Illustration einer Neonröhreninstallation in Form des heiß diskutierten "Web3"

Ein leuchtendes Versprechen? Die Themen Web3 und das Metaverse sind allgegenwärtig beim diesjährigen SXSW in Austin, Texas.

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    Wo bitte geht's zum Metaverse? 5 Ideen von der Konferenz SXSW

    Wo bitte geht's zum Metaverse? 5 Ideen von der Konferenz SXSW

    Viele Wege führen ins Metaverse: Das ist das bestimmende Thema bei der Digitalkonferenz South-by-Southwest 2022. Experten aus verschiedenen Branchen ringen um Erklärungen – oder drücken sich darum.

    Eine kleine, anschauliche Anekdote zu Beginn: Vor einigen Jahren fragte sein Großvater den Autor dieses Texts, mich, wo man denn eigentlich hingehe, wenn man 'ins Internet geht'. Aus meiner Hosentasche kramte ich mein Smartphone hervor, zeigte mit der anderen Hand auf meinen Laptop und antwortete recht euphorisch: "Hier!" Der Großvater sagte nichts dazu, legte den Kopf schräg und schien entschieden unbeeindruckt von meiner Antwort, fragte aber auch nicht weiter.

    Ganz ähnlich ergeht es all den vielen Expertinnen und Experten, die sich bei der diesjährigen South-by-Southwest-Konferenz (SXSW) zum Thema Metaverse austauschen – und fragen: Was ist denn jetzt dieses Metaverse und wie kommen wir da hin? Auch hier scheinen viele Konferenzteilnehmer entweder irritiert von der Frage, von den Antworten darauf oder auch von beidem. Immerhin gibt es auf der Digitalkonferenz in Austin, Texas verschiedene Ansätze zu hören, die uns zumindest eine grobe Richtung vorgeben könnten. Also, wo bitte geht's entlang ins Metaverse?

    1. Das Metaverse ist längst da

    Das Metaverse ist ein Sammelbegriff für Technologien, die eine Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt schlagen. Rückblickend würden wir in zwei oder fünf Jahren erkennen, dass viele davon schon da sind: Apples Airpods seien heute schon ein funktionierendes Wearable, das in Verbindung mit dem App-Store und einem iPhone zumindest Eintritt eine Art "Audio-Metaverse" ermöglicht, sagt Prof. Scott Galloway von der NYU Stern School of Business bei der SXSW. Auf diesem Vorsprung aufbauend sieht er den Apple-Konzern derzeit am besten dafür gerüstet, auf dem Weg ins Metaverse voranzuschreiten.

    Andere Metaverse-Bausteine wie volumetrische Videos, die das 3D-Abbild einer Person in eine beliebige dreidimensionale Umgebung projizieren können, sind in Hollywood bereits im Einsatz, zum Beispiel in "Matrix Resurrections" und werden hier beim SXSW eindrucksvoll vorgeführt. Teils meterlange Konstruktionen mit mehrere Spezialkameras braucht es dazu heute noch, sagt Sven Bliedung von der Heide von der Special-Effects-Firma Volucap. Nicht auszuschließen, dass diese Technologie bald in unseren Smartphones steckt.

    2. "Das Metaverse bin ich!"

    Geht es nach Mark Zuckerberg und seinem frisch umfirmierten Mutterkonzern, scheint die Antwort sinngemäß: "Meta" ist, wo wir es drauf schreiben. Ja, das widerspricht der Vision, dass ein dezentrales Web3 Inhalte eben nicht mehr jeglichen Contents auf einer oder wenigen zentralen Web 2.0-Plattformen versammelt.

    Ein wenig zurückhaltend gibt Zuckerberg sich dann auch bei seinem Auftritt per Videoschalte bei der SXSW und erklärt, lediglich die Technologie für ein funktionierendes Metaverse mit entwickeln zu wollen. Sein Konzern habe eine Roadmap über "zehn bis fünfzehn Jahre" erarbeitet und steige damit auch vermehrt in die Hardware-Entwicklung ein, das alles, um zukünftig "noch mehr menschliche Interaktion online" zu ermöglichen. Dafür brauche es noch viel Forschung und Entwicklung, um etwa Augmented-Reality-Brillen zu entwickeln, die nicht nur enorm leistungsfähig sein müssen, sondern vor allem auch gut genug aussehen, dass wir sie im Alltag tragen wollen.

    Nebenbei kündigt Zuckerberg für seine Instagram-App in den nächsten Monaten erste "Experimente mit NFTs" an. Aufhorchen lässt schließlich seine Aussage, dass er auf eine Zusammenarbeit mit sowohl mit Roblox als auch Epic Games hofft, um "gemeinsame Standards zur Interoperabilität" zu erarbeiten. Ein respektvolles Zugeständnis an die neue Konkurrenz.

    3. Gamer sind schon längst da

    Von "Second Life" bis "Fortnite": Für inzwischen Generationen von Computerspielern ist die Idee eines Metaversums schon greifbar. Ein Großteil der Infrastruktur, den wir dort erleben werden – 3D-Umgebungen, Avatare, digitale Objekte, sie alle bestehen aus Code und Grafik – wird dementsprechend von heutigen Game-Designern erschaffen werden, sagt Sarah Bond, Corporate Vice President bei Microsofts Xbox-Sparte.

    Sie ist optimistisch, dass mit diesen Menschen auch langjährige Erfahrungen im zwischenmenschlichen Umgang miteinander ins Metaverse einfließen werden: "Die Entwickler mit allen nötigen Fertigkeiten für das Metaverse kommen aus der Games-Branche", betont sie, auch im Hinblick auf Online-Bullying und Hate-Speech. Wo Menschen sich online spielerisch nahe sind und Gemeinschaft empfinden, entstehe Empathie füreinander.

    4. Folge dem Geld

    "Ich denke nicht, dass das Metaverse sich in erster Linie um Spiele dreht", sagt Mark Zuckerberg bei der SXSW und erzählt geradezu euphorisch von seinem Interesse an Mode, die heute schon über seine Plattformen verkauft wird. Stellen wir uns hier für einen Moment einen fiktiven Black Friday im Metaverse vor: Horden von Avataren fallen über virtuelle NFT-Wühltische her um eines der limitierten Chanel-Coins zu ergattern. Noch gibt es sie nicht, doch Marketingprofessor Scott Galloway hält sie nur für eine Frage der Zeit. Nur wer so ein Luxus-Coin besitzt, wird im Metaverse seinen oder ihren Avatar mit dem neuesten virtuellen Chic schmücken dürfen: "Die Verknappung digitaler Güter ist wie gemacht für die Luxusbranche."

    Ein krasser Widerspruch zu Zuckerbergs Vision, dass das Metaverse jedem Menschen unabhängig von seiner sozio-ökonomischen Herkunft eine Möglichkeit bieten wird, an der neuen (Online-)Gesellschaft teilzuhaben. Denn so schön die Idee vom grenzenlos begehbaren Internet auch scheint, die größten Stücke vom Meta-Kuchen sind entweder schon verteilt oder warten nur darauf, an die heute schon Kaufkräftigen und Großkopferten veräußert zu werden. Schon heute ist ein großer Anteil der auf der Blockchain basierenden Kryptowährungen in den Händen einiger weniger großer Player, ganz ähnlich dem konventionellen Aktienmarkt.

    5. Bezahlter Urlaub vom Metaverse

    Einen Lichtblick immerhin bietet Zukunftsforscherin Amy Webb bei der SXSW. Wenn wir mal gerade nicht in unsere Avatare im Metaverse schlüpfen, vermieten wir unsere Rechenkapazität einfach an andere, natürlich für Geld. Unsere Smartphones, Wearables oder was auch immer uns den Eintritt in diesen Zukunftsort ermöglicht, via Blockhain geben wir Rechenkapazität frei, die wir selbst gerade nicht in Anspruch nehmen: Unsere Gerätschaften sind dann ja ohnehin ständig am (und im) Netz. Warum also nicht für den guten Zweck und Tarif – den wir im besten Fall selbst entscheiden – ein wenig Speicherkapazität freigeben?

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