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Wie man sich in einer Videokonferenz vor Eindringlingen schützt | BR24

© dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd

Viele Schulen setzen auf Distanzlernen. Dabei werden oft Videochats eingesetzt, zu denen sich manchmal Störer Zutritt verschaffen (Symbolbild)

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    Wie man sich in einer Videokonferenz vor Eindringlingen schützt

    Stören, provozieren, beleidigen: Immer wieder gibt es Fälle, bei denen fremde Personen in einen Videochat eindringen - auch in Grundschulen. Wer diese grundlegenden Sicherheitstipps beherzigt, kann sich vor solchen Eindringlingen schützen.

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    Von
    • Bernd Oswald

    Wegen der Corona-Pandemie findet derzeit nicht nur in Bayern kein Präsenzunterricht statt. Statt dessen ist Homeschooling angesagt und fast alle Schulen arbeiten dabei auch mit Videokonferenz-Tools. Immer wieder gibt es Fälle, in denen ungebetene Gäste in Videokonferenzen oder Lernchats eindringen und beleidigende oder anzügliche Inhalte posten. Jüngst waren eine Grundschule in Abensberg, eine Mittelschule in Abensberg und eine Grundschule in Mainburg betroffen.

    Die Abensberger Grundschule verwendete die Open-Source-Software Jitsi, die unter anderem deswegen beliebt ist, weil sie einfach im Browser genutzt werden kann, ohne dass man sich eine Software herunterladen muss.

    Name des Chatraums sollte nicht leicht zu erraten sein

    Auf der Startseite von Jitsi lässt sich im Handumdrehen ein Chatraum erstellen: Man muss nur einen Namen für den Raum in ein weißes Feld eintragen. Der Raumname sollte nicht zu kurz oder leicht erratbar sein, denn sonst kann es - wie in Abensberg - passieren, dass unerwünschte Personen dem Chat beitreten. Wenn man nur einen kurzen Namen eingibt, blendet Jitsi einen Warnhinweis ein: "Der Raumname ist unsicher. Unerwünschte Teilnehmer könnten Ihrer Konferenz beitreten." Der Raumname sollte mindestens neun Zeichen lang sein und nicht nur (Groß- und Klein-) Buchstaben, sondern auch Zahlen und Sonder- und Satzzeichen enthalten, also zum Beispiel: Klasse2b-GSAbensberg.

    © BR. Screenshot: meet.jit.si

    Die Videkonferenz-Plattform Jitsi warnt davor, wenn man einen unsicheren Raumnamen vergibt

    Einlasskontrolle aktivieren

    Um ungebetene Gäste draußen zu halten, bietet Jitsi aber noch zwei weitere Sicherheitsoptionen:

    1. Ist der Lobbymodus aktiviert, können nur Teilnehmer beitreten, die der Moderator einlässt.
    2. Jitsi-Konferenzen lassen sich mit einem Passwort schützen: Nur wer das richtige Passwort eingibt, gelangt in den Konferenzraum.

    Sichere Passwörter vergeben

    Auch bei Passwörtern gilt, dass sie nicht zu einfach sein sollen. "Sichere Passwörter sollten mindestens acht Zeichen umfassen und Sonderzeichen, Ziffern, sowie Groß- und Kleinbuchstaben enthalten", empfiehlt auch die EU-Medienkompetenz-Initiative Klicksafe in ihrer Checkliste zum Einsatz von Videochats in der Schule. Ein sicheres Passwort muss auch nicht ständig geändert werden.

    Zugangslink oder Passwort werden oft per E-Mail verschickt, was naturgemäß auch ein Sicherheitsrisiko ist. Mails können versehentlich an falsche Adressaten geschickt werden. Außerdem lassen sich Mails im Handumdrehen an jede beliebige Person weiterleiten. Passwörter sollten deshalb in einer separaten Mail verschickt werden, am besten sogar in einer verschlüsselten Mail. Das setzt aber voraus, dass alle Empfänger einen Verschlüsselungs-Dienst nutzen, was gerade in Schulen meistens nicht der Fall ist.

    Alternativ können solche Zugangsdaten auf Papier übermittelt werden.

    2020 hatte Zoom viele Probleme mit Störenfrieden

    Das Problem mit störenden Eindringlingen ist nicht neu, hat aber seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen. 2020 geriet der boomende und noch immer weit verbreitete Videokonferenzdienst Zoom in die Schlagzeilen, weil er mit besonders vielen Störenfrieden zu kämpfen hatte. Damals entstand sogar ein eigener Begriff dafür: "Zoombombing".

    Auch Zoom reagierte damals mit Warteräumen und Passwörtern. Außerdem können Moderatoren festlegen, wer seinen Bildschirm teilen darf. Wenn das den Moderatoren vorbehalten ist, können ungebetene Gäste zum Beispiel keine Videos zeigen.

    Zusätzlich führte Zoom eine Funktion ein, mit der Moderatoren kurzzeitig alle Meeting-Funktionen wie Audio- und Videoübertragungen, Chats oder Gruppenräume pausieren können - dann, wenn ein störender Teilnehmer oder Inhalt auffällt. Störende Teilnehmer können dann an Zoom gemeldet werden und werden direkt aus dem Meeting entfernt.

    Außerdem hat Zoom ein Tool entwickelt, das das Netz nach öffentlich geteilten Zoom-Meeting-Links durchsucht. Entdeckt es einen Zoom-Link, den es als gefährdet einstuft, weist Zoom den Veranstalter darauf hin.

    Hier sind die wichtigsten Tipps, wie man eine Videokonferenz vor Störenfrieden schützt, nochmal zusammengefasst:

    1. Einen Raumnamen wählen, der nicht zu leicht zu erraten ist: Mindestens neun Zeichen, in einer Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Je länger, desto besser.
    2. Räume mit Passwort schützen: Auch hier empfiehlt sich eine Kombination aus (Groß- und Klein-) Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
    3. Genau darauf achten, wer die Zugangsdaten bekommt - und auf welchem Weg. E-Mails sind hierfür nicht zu empfehlen.
    4. Einlasskontrolle aktivieren: Der Moderator muss Teilnehmer per Klick bestätigen (die Funktion heißt oft Warteraum oder Lobby).
    5. Rechte der Teilnehmer beschränken, zum Beispiel Bildschirmfreigabe, eventuell auch Kamera- und Mikrofonnutzung.

    Update vom 28.1.2021: Das bayerische Kultusministerium hat "Hinweise für Schulleitungen und Lehrkräfte zum Einsatz von Videokonferenzsystemen im Distanzunterricht" zusammengestellt.

    Auch die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung hat auf ihrer Website einen Themenschwerpunkt "Sicheres Lernen und Kommunizieren im Distanzunterricht". Dort gibt es auch eine Reihe von Erklärvideos zur Nutzung der Wartebereich-Funktion in den Videokonferenzsystemen Teams for Education, Jitsi, Webex und drei BigBlueButton-Varianten.

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