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Der islamische Prediger Ahmad Armih alias Abul Baraa

Der islamische Prediger Ahmad Armih alias Abul Baraa landete auf TikTok einen viralen Hit.

Bildrechte: Screenshot / TikTok
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    Wie Salafisten auf TikTok zu Influencern werden

    Auf der Teenager-Plattform TikTok wird vor allem getanzt, gesungen und gewitzelt. Doch auch Salafisten haben den Videodienst längst für sich entdeckt. Sie landen sogar virale Hits.

    Von
    Christian SchifferChristian Schiffer
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    Darf man als Muslim für sein Auto eine Vollkaskoversicherung abschließen? Oder genauer: Ist eine Vollkaskoversicherung eher haram, also verboten, oder vielleicht doch halal und damit erlaubt? Diese Frage beantwortet Ahmad Armih in einem Video auf TikTok. Der islamische Prediger, der sich selbst Abul Baraa nennt, kommt zu einer eindeutigen Einschätzung: Als Muslim darf man nur die KFZ-Versicherungen abschließen, zu denen man gezwungen wird, etwa eine Haftpflichtversicherung. Eine Vollkaskoversicherung hingegen ist tabu. Der Clip ging vor Kurzem viral, zu absurd wirkt der Clash zwischen dieser sehr strengen Auslegung des Islams und der drögen Realität des deutschen KFZ-Versicherungswesens. 2,9 Millionen Views standen am Ende auf dem Zähler.

    Sind Barbie-Tapeten halal?

    Dass einzelne islamische Prediger erklären, was mit den Gesetzen des Islams vereinbar ist und was nicht, ist keineswegs ungewöhnlich. Bemerkenswert aber ist, dass es auf TikTok passiert, wo die Nutzer besonders jung sind. Abul Baraa erklärt hier zielgruppengerecht, ob Barbie – beziehungsweise Einhorntapeten mit der islamischen Rechtsdogmatik vereinbar sind, ob man Cartoons zeichnen, sich tätowieren oder ein Spongebob-Schwammkopf-T-Shirt tragen darf. Baraas Videos sind in der Regel kurz, unterhaltsam und fügen sich gut ein in den quirligen TikTok-Kosmos. Auf dem dazugehörigen Kanal bekommen viele der Clips auf sechsstellige Zugriffzahlen. Und hierbei ist nicht nur Baraa zu sehen, sondern auch der bekannte Salafist Pierre Vogel.

    Salafisten auf TikTok? Offenbar kein Problem

    Auch Baraa selbst wird laut dem niedersächsischen Verfassungsschutz der salafistischen Szene zugeordnet. Früher war Baraa Imam an der berüchtigten As-Sahaba-Moschee in Berlin. Und während er auf YouTube gegen Israel oder Homosexuelle hetzt, hält sich der Prediger auf TikTok mit allzu scharfer Rhetorik zurück. Vermutlich hat TikTok deswegen keine Probleme damit, Baraa auf der eigenen Plattform gewähren zu lassen. Die Videos würden nicht gegen die Community-Standards der Plattform verstoßen, heißt es auf Anfrage von BR24. Zudem gäbe es ein Meldesystem für fragwürdige Inhalte.

    Der allmächtige Algorithmus

    Und trotzdem wirft der erfolgreiche Salafisten-TikToker ein Schlaglicht auf ein Problem: Denn TikTok ist bekannt dafür, einen gewaltigen Sog auszuüben. Wie auch bei anderen Plattformen entscheidet auch bei bei TikTok ein Algorithmus, welche Videos man zu Gesicht bekommt und welche nicht. Allerdings ist dieser Algorithmus hier sehr viel mächtiger als bei Facebook, Twitter und Co.

    Nutzer können auf TikTok zwar wie überall anders auch bestimmten Kanälen folgen, doch diese Form der bewussten Kuratierung des eigenen Streams spielt eine sehr viel geringere Rolle, als das, was automatisiert für die Nutzer herausgepickt wird. Der TikTok-Algorithmus gilt dabei als verblüffend treffsicher und als einer der Hauptgründe für den Erfolg der Plattform.

    Zugleich haben die Nutzer auf TikTok aber weniger Kontrolle über das, was sie sehen. Ein ähnlicher Mechanismus hat dafür gesorgt, dass YouTube nach Ansicht mancher Kritiker zum Online-Biotop für Verschwörungstheorien werden konnte. Auf der Videoplattform werden den Nutzern automatisiert Videos vorgeschlagen, die ihn interessieren könnten. Lange Zeit wurden hier tendenziell fragwürdige Clips bevorzugt und die Nutzer in einen ideologischen Kaninchenbau gelockt.

    Kaninchenbau TikTok?

    Wie genau der TikTok-Agorithmus funktioniert, weiß man nicht. Aber es gibt Vermutungen und Experimente, um sich der Wahrheit hinter dem Mysterium anzunähern.

    Und demnach ist es keineswegs ausgeschlossen, dass jungen Nutzern, denen das Vollkasko-Video von Abul Baraa gefallen hat, noch mehr Salafisten-Content serviert wird. Der Kaninchenbau der Zukunft könnte TikTok sein.

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