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ze.tt und bento: Millennial-Medien in der Krise | BR24

© BR/Julia Müller

Jugendliche sitzen auf einer Treppe und schauen auf ihre Smartphones.

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    ze.tt und bento: Millennial-Medien in der Krise

    Vor fünf Jahren gründeten die Wochenzeitung "Zeit" und das Nachrichtenmagazin "Spiegel" die eigenständigen Jugendportale ze.tt und bento im Netz. Während der Corona-Pandemie zeigt sich: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht.

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    ze.tt von der Zeit und bento vom Spiegel richteten sich vor allem an die Zielgruppe der so genannten Millennials, also der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen. Ein Experimentierfeld für junge Themen, auch mit dem Hintergedanken, die nachwachsende Generation an die eigenen etablierten Marken zu binden. Vor fünf Jahren wurden diese eigenständigen Jugendportale gegründet. Jetzt stehen beide Internetangebote vor dem Aus in ihrer jetzigen Form.

    ze.tt geht in ZEIT Online auf

    Ende Juni fiel die Entscheidung im Zeit-Verlag: Das bisher eigenständige Online-Magazin ze.tt wird ab Herbst als Ressort bei Zeit Online integriert. Eine Degradierung? Marieke Reimann, noch amtierende ze.tt-Chefredakteurin, widerspricht.

    "Nach durch Corona deutlich verschärften Ausfällen war ze.tt als eigenständige GmbH in 2020 nicht mehr rentabel. Damit die Marke weiter existieren und so erfolgreich bleiben kann, wie sie ist, wird ze.tt jetzt zum Ressort von Zeit Online. Ich halte das gar nicht für eine so große Degradierung." Marieke Reimann, Chefredakteurin von ze.tt

    Dabei ist ze.tt in seiner Community durchaus erfolgreich. Doch die Monetarisierung über Werbung und Sponsored Posts erwies sich als eher schwierig. An der inhaltlichen Ausrichtung des Jugendportals soll allerdings nicht gerüttelt werden, Themen wie Liebe, Arbeitswelt, Reisen, Glück bleiben. ze.tt zeichnet sich durch eine klare Haltung für Gleichberechtigung, Diversität, Feminismus, LGBTQ und Inklusion aus. Es gehörte zu den ersten Medien, die konsequent gegendert haben.

    Millennials suchen lieber den schnellen Click

    Schlimmer getroffen hat es bento, das Jugendportal des Spiegels. Durch die Pandemie sei das Magazin "nachhaltig in die Krise geraten", sagt Stefan Ottlitz, einer der beiden Spiegel-Geschäftsführer. Mangels ausreichender wirtschaftlicher Perspektive wird bento im Herbst vom Markt genommen.

    Der Relaunch vom Herbst letzten Jahres hat nicht das erwünschte Ergebnis gebracht: bento wurde stärker auf tiefgründigere Geschichten und weniger auf Nachrichten und kurze Snippets fokussiert. Doch das brachte weniger Clicks. Die Community, eher abonniert auf schnelle und knackige News, konnte sich offenbar nicht so recht mit dem neuen Angebot anfreunden.

    Dabei profitierte bento maßgeblich von der Verlinkung mit Spiegel online. Bis zu 80 Prozent der Reichweite sei auf diese interne Kooperation zurückgegangen, so Ottlitz. Doch die Marktforschung zeigte: Ein eigenständiges Bezahlmodell à la Spiegel plus würde nicht funktionieren.

    bento wird eingestellt

    Jetzt zog der Spiegel die Notbremse. Doch unter dem Arbeitstitel "Spiegel Start" wird an einem neuen Angebot für die junge Zielgruppe gearbeitet. Nicht in Form eines eigenständigen Online-Magazins, sondern angedockt an das Spiegel-Ressort "Job & Karriere". Auf diese Weise soll eine Lücke im publizistischen Angebot des Spiegels geschlossen werden

    "Alles rund um die Themen Studiumsauswahl, Jobwahl, Ankommen im Erwachsenenleben findet in den klassischen Spiegel-Ressorts nicht statt. Und auch nicht in einem eher auf Ältere fokussierten klassischen Karriere-Ressort." Stefan Ottlitz, Geschäftsführer des Spiegel

    Corona beschleunigt also, was sich vorher schon abzeichnete. Krisen sind keine guten Zeiten für Experimente wie ze.tt oder bento. In der Not konzentrieren sich selbst Großverlage auf ihr Kerngeschäft.

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