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Wie YouTube gegen das "Plandemic"-Video vorgeht | BR24

© Screenshot: YouTube

YouTube verlinkt unter allen Videos, die sich um Covid19 drehen, zu Hintergrundinfos, etwa bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

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    Wie YouTube gegen das "Plandemic"-Video vorgeht

    Die Corona-Pandemie ist auch eine Infodemie: Das zeigt sich etwa am "Plandemic"-Video, ein angebliches Enthüllungsvideo zum Coronavirus, das in den USA in Verschwörungstheoretiker-Kreisen viral ging. Doch YouTube und Facebook reagierten schnell.

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    Seit fünf Monaten hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem und genau so lange gibt es eine Art Infodemie: zahlreiche Falschnachrichten und Verschwörungstheorien zum Coronavirus. In der vergangenen Woche gab es ein weiteres Beispiel, das vor allem im englischsprachigen Raum seine Kreise zog.

    In dem 26-minütigen Video namens "Plandemic: The Hidden Agenda Behind Covid-19" verbreitet die in Ungnade gefallene Molekular-Biologin Judy Mikovits einige falsche Behauptungen über das Coronavirus. Etwa, dass das Tragen von Masken das Virus erst aktiviere. Oder dass Menschen durch "heilende Mikroben im Salzwasser" geschützt würden, weswegen die Strände schnell wieder öffnen sollten. Das Faktencheck-Portal Politifact dokumentiert, welche Aussagen von Mikovits falsch sind.

    Mikovits inszeniert sich als Opfer

    Die 62-jährige Amerikanerin hat an verschiedenen Forschungseinrichtungen gearbeitet, geriet aber 2009 wegen nicht haltbarer Forschungsergebnisse in die Kritik und wurde 2011 von ihrem Arbeitgeber, dem Whittemore Peterson Institute for Neuro-Immune Disease, entlassen.

    In dem "Plandemic"-Video, in dem Mikovits von dem amerikanischen Filmemachers Mikki Willis interviewt wird, stellt sich Mikovits als Opfer dar. Speziell greift sie den Immunologen Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, an, dem sie vorwirft, ihre wissenschaftliche Karriere zerstört zu haben.

    Verschwörungstheoretiker teilen das Video massenhaft

    Das Interview und die darin enthaltenen Aussagen zur Bekämpfung des Coronavirus fielen in der Impfgegner-Szene auf fruchtbaren Boden. Auch die Verschwörungstheoretiker-Gruppe QAnon griff das Video auf. Die Social-Media-Forscherin Erin Gallagher wertete die Verbreitung des Videos speziell auf Facebook aus und fand unter anderem heraus, dass eine Facebook-Gruppe von QAnon mit mehr als 125.000 Mitgliedern zu den häufigsten Verbreitern zählte.

    Auf YouTube wurden verschiedene Versionen des "Plandemic"-Videos hochgeladen. Die Version mit der größten Reichweite ging am 4. Mai online und erzielte bis zu seiner Löschung am 6. Mai 7,1 Millionen Aufrufe. Der Großteil dieser Aufrufe kam von außerhalb, also von direkten Links.

    © Erin Gallagher

    Die Verschwörungstheoretiker von QAnon teilten auf Facebook besonders häufig Links zum "Plandemic"-Video auf YouTube.

    Konsequente Löschung auf YouTube

    YouTube löschte alle "Plandemic"-Videos, weil sie gegen die Community-Richtlinien verstoßen. Dazu zählen Inhalte, die wie dieses Video "medizinisch unbegründete diagnostische Hinweise" enthalten, wie Georg Nolte, der Sprecher von YouTube Deutschland, BR24 mitteilte.

    Neue Uploads gelöschter Videos werden durch Googles Content-ID-System geblockt. Wer jetzt dort nach "Plandemic" sucht, bekommt eine Reihe von Aufklärungs-Videos angezeigt. Darunter sind auch Mediziner, die die Aussagen von Judy Mikovits widerlegen.

    Diese konsequente Löschung umgehen manche Verschwörungstheoretiker, indem sie sich von anderen Accounts interviewen lassen. So hat zum Beispiel der auf Wirtschaftsthemen spezialisierte YouTuber Patrick Bet-David, dessen verifizierter Account Valuetainment mehr als 2,3 Millionen Abonnenten hat, Judy Mikovits zum Thema Impfstoffe interviewt. Auch dort verbreitet sie Unwahrheiten über das Coronavirus.

    YouTube verlinkt unter Covid19-Videos auf BZgA

    Unter Videos, die sich mit dem Coronavirus befassen (auch unter solchen, die Falschinformationen über Covid-19 etwa zum "Plandemic"-Video widerlegen) blendet YouTube in Abstimmung mit der WHO und lokalen Gesundheitsbehörden seit einigen Wochen Infoboxen zu Hingergrundinhalten über Covid-19 ein. Nutzer in Deutschland sehen einen blauen Kasten, in dem zu einer Coronavirus-Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verlinkt wird.

    "Auf diese Weise können Benutzer auf verifizierte Informationen von den örtlichen Gesundheitsbehörden zugreifen und zu ihrer eigenen Schlussfolgerung kommen", sagt der Pressesprecher von YouTube Deutschland, Nolte. Durch die blauen Boxen seien weltweit über 14 Milliarden Impressionen auf den Informationsseiten wie zum Beispiel der WHO oder der BZgA generiert worden.

    Fact Checker sehen Verwechslungsgefahr

    Allerdings gibt es auch Kritik an der Gestaltung der blauen Boxen. Bianca Hoffmann von der Fact-Checking-Organisation Correctiv sagte dem Spiegel, der aktuelle Hinweis erwecke den Anschein, dass "auch die absurdesten Videos" durch die BZgA "legitimiert" oder "sogar von ihr veröffentlicht worden seien". Aus ihrer Sicht schade der Hinweis so eher, als dass er nutze. YouTube-Sprecher Nolte verteidigt die Entscheidung: "Die Kästchen unter dem Video 'verifizieren' das Video nicht als wahr."

    Facebook: Erst drosseln, dann löschen

    Auf Facebook wurde das Video zunächst in der Reichweite eingeschränkt, "bis wir feststellen konnten, dass es gegen unsere Richtlinien verstößt und es entfernt haben", wie eine Facebook-Sprecherin BR24 mitteilte.

    Facebook entfernt Falschinformationen mit Bezug zum Coronavirus, "wenn davon Gefahren für das körperliche Wohlergehen ausgehen können. Die in dem Video geäußerte Behauptung, das Tragen von Masken könne krank machen, gehört dazu. Daher wurde das Video entfernt", sagte die Sprecherin weiter.

    Um Duplikate des Videos zu finden und zu entfernen, nutzt Facebook künstliche Intelligenz - auch für geschlossene Gruppen. Leichte Abwandlungen des Videos, die keine gesundheitsgefährdenden Behauptungen enthalten, werden in ihrer Reichweite eingeschränkt.

    50 Millionen Warnungen vor Covid-19-Inhalten auf Facebook

    Facebook benachrichtigt zudem Personen, die solche Videos bereits geteilt haben oder dies beabsichtigen. Allein im April wurden auf Facebook Warnungen zu rund 50 Millionen Beiträgen im Zusammenhang mit Covid-19 angezeigt, die auf etwa 7.500 Bewertungen der unabhängigen Faktenprüfer, mit denen Facebook zusammenarbeitet, basieren.

    Aufgrund der Warnhinweise hätten sich Nutzer in etwa 95 Prozent der Fälle den ursprünglich ausgewählten Inhalt letztlich nicht anzeigen lassen, so die Unternehmenssprecherin.

    Twitter verlinkt auf weiterführenden Content

    Auch Twitter hat angekündigt, seine Maßnahmen gegen irreführende Informationen auszuweiten, speziell, wenn es um Covid-19 geht. In Diskussionen zu kontroversen Themen will das Unternehmen weiterführende Informationen von vertrauenswürdigen Quellen anzeigen oder eine selbst kuratierte Seite mit Kontextinformationen verlinken, heißt es auf dem Twitter-Blog.

    Bei Tweets, die Twitter für potenziell schädlich oder irreführend hält, will das Netzwerk einen expliziten Warnhinweis anzeigen, dass der Inhalt ganz oder in Teilen im Widerspruch zu Ratschlägen von (Gesundheits-)Experten steht.

    Irreführende Inhalte können auch gelöscht werden

    Dieses Vorgehen soll bei Tweets praktiziert werden, die in eine dieser drei Kategorien fallen: irreführende Informationen, umstrittene Behauptungen oder unbestätigte Behauptungen. Bei den irreführenden Informationen behält sich Twitter je nach Tragweite des Themas auch eine Löschung vor.

    Nur vage Angaben macht Twitter in dem Blog-Beitrag darüber, wie das Unternehmen solche Tweets identifiziert. Es ist einerseits von "internen Monitoring-Systemen" die Rede, andererseits von nicht näher beschriebenen "vertrauenswürdigen Partnern", die Inhalte identifizieren, welche im realen Leben Schaden anrichten können.

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