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Ziel: Eine Million Unterschriften gegen Gesichtserkennung | BR24

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Gesichtserkennung

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    Ziel: Eine Million Unterschriften gegen Gesichtserkennung

    Der Chaos Computer Club und die europäische Bürgerbewegung Reclaim your Face wollen ein Verbot von automatischer Gesichtserkennung erwirken. Heute ist eine EU-Bürgerinitiative gestartet. Ziel sind eine Million Unterschriften.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Im Januar 2020, da war Corona noch Wochen entfernt und die Welt konnte sich noch mit ganz anderen Dingen beschäftigen: Im Januar 2020 also war man geschockt von der Meldung über eine Firma, die Milliarden von Gesichtern klammheimlich digitalisiert hatte. In der New York Times war die Rede vom Ende der Privatsphäre.

    Hierzulande findet Matthias Marx die Meldung ebenfalls erschreckend. Immerhin hat die Firma ClearviewAI im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, alle Gesichter, die sie fand, gespeichert und mit Hilfe künstlicher Intelligenz erfassbar gemacht. Marx schreibt dem Unternehmen und fragt nach seinen Daten. Tatsächlich gibt es dort auch von ihm zwei Bilder. Marx beschwert sich, wie er im Gespräch mit BR24 erklärt, vor allem, weil die Bilder mit den biometrischen Informationen seines Gesichtes kombiniert wurden.

    Biometrische Informationen kann man nicht ablegen

    Das Problem ist, solche Daten beschreiben ein Gesicht eindeutig, man kann sie auch nicht verändern, indem man sich zum Beispiel einen Bart wachsen lässt, oder sich eine Perücke aufsetzt. Selbst im Alter bleiben diese Daten in etwa die gleichen. Folge: Man ist ein Leben lang wieder erkennbar, immer dann, wenn einen eine Kamera vor die Linse bekommt.

    Matthias Marx fand die Vorstellung unheimlich, dass er sich nicht mehr anonym durch die Straßen bewegen kann, wenn solche Datenbanken mit biometrischen Informationen von nahezu allen menschlichen Gesichtern existieren und zudem noch überall verfügbar sind. Jeder Smartphone-User in der U-Bahn könnte dann ein Bild von seinem Gegenüber schießen und wüsste sofort, um wen es sich handelt.

    Zwar gibt es auch bei Google eine Fotosuche, allerdings findet die Suchmaschine nur ähnliche Bilder, die so schon im Internet existieren; Google erkennt aber kein Gesicht von einem gerade eben aufgenommenen Foto. Insofern dringen Programme, wie sie Clearview und andere Firmen entwickeln, besonders tief in die Privatsphäre eines jeden Menschen ein.

    Europaweites Bündnis gegen Gesichtserkennung

    Nun ist Mathias Marx kein völlig hilfloser Nutzer, sondern Mitglied des Chaos Computer Clubs, jenes Vereins also, der gerne Politikern und Unternehmen auf die Füße tritt, wenn er glaubt, dass etwas nicht mehr stimmt mit Datenschutz und Datensicherheit. Gemeinsam mit der europäischen Bürgerrechtsbewegung "Reclaim your Face" will man deshalb europaweit Stimmen sammeln, um die EU-Kommission auf das Problem zu stoßen.

    "Die EU muss kraft ihres Mandats verhindern, alle Menschen zu potenziellen Verdächtigen zu machen, die einer nahtlosen öffentlichen biometrischen Überwachung unterzogen werden können, was den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit und der Zweckbindung zuwiderläuft." Forderung von Reclaim your Face

    Eine Million Stimmen gegen biometrische Erfassung

    Konkret soll das mit Hilfe einer europäischen Bürgerinitiative geschehen. Schaffen es die Beteiligten, innerhalb eines Jahres eine Millionen Unterschriften zu sammeln, dann kann die Kommission nicht mehr aus. Sie muss sich mit den Organisatoren der Initiative zunächst treffen. Danach folgt eine öffentliche Anhörung im Europaparlament und danach muss sich die Kommission zu dem Vorschlag erneut äußern und gute Gründe liefern, wenn sie ihn ablehnt. Die konkrete Forderung der Initiative lautet: ein EU-weites Verbot biometrischer Massenüberwachung. Nur so könne es öffentliche Räume geben, in denen sich jeder frei und ohne Angst ausdrücken könne, so einer der Slogans.

    Matthias Marx ist zuversichtlich, dass die eine Million Unterschriften zusammenkommen, denn die Biometrie-Software ist seinen Angaben nach auch vielen Bürgerrechtsorganisationen überall in Europa ein Dorn im Auge. Gerade in Ländern des einstigen sogenannten Ostblocks dürften die Erinnerungen an Massenüberwachung bei vielen Menschen noch sehr lebhaft sein.

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