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Worum geht es beim digitalen Euro? | BR24

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Der digitale Euro soll das herkömmliche Bargeld ergänzen.

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    Worum geht es beim digitalen Euro?

    Es kommt Bewegung in die Welt des Bezahlens: Im Januar soll die Facebook-Währung Libra starten, aber auch die Europäische Zentralbank arbeitet an digitalem Geld. Wir erklären, was es mit dem digitalen Euro auf sich hat.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Es ist inzwischen viel die Rede von digitalem Geld. Die meisten denken hierbei vermutlich an Bitcoins oder vielleicht auch an Smartphone-Apps wie Google Pay oder Apple Pay, die in Läden immer öfter zum Bezahlen verwendet werden. Weniger bekannt ist, dass es womöglich bald auch einen digitalen Euro geben soll. Noch gibt es keinen festen Fahrplan dafür, sondern lediglich ein Konzept, das eine Arbeitsgruppe der Europäischen Zentralbank im Frühjahr veröffentlicht hat. Doch die darin formulierten Pläne, dürften nach Ansicht von Experten mehr oder weniger so umgesetzt werden. Um zu verstehen, wie der digitale Euro funktionieren soll, muss man die Mechanismen unseres aktuellen Geldsystems kennen, insbesondere wie das Geld in diesem System eigentlich entsteht.

    Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken

    Wieviel Geld durch den Euroraum zirkuliert, das bestimmen in Deutschland und den anderen Euroländern die Europäische Zentralbank gemeinsam mit den Geschäfts-Banken, also jenen Geldhäusern, bei denen wir Kunden unsere Konten haben. „Die Kreditgeldproduktion wird dadurch erledigt, dass die Banken im Maschinenraum sind, das sind die Produzenten, die arbeiten dran, dass das Geld rauskommt“ sagt Thomas Mayer, der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank und heutige Leiter des Flossbach von Storch Research Instituts, einer Denkfabrik, die sich unter anderem mit dem Geldwesen beschäftigt. Er erklärt das Entstehen von neuem Geld am Beispiel eines Hochseedampfers. „Die Zentralbank ist hierbei so etwas wie der Steuermann der auf der Brücke steht und in den Maschinenraum runterruft, mehr Dampf, oder weniger Dampf“, so Mayer.

    Die Zentralbank, also die EZB gibt unter anderem den Leitzins vor; weniger Dampf bedeutet dann, dass sie Leitzins senkt, vielleicht sogar auf Null Prozent – wie derzeit. In solchen Phasen sind wir Kunden eher bereit, einen Kredit aufzunehmen, etwa um eine Immobilie zu kaufen, denn wir müssen dafür ja weniger Zinsen zahlen.

    Was aber hat das mit der Schaffung von neuem Geld zu tun, also der Geldschöpfung? Sehr viel, denn neues Geld kommt durch die Kreditvergabe ins System. Die Bank leiht dem Kunden oder der Kundin Geld und schreibt das auf dem Konto gut. Dieses zusätzliche Guthaben kann jederzeit in Scheine oder Münzen eingetauscht werden. Und an diesem Punkt setzt nun der digitale Euro an.

    Der Euro als Handy-Geld

    Beim digitalen Euro soll sich am Prinzip der Geldschöpfung durch die Banken nichts ändern. Die Geschäftsbanken bleiben im Maschinenraum des Hochseedampfers, um beim Vergleich von Thomas Mayer zu bleiben. Sie sollen den Kunden und Kundinnen nun aber für deren Konto-Guthaben aber nicht mehr nur Scheine und Münzen anbieten, sondern eben auch digitales Geld. „Mit anderen Worten, wenn Sie heute zur Bank gehen und Giralgeld in Form von Papierscheinen aus dem Automaten rausziehen, soll in Zukunft auch elektronisches Geld aufs Handy geladen werden können“, so Mayer. Die Digitalen und analogen Euros zusammengerechnet sollen dabei im Rahmen dessen bleiben, was die Geschäftsbanken mittels Geldschöpfung durch Kredite vorher erzeugt haben.

    Es gibt sogar noch eine zusätzliche Bremse. Jede Person soll maximal 3000 Euro in digitaler Form bekommen. Die Zentralbank würde in diesem System weiterhin alle Fäden in der Hand behalten, sie würde zum Beispiel über den Leitzins weiter für mehr oder weniger Dampf beziehungsweise Geld sorgen. Viel würde sich also nicht ändern. Für Professor Mayer ist der Handy-Euro deswegen auch nur eine Minimal-Antwort auf die Herausforderung, die momentan durch anderes digitales Geld entsteht, insbesondere durch den Bitcoin.

    Bitcoin als Anti-Zentralbank-Geld

    Bitcoins und anderes Cybergeld mit Bezeichnungen wie Ether oder Monero erfreut sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Die virtuellen Münzen haben allerdings fast nichts mit dem digitalen Euro, wie er bislang geplant ist, gemein. Die einzige Ähnlichkeit ist, der Mechanismus, mit dem das Geld sicher gemacht werden soll, um zu verhindern, dass die digitalen Münzen gefälscht werden können. Dieser Sicherheits-Mechanismus heißt beim Bitcoin Blockchain. Das ist eine Serie von Daten, die so geschickt ineinander verkettet sind, dass es sofort auffällt, wenn jemand versucht, einen Bitcoin dazu zu schmuggeln. Diese Fälschungssicherung schaut man sich beim digitalen Euro ab, um ihn ebenfalls fälschungssicher zu machen.

    Bitcoin umgeht die Banken

    Ansonsten unterscheidet sich der digitale Euro ganz wesentlich vom Bitcoin. Der ist sogar der Gegenentwurf zum klassischen Geldsystem, erfunden von einem genialen Kopf, der sich Satoshi Nakamoto nennt – ein Pseudonym, niemand weiß genau, wer dahintersteckt. Nakamoto wollte ein neues Geldsystem, nachdem das alte in der Finanzmarktkrise vor gut zehn Jahren seine Schwächen auf dramatische Weise offenbart hatte. Das Bitcoin-System verzichtet deshalb bei der Geldschöpfung auf Geschäfts-Banken und auf Zentralbanken. „Bei der Kryptowährung ist das völlig anders, da wird der Maschinenraum abgeschafft“, erklärt Thomas Mayers formuliert es in seinem Hochseedampfer-Beispiel.

    Aus dem Schiff werde vielmehr eine Art Rudergalere gemacht. Neue Münzen schaffen die Teilnehmer im Bitcoin-System selbst durch einen komplizierten Mechanismus. Dieses sogenannte Bitcoin-Mining wurde im Laufe der Jahre immer komplizierter, und ist inzwischen so komplex, dass riesige Rechenzentren eingesetzt werden, um neue Münzen sozusagen auszurechnen.

    Beim digitalen Euro bliebe hingegen bei der Geldschöpfung alles beim Alten – zumindest unter Umweltgesichtspunkten wäre das womöglich das bessere Konzept.

    Wofür sind digitale Währungen eigentlich gut?

    Beim Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist das klar: sie sind entstanden, als Alternative zu dem als ungerecht empfunden Bankensystem.

    Es gibt noch andere digitale Währungen, von denen hier bislang noch nicht die Rede war: solche von privaten Wirtschaftskonzernen. Prominentestes Beispiel Facebook mit seiner neuen Währung Libra, die im Januar starten soll. Auch hier ist der Vorteil offensichtlich. Facebook versammelt weltweit rund 3 Milliarden Nutzer. Sie alle können das Netz nun nutzen, um Geld ohne Zeitverlust und vermutlich gegen geringe Gebühren unkompliziert rund um die Welt zu verschicken.

    Schon heute kann digital bezahlt werden

    Was aber bringt der digitale Euro für einen Zusatznutzen? Diese Frage ist deutlich schwieriger zu beantworten. Womöglich weiß es die Europäische Zentralbank selbst nicht so genau. Geschäftsbanken, wie Postbank, Deutsche Bank oder Sparkassen jedenfalls bieten schon jetzt eigene Apps fürs Handy an, mit denen sich kontaktlos bezahlen lässt. Die Kundschaft wäre also eigentlich gut versorgt, zumal sie ja auch Alternativen wie Google Pay, Apple Pay oder Samsung Pay fürs Smartphone zur Verfügung hat.

    Womöglich ist der digitale Euro aber nur der verzweifelte Versuch der EZB, nicht völlig den Einfluss auf ein Geldsystem zu verlieren, das immer digitaler wird. Um beim Dampfer-Vergleich zu bleiben: die EZB befürchtet wohl, dass sie von der Schiffs-Brücke verbannt wird und andere das Kommando übernehmen.

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