Bildrechte: BR/Vesile Özcan

Vor Kurzem wurde der yana-bot, ein Antidiskriminierungs-Chatbot gelauncht. Betroffene in Unterfranken schildern ihre ersten Eindrücke.

  • Artikel mit Audio-Inhalten
> Netzwelt >

yana-bot: Kann ein Chatbot bei Diskriminierung weiterhelfen?

yana-bot: Kann ein Chatbot bei Diskriminierung weiterhelfen?

Künstliche Intelligenz findet auch immer mehr in sozialen Bereichen Einzug. So wurde vor Kurzem der yana-bot, ein Antidiskriminierungs-Chatbot, auf den Markt gebracht. Betroffene in Unterfranken schildern ihre ersten Eindrücke.

In Unterfranken gibt es kaum Anlaufstellen für Betroffene von Diskriminierung. Beim Ombudsrat in Würzburg gab es laut dem letzten Jahresbericht 38 Beratungsanfragen und zwölf Meldungen – meistens ging es dabei um Rassismus-Erfahrungen (28 Fälle). "Grundsätzlich ist es so, dass wir zwar diese Zahlen haben, die aber nicht das tatsächliche Diskriminierungsgeschehen in einer Gesellschaft widerspiegeln. Das ist quasi eine kleine Spitze des Eisberges", erklärt Sarah Morcos, ehrenamtliche Beraterin beim Ombudsrat. Es gibt also eine Dunkelziffer und die Anlaufstelle erreicht nicht alle Betroffenen in Unterfranken. Zumal die Stelle auch vorrangig für Fälle in Würzburg und nicht in der ganzen Region zuständig ist.

yana-bot: Virtuelle Hilfe für Betroffene von Diskriminierung

Eine mögliche Alternative für Betroffene könnte nun der Antidiskriminierungschatbot yana-bot sein. Die virtuelle Anlaufstelle wurde am 15. November in Berlin veröffentlicht und ist seitdem rund um die Uhr für Betroffene online zugänglich. Die Bezeichnung "yana" steht dabei für "you are not alone – du bist nicht allein", erklärt der Initiator Said Haider in Berlin. Der Jurist ergänzt: "Wir haben bis heute leider nicht ausreichende Beratungsangebote. Und überall da, wo wir noch nichts haben, hilft yana. Und das ist auch die große Stärke des Chatbots: Das Angebot ist immer verfügbar und vor allem anonym. Betroffene müssen sich nicht outen und auch nicht die Gefahr auf sich nehmen, auf dem Weg zu einer Beratungsstelle stigmatisiert oder erkannt zu werden."

Barış Yüksel: Chatbot könnte Erste Hilfe leisten

Nach einem Erstkontakt bietet der yana-bot verschiedene Optionen an. Das kann etwa ein Hinweis auf eine rechtliche Beratung oder therapeutische Hilfe sein oder aber auch eine sogenannte virtuelle Umarmung mit aufmunternden Gifs.

Barış Yüksel, Soziologe und Gründer des Vereins "Würzburger KUlturS" hat bereits einen Blick auf den Chatbot geworfen und meint: "Gerade dadurch, dass es eben in Unterfranken keine großen Angebote gibt, sich persönlich beraten zu lassen, ist das temporär, das heißt im Sinne von Erster Hilfe eine schöne Sache."

Eine persönliche Beratung könne so ein Chatbot aber sicherlich nicht ersetzen, meint Yüksel.

Bildrechte: BR/Vesile Özcan

Der Chatbot reagiert bereits auf eine kurze Begrüßung und listet für die weitere Kommunikation verschiedene Optionen auf.

Betroffene bevorzugen zum Teil eher persönliche Beratung

Pablo aus Würzburg sieht das auch so. Pablo leitet in Würzburg einen Safespace, also eine Austauschgruppe für Betroffene von Rassismus. Pablo ist Schwarz und nicht-binär und macht immer wieder rassistische und queerfeindliche Erfahrungen. "Ich habe sehr stark überlegt ob ich das nutzen würde und kam zu einem Nein, weil das total unpersönlich ist. Und diese Erfahrungen meistens sehr sensibel sind. Auf vielen verschiedenen Ebenen können solche Erfahrungen traumatisch sein. Das ist ja auch sehr viel Energie, die man da reinstecken muss." Denn das Eintippen solcher Erfahrungen in eine Chatbox könne sehr mühsam sein, findet Pablo.

So würde es Pablo eher bevorzugen zu einer Anlaufstelle vor Ort zu gehen. Dass diese hier in Unterfranken Mangelware sind, weiß Pablo und ergänzt deshalb, trotz der eigenen kritischen Meinung: "Ich würde den Chatbot trotzdem weiterempfehlen. Für Menschen, die zum Beispiel queer oder trans sind und sich noch nicht geoutet haben, ist das sicherlich ein gutes Angebot."

yana-bot könnte vor allem jüngere Menschen ansprechen

Sarah Morcos vom Ombudsrat hat sich den Chatbot auch angeschaut und fasst ihren bisherigen Eindruck so zusammen: "Ich glaube, was der Chatbot leistet, ist, dass er ein Informationsangebot bereithält. Und das ist immer gut. Umso mehr Informationen es gibt, umso leichter werden diese gefunden." Die Gestaltung mit den Gifs findet sie vor allem für jüngere Zielgruppen ansprechend.

Morcos fragt sich aber, wie der Chatbot sich weiterentwickeln wird. Bislang laufen nämlich manche Optionen ins Leere und yana weist darauf hin, dass es in Kürze mehr Informationen geben wird – so etwa bei der rechtlichen Beratung. Da sei die ehrenamtliche Beraterin noch gespannt, wie das konkret aussehen soll. Aus ihrem Beratungsalltag kenne sie nämlich äußerst komplexe Fälle, bei denen ein einfacher Hinweis auf ein rechtliches Beratungsangebot nicht reichen würde.

Der yana-bot soll noch wachsen

Gefördert wird das Projekt noch bis Ende 2023 von der Robert-Bosch-Stiftung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. In Zukunft soll der yana-bot noch viel mehr können und mit seiner wachsenden Künstlichen Intellligenz (KI) genauer auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen – wie etwa ein digitaler Assistent, der aktiv kommunizieren kann. Eins steht heute schon fest: Auch, wenn die ersten Reaktionen aus Unterfranken unterschiedlich ausfallen, der Chatbot weckt Interesse. Und KI zieht in immer mehr Lebensbereiche ein.

"Hier ist Bayern": Der neue BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!