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Kann Zuckerbergs Plan Facebook retten? | BR24

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Facebook versucht eine Rundum-Erneuerung

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    Kann Zuckerbergs Plan Facebook retten?

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat angekündigt, Facebooks App-Familie radikal umbauen zu wollen. Seine Ideen sollen das Netzwerk privater und intimer machen - und könnten so einige von Facebooks Problemen beheben.

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    Jahrelang war Facebook eine Art digitaler Marktplatz: Menschen aus der ganzen Welt konnten sich dort treffen, miteinander austauschen und den lauten Marktschreiern zuhören. Jetzt hat Mark Zuckerberg für die Zukunft von Facebook eine neue Metapher ausgerufen: Statt Marktplatz soll Facebook eine Art digitales Wohnzimmer sein, in dem intim, verschlüsselt und nach außen hin abgeschottet kommuniziert wird.

    Zuckerberg will Facebook verändern

    Zuckerberg teilte seine Vision für die Zukunft von Facebook in einem Blog-Post. Seine Ideen sind eine Reaktion auf eine Vielzahl von Skandalen, die das Unternehmen in den letzten Jahren geplagt haben: So hatten etwa Dritte unzulässig Zugriff auf private Daten erlangt, zudem steht Facebook seit Jahren Facebook seit Jahren in der Kritik, weil Fake News und Verschwörungstheorien auf der Plattform kursieren.

    Über Details schweigt sich Zuckerberg bisher aus. Dafür nennt er eine Liste von Faktoren, an denen sich die Apps des Konzerns (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram) in Zukunft orientieren sollen:

    • Private Interaktionen. Einfache und nach außen geschlossene Social Media-Kanäle wie Gruppenchats sollen ausgebaut werden. Zuckerberg erwartet, dass die Nachrichten-Apps WhatsApp und Messenger in einigen Jahren der wichtigste Kommunikations-Kanal in Facebooks App-Ökosystem sein werden.
    • Verschlüsselung und Sicherheit. Bisher ist WhatsApp als einzige Facebook-App Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Eine solche Verschlüsselung macht Konversationen besonders sicher gegen Angriffe von außen – und auch für Facebook selbst nur schwer nachzuvollziehen.
    • Vergänglichkeit. Die App Snapchat – welche Facebook ohnehin schon munter kopiert – hat es vorgemacht: Gerade die junge Generation nutzt gerne Apps, in denen Inhalte nicht für immer archiviert bleiben, sondern auch wieder verschwinden. Zuckerberg will Nachrichten und Stories nicht „länger als nötig“ speichern, auch um zu verhindern, dass unangebrachte Posts zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftauchen.
    • Interoperabilität. Diesen Schritt hat Facebook bereits im Januar angekündigt: Künftig sollen Nutzer Nachrichten zwischen WhatsApp, Instagram und Messenger hin und her schicken können. Facebook würde sich so eine Art Super-App aufbauen.

    Private Gespräche statt Newsfeed

    Es scheint, als hätte Mark Zuckerberg vor allem einen Schuldigen für die Probleme ausgemacht, die die Plattform (und damit die Welt insgesamt) plagen: Den Newsfeed. Die zentrale Anlaufstelle auf den Facebook- und Instagram-Startseiten spielt eine wesentliche Rolle dabei, wie die Nutzer die Welt um sie herum wahrnehmen - dabei trägt nur ein Bruchteil dieser Nutzer durch Posts und Kommentare dazu bei, die Zusammensetzung des Newsfeeds wirklich zu gestalten. So sind etwa politisch extreme Ansichten stark überrepräsentiert.

    Zudem ist der Newsfeed auch oft das Objekt von Manipulation. Politische oder geschäftstüchtige Akteure tun das regelmäßig, etwa durch gezieltes Schalten von gesponsorten Posts, mithilfe von Bots oder durch bewusst provokant gestaltete Vorschau-Bilder und Texte, Stichwort: Clickbaiting.

    Wird Facebook so sauber?

    Die geplante Neuausrichtung schließt an das an, was Zuckerberg bereits Mitte 2017 angekündigt und 2018 in die in die Tat umgesetzt hatte: Facebook solle sich in Zukunft wieder mehr auf die Belange von Familie und Freunden konzentrieren und weniger auf kommerzielle Seiten und Nachrichten.

    Es ist allerdings fraglich, ob ein weiterer Rückzug in private Kommunikation tatsächlich die Probleme lösen kann, für die Facebook teilweise verantwortlich ist. Dass private Messenger auch ein hochgefährliches Vehikel für Fake News und Verschwörungstheorien sein können, zeigte sich zum Beispiel jüngst in der Debatte um „Dark Social“.

    Eine Super-App - trotz Datenschutz-Bedenken

    Zudem scheint Zuckerberg nicht daran interessiert zu sein, die Umklammerung seiner Nutzer zu lockern. Stattdessen orientiert sich sein Ansatz eher an dem der chinesischen Super-App WeChat, welche als einfacher Messenger begann und in China nun für praktisch alle Online-Dienste auf einmal genutzt werden kann – von Carsharing bis zum bargeldlosen Bezahlen.

    Aus den Facebook-Apps etwas Vergleichbares zu bauen, dürfte keine leichte Aufgabe sein. Zuckerberg räumt ein, dass ihm viele Nutzer ihm nach all den Skandalen wenig Vertrauen in Sachen Privatsphäre schenken dürften: „Wir haben im Moment keinen guten Ruf beim Entwickeln von Diensten, die die Privatsphäre schützen sollen“, schreibt er. „Aber wir haben immer wieder gezeigt, dass wir uns weiterentwickeln um Dienste zu bauen, die die Leute wirklich wollen.“