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"Umbruch" Podcast: Wie smart sind Smart Cities? | BR24

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Mehr Sicherheit, mehr Nachhaltigkeit, mehr Lebensqualität: Das verspricht das Konzept der "Smart City". Aber ist das Konzept wirklich so schlau? Darum geht es in der neuesten Ausgabe des BR-Podcasts „Umbruch“.

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"Umbruch" Podcast: Wie smart sind Smart Cities?

Mehr Sicherheit, mehr Nachhaltigkeit, mehr Lebensqualität: Das verspricht das Konzept der "Smart City". Aber ist das Konzept wirklich so schlau? Darum geht es in der neuesten Ausgabe des BR-Podcasts „Umbruch“.

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Songdo liegt rund 40 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Seoul entfernt. Über 1000000 Menschen leben in dieser Stadt, die es vor knapp 20 Jahren noch gar nicht gab. Dort wo jetzt reihenweise Hochhäuser aus dem Boden schießen war bis 2003 noch Meer. Das Wattgebiet wurde aufgeschüttet und das neu gewonnene Terrain zur Smart City erklärt.

Aufzug per Tablett

Heute schaut Elisabeth Jung aus ihrem Appartement im 36. Stock auf die neue Stadt. Ihre Wohnung ist – wie alle in Songdo - technisch ziemlich aufgerüstet. Elisabeth Jung erklärt, wie sich die Räumlichkeiten über ein in der Wand eingelassenes Tablet steuern lassen. Kameras vor den Türen zeigen wer gerade ankommt, man kann die Temperatur in den Zimmern regeln, man kann über das Tablet in der Wand auch telefonieren oder den Aufzug bestellen.

Kameras überall

Die Daten, die bei Elisabeth Jung und den anderen Bürgern von Songdo anfallen, werden größtenteils zentral verwaltet. Hyonkon Lee ist einer der Verantwortlichen für die Technik der koreanischen Smart City. Er überwacht gemeinsam mit seinem Team die Stadt, rund um die Uhr, jeden Tag.“ Wenn der Operator glaubt, dass es eine gefährliche Situation gibt, ruft der die Einsatzkräfte an und sagt, ‚passt mal auf an dieser oder jener Stelle stimmt was nicht…‘“ erklärt Lee. Maximal zehn Minuten später sei dann die Polizei vor Ort. Von einer kleinen Halle aus mit unzähligen Bildschirmen, auf denen die Bilder tausender Kameras zu sehen sind, wird das Geschehen in Songdo überwacht. Das geschieht mit Hilfe von Kameras, die überall in Songdo aufgestellt sind, an jeder Straße, jeder Ampel, an jedem Fussgängerübergang und in den Tiefgaragen. In Songdo stehen aber nicht nur überall Kameras sondern auch Mikrofone. Jedes Geräusch wird registriert. Die Aufnahmen werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz analysiert, und nach auffälligen Mustern durchsucht.

„Das ist unser Geräuschanalysesystem. Wenn ungewöhnlicher Lärm festgestellt wird, ein Fenster kaputt geht zum Beispiel oder ein Auto crasht, so krcch, krchhh, dann wird beim Operator sofort ein Alarm angezeigt.“ Hyonkon Lee, Stadtverwaltung Songdo

Alles nur Spielerei?

Doch nicht jeder ist zufrieden mit Songdo. Chunga Cha ist der Gründer einer Stiftung mit dem Namen Reimaging Cities, das mehrere Smart City Projekte in verschiedenen Ländern betreut. Er kritisiert, dass die Macher von Songdo viele Möglichkeiten verschenken. Die Steueruns-Tablets in den Appartements sind seiner Ansicht nach unnütz. Das seien nur „lustige Spielereien“, stattdessen müsse man die Daten nützen um Abläufe zu verbessern. „Die Frage muss doch sei: Wie können wir den Energieverbrauch wirklich zu senken? Wie können wir das Verkehrsaufkommen senken? Wie schaffen wir es, weniger Feinstaub und Lärm zu produzieren?“, findet Smart City-Kritiker Cha.

Was, wenn es keine Updates mehr gibt?

Wenn schon Daten sammeln, dann so, dass es auch den Bewohnern etwas bringt, dass die Leute gesünder Leben und Arbeiten, meint er. Songdo, das südkoreanische Vorzeigeprojekt wenn es um Smart Cities geht, sei hingegen ein von oben verordnetes Projekt. Die Technik hat zum großen Teil der US-Konzern Cisco geliefert. Städte könnten sich von Unternehmen abhängig machen, so die Befürchtung mancher Experten. Was aber passiert, wenn die Konzerne beispielsweise irgendwann keine Updates mehr für ihre digitale Technik liefern können oder wollen, das scheint bislang ungeklärt.

Mehr zur Diskussion rund um Smart Cities können Sie in der neuesten Folge des Podcasts „Umbruch“ nachhören.

„Umbruch“ den Podcast des B5-Computermagazins können Sie hier abonnieren. Oder Sie suchen im Podcatcher ihrer Wahl nach "Umbruch".