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Zwischen Breitbandausbau und künstlicher Intelligenz | BR24

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Zwischen Breitbandausbau und künstlicher Intelligenz

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    Zwischen Breitbandausbau und künstlicher Intelligenz

    Der Digitalgipfel in Nürnberg lockte dieses Jahr mit dem obligatorischen Flugtaxi, künstlicher Intelligenz und Kreativem. Was machen Verbände, die Buchhandel, Gaming-Industrie und TV-Sender vertreten, beim Digital-Gipfel?

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    Man hört viel Verärgerung heraus, gegenüber den Telekommunikationsunternehmen und den US-Internet-Riesen wie Amazon oder Apple. Jürgen Doetz, Privat-Fernseh-Urgestein, erläutert die Stoßrichtung der Plattform Kultur und Medien: "Sie will einer oft sehr technologiegetriebenen Diskussion insoweit eine sinnvolle Ergänzung liefern, als dass wir deutlich machen, es geht um die Inhalte. Und Digital ist mehr als Technik. Es ist ein ständiger Kampf gegen die Giganten der Infrastruktur, ernst genommen zu werden, bei der Bundesregierung Gehör zu finden, daraus Kapital zu schlagen, indem eben die Gesetzgebung anders darauf reagiert."

    Merkels Bepreisung der Kreativität

    Gehör zu finden – zumindest das ist ihm gelungen, beim Vorgespräch mit der Kanzlerin, deren Keynote das Highlight des Digitalgipfels bildet. Bei ihr geht es um Industrie 4.0, um Online-Zugänge der Bürger zur Verwaltung, um den einen Tag später gescheiterten Digitalpakt Schule – und um die Kreativindustrie: "Auf jeden Fall ist wichtig, dass wir Content, dass wir Inhalt schützen und erarbeiteter Inhalt weiter seinen Wert behält. Die Idee, man könnte eine digitale Welt schaffen, in der alles genau anders herum ist als in der realen, die wird nicht aufgehen, und bestimmte Grundprinzipien müssen auch in der digitalen Welt durchgesetzt werden. Dazu gehört auch die Bepreisung von Kreativität. Ansonsten werden wir eine fürchterliche Verflachung von Inhalten bekommen, die wir nicht akzeptieren können. Hier haben wir noch viel zu tun."

    Künstliche Intelligenz in den Medien

    Bepreisung von Kreativität – nicht gerade ein Ausdruck, den Kreative nutzen würden – aber sie wollen natürlich von ihren Ideen leben können. Das ist etwas, was Wirtschaftsminister Peter Altmeier gut nachvollziehen kann, als er sich die Stände der Plattform Kultur und Medien anschaut – nachdem deren Vorsitzende, Staatsministerin Monika Grütters, nicht zum Digitalgipfel gekommen ist. Wofür man Künstliche Intelligenz im Fernsehen einsetzen kann, wird ihm von einem Vertreter der ARD erläutert: Zum Beispiel, um Bilder und Videos im Netz zu überprüfen, zu verifizieren: Sind sie echt, gefaked, von einem anderen Ort, vielleicht nicht neu, sondern schon länger im Netz? Oder: "Man könnte Künstliche Intelligenz sehr gut nutzen, um Sprache zu Text zu machen und automatische Untertitel zu generieren, das wäre das Thema Barrierefreiheit."

    Ein Spotify für Medien

    Wirtschaftsminister Altmaier will der US-Dominanz bei Digitalisierung und KI etwas entgegensetzen – der Pay-Wall-Gedanke missfällt ihm, er entwickelt vor Ort gleich ein anderes Geschäftsmodell für Medien: "Die Paywall ist eine Krücke, um jetzt mal ein bisschen Geld einzunehmen. Aber sie wird nur solange funktionieren, bis jemand kommt und sagt, ich mache so wie booking.com oder wie Amazon eine Plattform, da kann jedes Medium drauf, und dann zahlt man eine Flatrate, und damit habe ich Zugang zu dem, was man normalerweise lesen kann. Ja, Spotify für Print-Content. Weil ich glaube, so eine Plattform, die kommt so oder so; und wenn sie dann von uns gebaut und beherrscht wird, dann haben wir die Daten und die Werbung und was damit zusammenhängt - und wenn es eines Tages irgendein Ableger von Amazon oder Google macht, dann haben die den Zugriff."

    Wettervorhersagen von der KI

    Dazu braucht man dann wohl mehr unternehmerische als künstliche Intelligenz – die aber natürlich in den Algorithmen steckt, die dem Nutzer Inhalte auf solchen Plattformen empfehlen. Nach dem Motto: Leute, die diesen Film sahen, dieses Buch kauften, wollten auch... . Dem Präsidenten des Digitalverbandes bitkom, Achim Berg, fallen noch andere Beispiele für künstliche Intelligenz in den Medien ein: "Es ist, glaube ich, gar nicht bekannt, dass viele Wettervorhersagen nicht mehr von einem Menschen geschrieben werden, sondern von einer künstlichen Intelligenz. Und man erkennt auch den Unterschied nicht mehr. Das heißt, da ist KI schon längst eingezogen. Es gibt aber auch manche Bereiche, wo man erst so langsam KI und hohe Rechenleistung einziehen kann, zum Beispiel Avatare. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir in einigen Jahren auch Avatare als Nachrichtensprecher sehen, und gar nicht merken, dass es künstliche Nachrichtensprecher sind."

    Nicht alles aus Marktgesichtspunkten sehen

    Plattform-Sprecher Doetz bleibt lieber in der Gegenwart als in der Zukunft, in der unser Avatar so selbstverständlich sein wird wie unser digitaler Zwilling. Angesichts der Diskussionen um Bandbreiten, 5G-Mobilfunknetze, Internetplattformen fordert er: "Wo ist ein sicherer Zugriff von uns auf Frequenzen, die es möglich machen, dass gesellschaftlich wichtige Angebote auch die Gesellschaft erreichen? Dass nicht alles nur unter Marktgesichtspunkte passiert, das geht nur, wenn man hier Vorgaben macht. Zentral ist diskriminierungsfreier Zugang zu den Netzen."