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Word und Excel saugen Nutzer-Daten ab | BR24

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Microsoft zieht Daten ab

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    Word und Excel saugen Nutzer-Daten ab

    Microsoft gerät mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung in Konflikt. Der US-Konzern zapft einer Studie zufolge Daten über Office-Programme wie Word oder Excel ab. Der Nutzer wird darüber nicht informiert und kann es auch nicht unterbinden.

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    Eigentlich hatte Microsoft versprochen, die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für den Konzern weltweit zum Standard zu machen. Der Datenschutz sollte groß geschrieben werden, so zumindest das offizielle Statement. Doch nun hat das niederländische Justizministerium herausgefunden, dass der US-Konzern im Gegenteil nicht einmal grundlegende Datenschutzrechte respektiert.

    Die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung seien alarmierend, heißt es. Die Experten der Datenschutz-Beratungsfirma Privacy Company, die vom Ministerium mit der Untersuchung beauftragt worden war, entdeckten bei den Professional-Office-Paketen 2016 und 365, aber auch bei älteren Versionen insgesamt acht Datenschutzrisiken.

    Der Nutzer bekommt nichts mit

    Demnach sammeln Word, Excel, Powerpoint und Co nicht nur Daten über etwaige Software-Abstürze. Registriert wird auch die Nutzung bestimmter Online-Services. Wenn man also zum Beispiel einzelne Wörter oder Sätze übersetzen lässt, gelangen die zu Microsoft. Die Nutzer werden darüber nicht in Kenntnis gesetzt. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, einzustellen, welche Daten Office erfasst und weiterleitet. Die Datenauslese ist der Studie zufolge bei Office noch deutlich umfangreicher als ohnehin schon beim Betriebssystem Windows 10 (hier aber nicht heimlich).

    Daten landen in den USA

    Die abgezapften Daten landen außerdem auf US-Servern. In Zeiten, in denen viel über Wirtschafts-Spionage und Cyberangriffe auf europäische bzw. insbesondere deutsche Firmen diskutiert wird, ist das durchaus beunruhigend. Microsoft verstößt mit dieser Praxis jedenfalls systematisch gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

    Microsoft will kooperieren

    Der US-Konzern streitet zumindest nichts ab und will nun mit dem niederländischen Justizministerium zusammenarbeiten. Erste Nachbesserungen wurden bereits angekündigt. Geplant ist zum Beispiel die Möglichkeit, sich anzeigen zu lassen, welche Daten versendet werden, ähnlich wie unter Windows 10.

    Ein Microsoft-Sprecher bekannte sich in einem Interview demonstrativ zum europäischen Datenschutz und zum Recht der Kunden, selbst über ihre Daten zu bestimmen. Eine andere Haltung hätte wohl Konsequenzen nach sich gezogen. Dass die EU nicht mehr zimperlich mit US-Konzernen umgeht, die sich nicht an hiesiges Recht halten, hat sie zuletzt bei Google gezeigt.