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Zoom Fatigue: Wenn der Videochat zur Qual wird | BR24

© Chris Montgomery / Unsplash

Zoom-Calls sind für viele Alltag geworden - ob sie wollen oder nicht

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    Zoom Fatigue: Wenn der Videochat zur Qual wird

    Nicht überall wird gelockert - zahlreiche Menschen tauschen sich statt in Hörsaal und Büro immer noch in Videochat-Apps aus. Auf Dauer kann das frustrieren und auf die Seele schlagen. Wie man das Phänomen "Zoom Fatigue" trotzdem in den Griff bekommt.

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    Während Teile der bayerischen Gesellschaft mittlerweile schon fast wieder so aussehen wie vor der Coronakrise - nur mit etwas zusätzlichem Abstand und Maskenpflicht - tritt man anderswo auf der Stelle. Bella, 24, studiert an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Bei ihr sind sämtliche Lehrveranstaltungen seit einigen Monaten ins Netz verlegt. "Am Anfang fand ich's noch ganz cool", erzählt sie. "Ich spare mir die Fahrzeit in die Uni, kann einfach aufstehen, meinen Laptop aufklappen und fertig."

    Uni am Bildschirm schlecht für Motivation

    Doch mittlerweile sieht Bella das anders. "Uni über Zoom nervt mich total, und da bin ich nicht die Einzige. Wir sind jetzt schon alle super unmotiviert fürs nächste Semester, weil wir keine Lust mehr haben, nur noch vor unseren Bildschirmen zu sitzen. Uni hat sich immer wichtig angefühlt. Und dieses Gefühl ist in den letzten Monaten komplett verschwunden. Man macht den Laptop auf, man schaut in zwanzig Vierecke... Wenn ich mir vorstelle, dass ich meine gesamte restliche Studienzeit nur noch über Zoom verbringen könnte, macht es mich schon extrem traurig."

    Bellas Angst ist nicht ganz aus der Luft gegriffen: Während die bayerischen Schulen und Kitas langsam den Weg zum Alltag zurückfinden und auch viele Arbeitgeber die Büros allmählich wieder für ihre Belegschaften öffnen, gibt es an den Universitäten nur wenig Informationen darüber, wie es weitergehen könnte. Der aktuelle Stand an der LMU: Gut möglich, dass auch noch das ganze nächste Wintersemester online stattfinden wird. Für viele Studierenden ein schwerer Schlag für die Moral.

    Keine Lust mehr auf Zoom und Videokonferenzen

    Dass es auf Dauer an die Nieren geht, wenn klassische Offline-Aktivitäten dauerhaft in Videokonferenzen verlegt werden, haben mittlerweile viele Menschen festgestellt. Das Phänomen hat sogar seinen eigenen Namen: "Zoom Fatigue", also "Zoom-Müdigkeit", benannt nach dem Videochat-Dienst Zoom. Der Begriff ist doppeldeutig. Einerseits bezeichnet er eine fehlende Lust, sich weiter an Videokonferenzen zu beteiligen. Andererseits auch die Tatsache, dass viele Menschen ständige Videocalls als anstrengend und ermüdend empfinden.

    Schon seit Beginn der Coronakrise wird im Netz intensiv über Zoom Fatigue debattiert und gerätselt.

    Gründe für Zoom Fatigue

    Mittlerweile lassen sich diverse Faktoren nennen, die wohl zu der sich weit ausbreitenden Zoom-Müdigkeit beitragen.

    • Der fehlende soziale Ausgleich. Studentinnen wie Bella konnten anstrengende Uni-Stunden vor der Krise mit sozialen Treffen ausgleichen. Angestellte im Büro konnten sich entspannt in der Kantine austauschen. "Eine Universität lebt natürlich davon, dass Studenten da sind, dass Studenten sich austauschen, auch manchmal über Konzepte streiten, und dass sie sich nicht nur einfach berieseln lassen von Dozenten, die am Rechner ihre Vorlesung abspulen", sagt Professor Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Controlling TU München
    • Technische Probleme schlagen auf die Laune. Eine Studie der TU Berlin aus dem Jahr 2014 legt nahe, dass Verzögerungen in einem Videocall dazu führen können, dass Gesprächspartner als weniger aufmerksam und weniger sympathisch wahrgenommen werden können. Weil nicht jeder perfektes Breitband zuhause hat, kommt es auch immer wieder zu technischen Hängern - und damit zu unguten Gefühlen gegenüber den Kolleginnen und Kollegen.
    • Keine menschliche Verbindung kommt zustande. Menschen scheinen sich beim Sprechen und Zuhören schwerer zu tun, wenn sie durch eine digitale Leitung getrennt sind. Eine Studie der kanadischen Einwanderungsbehörde etwa zeigte, dass Asylsuchende auf weniger Verständnis bei den Behörden stießen, wenn sie nicht persönlich, sondern per Videochat befragt wurden.
    • Wir sehen uns ungern selbst zu. Ein bekanntes Phänomen: Wir sollten eigentlich unsere ganzen Gesprächspartner im Blick haben, stattdessen verbringen wir die meiste Zeit damit, unser eigenes Bild zu begutachten. Studien legen nahe, dass wir es als anstrengend empfinden, uns die ganze Zeit unseres eigenen Anblicks bewusst zu sein.

    Das hilft gegen Zoom-Müdigkeit

    Um die kommenden Videochats etwas weniger anstrengend zu gestalten, sollte man, wenn möglich, das Multitasking sein lassen und versuchen, sich voll und ganz auf das Gesagte zu konzentrieren - genau wie man das in der echten Welt tun würde. Auch sollten die technischen Gegebenheiten immer perfekt sein: Im Zweifelsfall lieber noch einmal schauen, ob zum Beispiel ein anderes Gerät die Internet-Bandbreite auffrisst und die Videokonferenz frustrierender macht, als sie sein müsste.

    Einige Apps ermöglichen es außerdem, das eigene Bild abzuschalten. Wenn man sich nicht ständig selbst zusieht, kann das auch einen entspannenden Effekt haben.

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