind, müssen sich die betroffenen Unternehmen an die strengeren Regeln halten, sagt Verbraucherkommissarin Jourova. Egal, ob es sich um große Konzerne oder kleinere Unternehmen handelt. Es gehe um die schützenswerten Daten. Gerade bei Ärzten ist es vielen Kunden sehr wichtig, dass ihre intimen Daten gut geschützt sind, meint Jourova.

Stratmann und sein Team in der Hausarztpraxis in Ostwestfalen werden also in Zukunft mehr dokumentieren, und die Patienten besser darüber aufklären müssen, was mit ihren Daten geschieht. Ob der Mehraufwand die Daten der Kunden tatsächlich sicherer machen, muss sich für den Arzt erst noch beweisen. 


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Bürger, Freitag, 18.Mai, 13:56 Uhr

4. Datensicherheit

Was ist denn mit den Daten in den ganzen Ämtern ? Darüber wird gar nicht berichtet. Vom Einwohnermeldeamt werden meine Daten an Hinz und Kunz weitergegeben, es sei denn ich habe ausdrücklich dagegen Einspruch erhoben.

Motzki, Freitag, 18.Mai, 12:11 Uhr

3.

Eine Monsterbürokratie wird entworfen, um Firmen wie Facebook einzubremsen, und dann wird dieses Monster allen kleinen und mittleren Firmen übergebraten.
Diese Firmen können aber nicht wie Facebook eben mal zig Mitarbeiter für Monate nur DSGVO machen lassen. Diese Firmen sind schlank und müssen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Was Vera Jourova in Interviews sagt, zeigt, dass sie schlicht keine Ahnung davon hat, was die Umsetzung der DSGVO für KMUs bedeutet.

Die Abmahnindustrie steht in den Startlöchern. Es werden viele KMUs infolge der DSGVO beschädigt oder gar zerstört werden. Die Wirtschaft leidet, Arbeitsplätze gehen verloren.
Das haben unsere Politikdarsteller mal wieder fein hinbekommen.

Aber wenn der Rundfunkbeitrag einen umfassenden Datenabgleich mit den Einwohnermeldeämter macht, da interessiert sich keiner für den Datenschutz ...

3Franke, Freitag, 18.Mai, 10:21 Uhr

2. Datenschutzwahnsinn

Voll über das Ziel hinausgeschossen. Nur weil es Unternehmen gibt die von Daten leben, müssen alle Firmen einen wahren Datenschutzwahnsinn erfüllen. Es geht nicht nur um Firmen, die vorwiegend mit Daten umgehen. Jede Firma wird überfordert, da es schon reicht Adressdaten und Telefonnummern zu notieren oder Löhne auszurechnen. Wenigstens die kleineren Firmen kriegen große Probleme, da die sich kein zusätzliches Personal oder wahnsinnig teure externe Experten nur für diese Arbeiten leisten können. Und die größte Schwierigkeit ist ja nicht mal die stetige Dokumentation während der normalen Arbeit, die man ja eigentlich machen müsste. Die Frage ist ja, wie zerstückele ich Datensicherungen auf der Suche nach Daten, die ich löschen muss, was wiederum dokumentiert genau werden muss. Ein bislang unlösbares Problem. Da werden Gesetze gemacht, ohne darauf zu achten, ob sie überhaupt erfüllbar sind. Für diesen bürokratischen Wahnsinn erstellt man dann wiederum Datenlisten.

EWerner, Freitag, 18.Mai, 09:38 Uhr

1. Datenschutz

Mich würde als Verbraucher mal interessieren wie das in den anderen Europäischen Ländern gehandhabt wird und was z.b. die Autobahngebühr Abzogger in Österreich, Slovenien, Italien, Frankreich, Spanien mit den Daten macht.

Wie immer wird nur der "kleine" von den großen Werk betroffen sein.

  • Antwort von Floh, Freitag, 18.Mai, 18:12 Uhr

    Das ist immer so, die kleinen hängt man die Großen lässt man laufen.