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Wie umgehen mit Hass im Internet? | BR24

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Netz-Aktive müssen Viel aushalten

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Wie umgehen mit Hass im Internet?

Hass im Internet ist leider Alltag geworden. Prominente, PolitikerInnen und JournalistInnen bekommen regelmäßig Shitstorms ab. Die No Hate Speech-Bewegung, gegründet nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utoya, versucht dagegen anzugehen.

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In Berlin haben Medienschaffende, die selbst betroffen sind, über Strategien gegen Hass im Netz diskutiert. Frauen sind besonders häufig Opfer – sie müssen von Pöbeleien bis zu Vergewaltigungs- oder Morddrohungen alles mögliche über sich ergehen lassen. Auch Homosexuelle und Menschen mit nichtweißer Hautfarbe werden besonders oft im Netz attackiert.

„Ich könnte eigentlich ein Baby retten aus einem brennenden Auto – und die Leute würden mich trotzdem dafür hassen. Und würden fragen, war das Baby weiß?" Tarik Tesfu, Journalist.

Schwarz, schwul, Feminist, Anti-Rassist - Tarik Tesfu, der für das öffentlich-rechtliche Funk-Format „Jäger und Sammler“ arbeitet, nimmt kein Blatt vor den Mund. Auf Youtube, Twitter, Facebook wird er so zur Projektionsfläche für all diejenigen, die fremdenfeindlich, rassistisch, homophob, islamfeindlich oder generell menschenverachtend sind.

Gelassenheit mit professioneller Hilfe lernen

Um damit umzugehen, hat Tarik Tesfu eine eigene Strategie entwickelt. Er ignoriere das einfach komplett; es sei ihm mittlerweile völlig egal, was irgendwelche Leute im Netz über ihn schreiben. Um zu so viel Gelassenheit zu kommen, braucht es Strategien, die einem am besten Professionelle beibringen. Außerdem hilft, nicht alleine gelassen zu werden, wenn man angegriffen wird. Das sei sogar das Wichtigste, sagt Nicole Diekmann. Die ZDF-Redakteurin erlebte Anfang des Jahres einen Shitstorm auf Twitter, der rund 100.000 Tweets provozierte – auch für Heavy-User ist das extrem viel. Der Anlass: Nach einer privaten Diskussion twitterte Diekmann „Nazis raus“ – und auf die Rückfrage, wer denn für sie ein Nazi sei, als Antwort „Alle, die nicht grün wählen“. Was natürlich ironisch gemeint war, aber Ironie funktioniert nun mal nicht gut im Netz.

„Mir hat einmal geholfen, ganz konkret das Handy wegzulegen, und mir hat auch geholfen, dass Leute mich angeschrieben haben und gefragt haben: Was kann ich für dich tun?“ Nicole Diekmann, ZDF-Redakteurin

Zusammenhalt gegen Hass im Netz

Diekmann fordert eine neue Solidarität. Das reiche von der Einladung zum Kaffeetrinken bis zur Unterstützung durch andere Medien, die über Angriffe berichten. Die ZDF-Redakteurin ging - mit Unterstützung der Organisation Hate Aid - auch strafrechtlich gegen manche Drohungen vor. Es sei mehr justiziabel als gedacht, sagt Diekmann.

Was aber, wenn Hass gegen die eigene Person nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist? Diese Erfahrung macht Nhi Le. Sie ist Journalistin, Bloggerin, macht Poetry Slam – und sie schreibt und redet vor allem über Feminismus, Rechtsextremismus, Rassismus – Themen, die rechte Verbal-Ausfälle triggern. Auch Nhi Le rät: dagegen halten, Betroffene unterstützen und den Hatern nicht das Netz überlassen.

„Es geht alle was an, weil wir alle Teil der Gesellschaft sind, und da ist es gut zu zeigen, ich widerspreche einem rassistischen Kommentar, ich widerspreche Hatespeech. Das ist die Aufgabe von uns allen, uns online und offline stark für die Zivilgesellschaft zu machen.“ Nhi Le, Bloggerin