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"Barack Obama: The Biography" kam in die Top 100 der Amazon Buch-Charts. Geschrieben hat es vermutlich kein Mensch.

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    Wurde Obama-Bestseller von einer Maschine geschrieben?

    Im Windschatten der Autobiografie des ehemaligen US-Präsidenten ist ein anderes Obama-Buch zum Bestseller avanciert. Aber wer hat es geschrieben? Viele Indizien weisen darauf hin, dass es kein Mensch war.

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    Von
    • Christian Schiffer

    "Barack Obama: Ein verheißendes Land", so heißt das Buch der Stunde. Die Autobiografie des ehemaligen US-Präsidenten umfasst gut 1.000 Seiten, kostet 42 Euro und steht wie erwartet auf Platz 1 der Amazon-Charts. Doch in den USA drang vor einigen Tagen noch ein anderes Obama-Buch in die Top 100 vor. Der Titel: "Barack Obama Book – The Biography", was vielleicht etwas uninspiriert ist, aber zugleich auch clever, weil viele Menschen auf einer Suche nach einem Buch über Barack Obama "Barack Obama Book" in die Suchmaschine eingeben.

    Langweiliger Stil und inhaltlicher Schnitzer

    Allerdings ist "Barack Obama Book – The Biography" sehr viel kürzer als der Wälzer, den der ehemalige US-Präsident geschrieben hat. Das Büchlein umfasst nur 61 Seiten und kostet als eBook auch nur 2,99 Dollar. Vor allem aber ist "Barack Obama Book – The Biography" sehr viel schlechter geschrieben als die offizielle Obama-Biografie. Es liest sich streckenweise eintöniger als ein Wikipedia-Eintrag und enthält zudem immer wieder krumme Formulierungen. Und auch inhaltlich hat sich der Autor den ein oder anderen Schnitzer erlaubt. So wird etwa der "Defense of Marriage Act" als eine Errungenschaft dargestellt, auf die Obama besonders stolz sei. In Wirklichkeit aber hat sich Obama für die Abschaffung dieses Gesetzes eingesetzt, welches gleichgeschlechtliche Ehen schlechter stellt.

    Über den Verlag ist nichts bekannt

    Mittlerweile ist das obskure Buch aus dem Amazon-Katalog verschwunden, vermutlich, weil sich die Indizien häuften, wonach das Buch ganz oder zumindest teilweise von einer Maschine geschrieben worden ist. Da waren nicht nur die stilistischen und inhaltlichen Auffälligkeiten. Hinzu kam, dass kein Autor genannt wird. Auch über den Verlag "University Press" ist kaum etwas bekannt, zu einer Universität scheint er aber nicht zu gehören. Ein Autor des Online-Magazins Slate analysierte Auszüge aus dem Buch zudem mit Hilfe eines Tools, das darauf spezialisiert ist, Texte zu erkennen, die von einer Maschine geschrieben wurden. Das Ergebnis: Der Autor von "Barack Obama Book – The Biography" besteht höchstwahrscheinlich nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Nullen und Einsern.

    KI schreibt immer bessere Texte

    Es ist nicht das erste Mal, dass Texte von Maschinen, denen von Menschen verblüffend ähnlich sehen. Im Journalismus wird schon länger mit Automatentexten experimentiert. Und 2019 erschufen Forscher der Nonprofit-Forschungseinrichtung OpenAI einen Textgenerator, der so gute Ergebnisse lieferte, dass er nicht veröffentlicht wurde. Die Forscher hatten die Sorge, dass ihr Algorithmus zum Beispiel eingesetzt werden könnte, um Spammails oder Fake-News zu generieren.

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