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YouTube-Chefin ruft zum Protest gegen EU-Urheberrechtsreform auf | BR24

© picture alliance

Youtube-Chefin Susan Wojcicki

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    YouTube-Chefin ruft zum Protest gegen EU-Urheberrechtsreform auf

    "Macht was dagegen!" - YouTube-Chefin Susan Wojcicki hat sich die EU-Reform zum Urheberrecht genau angeschaut und will nun ihre Nutzer mobilisieren. Die Anbieter von Video-Inhalten sollen gegen das vom EU-Parlament beschlossene Gesetz protestieren.

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    Die Youtube-Chefin versucht Druck auszuüben. In einem Blogeintrag kritisiert Susan Wojcicki Artikel 13 der Urheberrechtsreform. Dieser Passus bedrohe die Möglichkeit für Millionen von Menschen, vom Film-Schaffenden bis hin zum Privatanbieter, Inhalte hochzuladen. Außerdem könnten Nutzer womöglich bald Clips, die bereits online sind, nicht mehr anschauen. Das beziehe sich auch auf Lerninhalte, wie Sprachkurse, Physik-Tutorials und andere Anleitungen, so Wojcicki.

    Upload-Filter sind umstritten

    Artikel 13 der Urheberrechtsreform sieht in der im September vom Europaparlament verabschiedeten Fassung vor, dass sich Online-Plattformen Lizenzen von Rechteinhabern sichern müssen. Tun sie das nicht und tauchen auf ihren Seiten Inhalte auf, die gegen Urheberrechte verstoßen, dann haften sie dafür. Das war bislang nicht so. Künstler aber vor allem auch Labels und Vertreter der Kulturwirtschaft hoffen, dass urheberrechtlich geschützte Inhalte nicht mehr unrechtmäßig im Netz verbreitet werden. Was auf den ersten Blick als legitimer Schutz geistigen Eigentums erscheint, könnte in der Realität aber großen Schaden anrichten.

    Kommt die große Zensurmaschine?

    Da etwa YouTube nicht jede Minute an Filmmaterial sichten und auf Urheberrechte untersuchen kann, werden wohl automatische Upload-Filter eingesetzt. Vor allem kleinere Inhalteanbieter, die den Aufwand nicht betreiben können, sich von allen verwendeten Quellen die Urheberrechte zu sichern, würden aussortiert. Wojicki warnt wohl nicht zu Unrecht, dass das neue Gesetz eine klare Bedrohung für deren Geschäftsmodelle darstelle. Denkbar wäre auch, dass Upload-Filter irgendwann zur Zensur von missliebigen Meinungen eingesetzt werden, so die Kritiker.

    Eine besondere Art von Lobbyismus

    Auf Youtube landet an einem durchschnittlichen Tag weit über eine halbe Million Stunden an Filmmaterial. Manche Videos werden millionenfach geklickt. Man kann sich also in etwa vorstellen, welchen Proteststurm Susan Wojcicki auf Brüssel losschicken könnte. Während andere Konzerne in Brüssel möglichst diskret versuchen Interessen durchzusetzen, versucht es die Youtube-Chefin offensichtlich auf die brachiale Art. Es wird spannend, ob das bei den EU-Politikern verfängt. Derzeit befindet sich die Reform im sogenannten Trilog, in dem EU-Rat, Parlament und Kommission versuchen, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Im Frühjahr soll das neue Urheberrecht dann endgültig beschlossen werden.