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Youtube sperrt bayerische Info-Seite gegen Rechtsextremismus | BR24

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Will mehr gegen Hass tun: Die Video-Plattform Youtube

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    Youtube sperrt bayerische Info-Seite gegen Rechtsextremismus

    Die Video-Plattform geht seit Kurzem entschiedener gegen Hassrede vor. Dabei schießt sie aber offenbar auch übers Ziel hinaus. Nun traf es ein Informationsportal über Rechtsextremismus.

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    Endstation Rechts, so heißt das Angebot, das über Neonazis und Rechtsextremismus informiert. Ursprünglich von Jusos aus Mecklenburg-Vorpommern gegründet, gibt es mittlerweile diverse regionale Ableger. In Bayern wird das Angebot von der Landes-SPD finanziert, Schirmherrin ist Natascha Kohnen. Endstation Rechts informiert beispielsweise über Veranstaltungen zum Thema Antisemitismus, vor allem beobachten die Aktivisten aber die Umtriebe von Neonazis und der extremen Rechten. Sie berichten von rechtsextremen Kundgebungen oder vom jährlichen SS-Gedenken in Bad Reichenhall. Auf Youtube sind die dabei entstanden Videos mittlerweile nicht mehr verfügbar, anders als auf Twitter und Facebook.

    "Dieses Konto wurde aufgrund wiederholter oder schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinie zum Verbot von Hassrede gekündigt." Hinweis auf Youtube-Kanal von Endstation Rechts Bayern

    Auf der Youtube-Seite von Endstation Rechts Bayern findet sich auch eine Begründung für die Sperre: "Hassrede" sei demnach die Ursache dafür, dass die Videos nicht mehr zu erreichen sind. Das scheint auf den erste Blick schlüssig: Da die viele Clips rechtsextreme Aufmärsche zeigen, zeigen sie naturgemäß auch Hassrede. Allerdings dienen die Videos von Endstation Rechts aber gerade der Aufklärung über die rechtsextreme Szene.

    Eine weiteres Beispiel für die Fehleranfälligkeit automatisierter Systeme

    Hier zeigt sich die Schwäche von automatisierten Systemen: Um der großen Flut an Inhalten Herr zu werden, müssen Plattformen wie Youtube auf Algorithmen zurückgreifen, um die Inhalte zu prüfen. Hier passieren immer wieder Fehler, weshalb Netzaktivisten und Bürgerrechtler automatisierte Filter ablehnen. Die von den Algorithmen beanstandeten Inhalte werden zwar von Menschen geprüft, aber auch hier kommt es oft zu Missverständnissen.

    💡 Was ist Overblocking?

    Overblocking heißt: Eine Internet-Plattform sperrt mehr, als sie eigentlich müsste. Häufiger Grund: Eine Plattform möchte Strafzahlungen vermeiden, die fällig werden, wenn sich rechtswidriges Material auf ihr befindet. Deswegen wird im Zweifel lieber zu viel an Inhalten, Posts oder Accounts gesperrt, als zu wenig.

    Offenbar ein Fall von Overblocking

    Vermutlich hat die Sperre mit der jüngsten Youtube-Offensive gegen Hassrede zu tun. Die Videos wurden am 5. Juni gesperrt, genau an diesem Tag hatte Youtube ein härteres Vorgehen gegen Hassrede und Rassimus angekündigt. Der Fall von Endstation Rechts scheint ein Fall von sogenanntem "Overblocking" zu sein. Das heißt: Beim Kampf gegen Propaganda, Hass oder auch Urheberrechtsverletzungen wird über das Ziel hinausgeschossen und zu viel gelöscht. Problematisch erscheint auch, dass Endstation Rechts bereits am Freitag gegen die Entscheidung Youtubes Einspruch eingelegt hat, die Seite aber immer noch nicht freigegeben wurde.

    Das Problem von Overblocking, Zensur, Intransparenz bei der Löschpolitik und fehlenden, beziehungsweise unzureichenden Beschwerde-Mechanismen hat mittlerweile auch die Vereinten Nationen auf den Plan gerufen. In einem gerade erschienen Bericht fordert der UN-Sonderberichterstatters für friedliche Versammlung, Clément Nyaletsossi Voule, eine unabhängige Aufsicht. Diese soll über die Content-Moderatoren der jeweiligen Plattform wachen. Dazu sollten die Staaten sollen entsprechende Gesetze erlassen, empfiehlt der Bericht.