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Wo das Internet Energie verbraucht – und wir es nicht merken | BR24

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Rechenzentren sind die Maschinenräume des Internets - und sehr energiehungrig.

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    Wo das Internet Energie verbraucht – und wir es nicht merken

    Smart, effizient, ressourcenschonend: Die Digitalisierung gilt als eine Voraussetzung zum Gelingen der Energiewende. Allerdings gibt es auch hier geheime Stromfresser.

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    Von
    • Christian Schiffer

    "Die Energiewende können wir eigentlich nur mit digitalen Technologien oder digitalen Werkzeugen umsetzen", sagt Hendrik Zimmermann, der als Referent für Energiewende, Forschung und digitale Transformation bei der Umwelt und Entwicklungsorganisation Germanwatch arbeitet. "Das liegt zum großen Teil daran, dass der Wind nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint", so Zimmermann. Die Energie, die erzeugt wird, ist also nicht konstant - genauso wenig wie der Energieverbrauch. Smarte Systeme könnten helfen, die Energieproduktion und den Verbrauch zu steuern, so zumindest die Hoffnung von Zimmermann. In der Tat scheint die Digitalisierung eine der Voraussetzungen zu sein, damit die Energiewende gelingen kann. Eine Garantie, dass sie gelingt, ist sie indes nicht. Wichtig ist es vor allem, die richtigen Anreize zu setzen, politisch, kulturell, gesellschaftlich. Nur dann können aus Einsparpotenzialen ganz reale Einsparungen werden, da sind sich viele Experten einig.

    Nur ein Rechenzentrum des Bundes ist besonders klimafreundlich

    Dazu gehört auch mehr Transparenz, denn viel Energie wird verbraucht, ohne dass die Nutzer es mitbekommen. Ein Bespiel sind Rechenzentren. Seit 2011 können Rechenzenten deswegen mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" ausgezeichnet werden, wenn sie effizient und ressourcenschonend arbeiten. Allerdings ziert das Zeichen bislang noch eher wenige von diesen Maschinenräumen des Internets. Viele Rechenzentren sind viel zu groß, die Auslastung der Server ist schlecht und so wird das Klima unnötig belastet. Zudem wird in diesem Bereich oft klimaschädliches Kältemittel genutzt. Leider geht der Staat nicht gerade mit gutem Beispiel voran. Von 177 Rechenzentren des Bundes ist nur eines besonders klimafreundlich, nämlich das des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.

    Fehlende Transparenz

    Hier hören die Probleme aber leider nicht auf. Denn eigentlich könnte man die Wärme, die in Rechenzentren entsteht, unter bestimmten Umständen dazu nutzen, Wohnungen und Büros zu heizen, allerdings stehen die Rechen-Anlagen meistens irgendwo im Nichts, sodass die Wärme niemand nutzen kann. Es gäbe also noch viel Optimierungspotenzial, doch es gibt noch ein Problem: Niemand kann sagen, wie viel Strom all die Server schlucken, die das Internet am Laufen halten. "In anderen Industriebereichen ist es auch möglich zu sagen, wie viel Energieverbrauch beispielsweise die Stahlindustrie verbraucht. In dem Bereich der Informatik, Informations- und Kommunikationsbranche ist das bisher nicht möglich“, sagt beispielsweise Maria Köhn, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Umweltbundesamt. Es gebe schlichtweg keine Statistik, die zu dieser Frage Auskunft geben könne.

    Software als Umweltsünderin?

    Es gibt noch einen anderen Bereich, der Energie verschlingt, ohne dass die Verbraucher es gleich merken, nämlich die Software. Nur ein Beispiel: Seit dem 12.1.2021 ist der Flash-Player endgültig Geschichte. Über Jahre sorgte diese Software dafür, dass sich im Netz etwas bewegte, etwa kleine Browser-Spielchen, Videos oder animierte Grußkarten mit lustigen Zeichentrickhasen. Dass Flash nun abgeschaltet wurde, das lässt nicht nur viele Nutzer aufatmen, schließlich galt die Software als sehr unsicher, sondern auch den Planeten, denn Flash war ausgesprochen energiehungrig. Dem ganzen Bereich der Software wird immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt, wenn es darum geht, Energie einzusparen. Aber vielleicht ändert sich das, denn auch hier gibt es seit 2020 einen Blauen Engel, allerdings nur für Software, die auf einem Computer oder einem Notebook läuft. In Zukunft soll der Geltungsbereich des Umweltzeichens ausgeweitet werden. Auch Apps oder Software zum Betreiben von Servern soll mit einem blauen Engel gekennzeichnet werden können.

    Ungehobene Klima-Potenziale

    Software ressourcenschonender zu programmieren, würde auch dazu führen, dass sich Verbraucher seltener neuere und leistungsstärkere Hardware anschaffen müssen. Wieviel Potenzial im Softwarebereich steckt, zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamtes. Dort verglich man den Energieverbrauch von zwei Textverarbeitungsprogrammen mit annähernd gleicher Funktionalität. Das Ergebnis: Das eine Textverarbeitungsprogramm verbrauchte viermal so viel Strom wie das andere. Man kann nur hoffen, dass man irgendwann beim Kauf eines Programms weiß, ob es der Umwelt schadet.

    Mehr zu der Frage, wie das Internet der Umwelt schaden, aber auch helfen kann, können Sie in der aktuellen Folge des B5-Podcasts "Umbruch" hören, den Sie hier abonnieren können.

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