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Bildrechte: Johanniter Unfallhilfe

QR-Codes sollen Gaffer vom Gaffen abhalten

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    Wie QR-Codes Gaffer vom Gaffen abhalten sollen

    Sie geben sich dem Voyeurismus hin und behindern so die Rettungskräfte: Sogenannte Gaffer gefährden Menschenleben. Die Johanniter Unfallhilfe wehrt sich jetzt mit einer raffinierten Idee.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Das Muster, das laut dem einem offiziellen Video der Johanniter Unfallhilfe Leben retten soll, prangt auf Rettungswägen, soll aber auch auf Rettungsgerät oder an Sichtschutzblenden bei Unfallstellen angebracht werden. Es handelt sich um einen QR-Code. Wer als Gaffer Fotos von der Unfallstelle macht, der fotografiert den Code mit und öffnet so einen Link, der zur Seite der Johanniter führt. Die klare Botschaft, die den Gaffer dann in großen, weißen Buchstaben auf rotem Grund anspringt: "Stopp! Gaffen tötet! - Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar."

    "Das ganze ist ein Feldversuch" sagt Johanniter-Vorstand Jörg Lüssem gegenüber BR24. Man wolle ein Zeichen setzen gegen das Gaffertum. Auf manchen älteren Geräten würden die QR-Codes nicht ausgelesen werden können, aber in den Tests habe das System insgesamt gut funktioniert.

    Das Comeback des QR-Codes

    Zunächst handelt es sich bei dem Vorhaben der Johanniter Unfallhilfe um ein Pilotprojekt, das in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur entstanden ist. Es fällt in eine Zeit, in der der QR-Code ohnehin ein kleines Comeback feiert. Anders als etwa in Asien, haben die Codes hier in der Öffentlichkeit bislang keine so große Rolle gespielt. Das änderte sich erst mit der Corona-Pandemie. Nicht nur werden QR-Codes verwendet, um zum Zwecke der Kontaktnachverfolgung in Lokale einzuchecken. QR-Codes führen den Gast bisweilen auch zur digitalen Speiskarte, die hygienebedingt vielerorts die analoge Speisekarte ersetzt hat.

    Auf den meisten Geräten muss man keine zusätzliche Software mehr installieren, um einen QR-Code einzulesen - das macht sich die Kampagne der Johanniter zu nutze. Ein Problem allerdings, das zumindest theoretisch auftreten könnte: Eine Manipulation der Codes, etwa in dem man sie überklebt, sodass der Link zu einer anderen Seite führt. Für Jörg Lüssem ein sehr unwahrscheinliches Szenario. "Das würde unseren Besatzungen auffallen und es hat auch nicht jeder Zutritt zu Fahrzeugen oder Rettungsequipment", so das Vorstandmitglied der Johanniter.

    Gaffen ist strafbar

    Seit diesem Jahr kann das Gaffen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden. Es geht hierbei nicht nur um die Persönlichkeitsrechte der Opfer, die möglicherweise verletzt werden, sondern auch um die Behinderung der Einsatzkräfte. Darauf macht die Johanniter Unfallhilfe mit ihrem innovativen Kniff aufmerksam. Das Projekt soll durch die Johanniter-eigene Akkon Hochschule für Humanwissenschaften begleitet, evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, hofft die Johanniter-Unfallhilfe auf Nachahmer durch andere Rettungsdienste. Und so wäre es durchaus denkbar, dass QR-Codes in Zukunft Gaffer vom Gaffen abhalten – und damit die Versorgung von Verletzten erleichtern.

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