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Schüler mit WhatsApp
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Schüler mit WhatsApp

WhatsApp, der beliebte Messengerdienst aus den USA, gehört an deutschen Schulen zum Alltag. Privates läuft genauso über diese App, wie die Organisation von Terminen, Projekten und Hausaufgaben. Wobei sich nicht nur die Schüler untereinander vernetzten, auch die Lehrer mischen bei WhatApp oft mit.

„Wir Schüler haben verschiedene Chats, einen Klassenchat, wo alle drin sind. Kurs-Chats, wo dann die Hausaufgaben oder alte Klausuren reingeschickt werden, zum Üben.
Für Studienfahrten, oder letztes Jahr bei unserem Schulzirkus, hatten wir auch Chats mit Lehrern, damit die uns Informationen übermitteln konnten.
Manche Lehrer machen das, andere sehen es nicht so gerne. Es gibt das Gerücht, dass es eigentlich verboten ist. Es kommt aber ganz auf den Lehrer an.“ Schülerstimmen

Nicht nur Schüler berichten von WhatApp-Gruppen mit Lehrern, auch die Eltern können das grundsätzlich bestätigen. Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Elternverbandes, sagt, es komme zumindest vereinzelt vor. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht. Wie häufig „vereinzelt“ ist, lässt sich also nicht klären.

WhatsApp als offizieller Kommunikationskanal ungeeignet

Das Problem bei WhatsApp: das Unternehmen liest - trotz vollmundiger Bekenntnisse zum Datenschutz - die Adressbücher von Smartphones ungefragt aus. Auch Angaben von Personen, die gar nicht auf WhatsApp registriert sind, werden mitabgezapft. Die Daten wandern dann auf Server in den USA zur Muttergesellschaft Facebook, die alle Informationen bündelt, um möglichst ausführliche Nutzer-Profile zu erstellen. In manchen deutschen Firmen ist WhatsApp deshalb bereits nicht mehr erlaubt. Zu groß offenbar das Risiko ausspioniert zu werden. So hat der Autozulieferer Continental für seine 36.000 Mitarbeiter schon vor längerem ein striktes Verbot ausgesprochen. Unklar auch, ob WhatsApp nicht grundsätzlich gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung verstößt.

Lehrerverband vermisst klare Vorgaben vom Kultusministerium

Anscheinend gibt es bei WhatsApp aber einen ziemlichen Wildwuchs. Jedes Schule, jeder Lehrer und jede Lehrerin in Bayern handhabt es anders. Aber warum? Simone Fleischmann, Präsidentin des bayerischen LehrerInnen- und Lehrerverbandes, bemängelt, dass es in Bayern einfach keine klare Regelung gebe. Sie fordert eine eindeutige Stellungnahme vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

„Wir haben (...) Rahmenbedingungen für den Umgang mit Sozialen Medien der bayerischen Staatsbeamten von 2012. Da ist also ein gewisses Leck.“ Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin

Eine Regelung die bereits 7 Jahre alt ist. Damals war noch die SMS oder die E-Mail das Kommunikationsmittel der Wahl. Wer beim Ministerium anfragt, wie man es an den bayerischen Schulen mit WhatsApp halten solle, bekommt eine schriftliche, uneindeutige Antwort.

„Mit Eröffnung eines Informationskanals über WhatsApp würde die Schule die Teilhabe an einem schulischen Angebot davon abhängig machen, dass die Schülerinnen und Schüler die Nutzungsbedingungen akzeptieren und Daten über sich und ihre Kontakte an den Facebook-Konzern übermitteln. Dazu sind Schülerinnen und Schüler selbstverständlich nicht verpflichtet, und sie dürfen auch nicht benachteiligt werden, wenn sie keinem sozialen Netzwerk beitreten wollen. Schülerinnen und Schüler, die keinem sozialen Netzwerk beitreten wollen, müssen gleichen Zugang zu Informationen etc. haben. Grundsätzlich ist von den Lehrkräften aufgrund ihrer Vorbildfunktion immer ein hohes Maß an Sensibilität gefragt, wenn es um den Kontakt in sozialen Netzwerken geht. Wir vertrauen unseren Lehrkräften und den Datenschutzbeauftragten in den Schulen, dass sie mit diesem Thema verantwortungsbewusst umgehen.“ Auszug aus der schriftlichen Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus

WhatsApp gilt als cool

Womöglich macht es das Ministerium den Lehrern und Lehrerinnen unnötig schwer, indem es ihnen die Entscheidung überlässt. Sie müssten sich gegen den allgemeinen Trend stellen, wenn sie WhatsApp untersagen … ohne dafür Rückhalt von oben zu bekommen. Verboten ist WhatsApp ja nur unter 16 Jahren. Bei den Älteren kann man unterdessen leicht Sympathien gewinnen, wenn man sich nicht querstellt.

„Die Lehrer die drin sind, sind das auch die Lehrer, die in den Schulen als die coolen Lehrer gesehen werden, die sich mit den Schülern verstehen. Die Lehrer die strenger sind, das sind die, die sagen ich bin über E-Mail erreichbar. (…) Über E-Mail ist es viel förmlicher." Schülerstimme