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Influencer Symbolbild Tastatur
© pa/dpa
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Influencer Symbolbild Tastatur

"Influencer" ist das neue Modewort in der Medienbranche. "Influencer" können trendbewusste YouTuber sein, die Modetipps geben, aber auch solche Internetstars, die neue Games vorstellen, oder aber sich politischen Inhalten widmen. Auch Journalisten, die eine große Follower-Gemeinde auf Twitter haben, können "Influencer" sein. Gerade die jungen Nachwuchsstars auf YouTube haben oft eine gänzlich andere Herangehensweise an politische Inhalte. Und oft eine Fangemeinde, die in die Hunderttausende geht. Da wird diskutiert, etwa über den Artikel 13 oder über den neuesten Faux-Pax von Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Karnevalssendung.

Ein Nischenphänomen?

Doch wie viel Einfluss haben die "Influencer" wirklich? Ist das Ganze nur ein Nischenphänomen? Sind am Ende doch noch die alten Medien wie "BILD, BamS und Glotze" am Wichtigsten, wie Gerhard Schröder sagte?

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz vor einigen Wochen waren neben einer Vielzahl klassischer Journalisten auch eine Handvoll YouTuber dabei, aus vier Ländern: USA, Dubai, Rumänien und Deutschland. Unter ihnen Mirko Drotschmann, der für "funk", das junge Netzangebot von ARD und ZDF, das Format "Wissen2Go" moderiert. Sein YouTube-Kanal hat 900.000 Abonnenten. Er interviewte mehrere hochkarätige Gäste, unter anderem Fatou Bensouda, die Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof in DenHaag. Drotschmanns Videos werden intensiv geschaut, 300.000 Abrufe sind keine Seltenheit. Das merke durchaus auch die Politik:

"Dass Bewusstsein entstanden ist in den Parteien, dass da vor allem die jungen Wähler unterwegs sind, bei YouTube und anderen Plattformen, inzwischen ist man da sehr offen, das führt sogar so weit, dass ich schon Anfragen von Pressesprechern von Bundesministern hatte, ob die nicht mal zum Interview vorbeikommen können, was ich dann immer ein bisschen lustig fand, weil ich es früher immer vergeblich versucht hatte. Und jetzt melden die sich bei mir, also da ist schon ein bisschen ein Bewusstseinswandel da." Mirko Drotschmann, 'funk'

Manche "Influencer" sind bereits zur unverkennbaren Marke geworden, wie etwa der YouTuber Tilo Jung. Jung nervt seit Jahren die Sprecher der Ministerien in der Bundespressekonferenz mit frechen Fragen und hat schon eine Vielzahl von Politikern für seinen Videopodcast interviewt.

Viele Politiker tun sich mit Social Media schwer

Doch nicht alle sehen den Einfluss der "Influencer" so positiv. Annekatrin Gebauer war fünf Jahre lang Sprecherin der Bundesregierung und berät heute Unternehmen in Fragen der strategischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Gebauer meint, dass die "Influencer" bei Twitter oder YouTube oft überschätzt werden.

Viele Politiker würden sich mit Social Media und den neuen Meinungsmachern noch schwer tun: Da sei ein neuer Meinungsraum, der Probleme bereite, weil dort sehr viel Querulanten unterwegs seien, die die Legitimität ihres Systems in Frage stellten. Ansonsten aber, so sagt Gebauer, seien als mediale Influencer immer noch die klassischen Printmedien und Fernsehsender das, worauf die politischen Akteure schauen.

Langfristigerer Einfluss als klassische Medien

Also doch noch "BILD, BamS und Glotze"? Nein, meint Matthias Müller von Blumencron, Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels. Dass weite Teile der Politik vorurteilsbeladen aufs Internet schauten, sei auch ein Beweis dafür, wie altmodisch die Medienarbeit noch immer funktioniere. Es gebe aber auch Ausnahmen, meint von Blumencron:

"Es gibt auch Leute, durchaus auch gestandene Politiker, die erkannt haben, dass sie über digitale Distribution und Interviews mit führenden digitalen Medien eine hohe Reichweite erzielen, eine viel höhere als über Print und damit einen Einfluss, übrigens auch einen langfristigen Einfluss, weil das Papier, zumindest bei einer Tageszeitung, ist am nächsten Tag Altpapier, und da wo die Geschichten anfangen zu leben und lange Beine zu kriegen, das ist natürlich das Netz." Matthias Müller von Blumencron, Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels

Von Blumencron meint, dass die YouTuber und Twitter-Szene weithin unterschätzt werde, auch deswegen, weil die "Influencer" eine enge Bindung an ihre Nutzer und Fans haben: Da werde in der Community diskutiert, getwittert und geschrieben - so etwas würden sich klassische Medien geradezu herbeiwünschen. Dennoch stellt sich die Frage: Haben die neuen "Influencer" und ihre Community wirklich Einfluss auf politische Entscheidungen? Da ist selbst YouTuber Mirko Drotschmann skeptisch, eine Ausnahme sei für ihn allenfalls die aktuelle Debatte über den Urheberrechtsparagrafen Artikel 13:

"Was jetzt andere Themen angeht, muss ich sagen, ist mir das jetzt noch nicht so aufgefallen, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass sich viele Politiker denken: Naja, da gibt es diesen Riesen-Aufschrei im Internet wegen dieses Themas, aber die können ja alle noch nicht wählen. Deshalb glaube ich, dass es bisher noch nicht die Riesen-Reaktionen gab auf große Wellen im Internet, die wegen Gesetzesinitiativen oder anderen Dingen gemacht wurden." Mirko Drotschmann, YouTuber