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Wie man klimaschonend Filme streamt | BR24

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Streaming muss nicht immer eine Umweltsünde sein. Man kann den CO2-Ausstoss zumindest minimieren.

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Wie man klimaschonend Filme streamt

Streaming ist nicht gleich Streaming. Das Umweltbundesamt hat eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass es riesige Unterschiede bei der CO2-Emission gibt, etwa je nach Datenverbindung. Besonders klimaschädlich: Streaming unterwegs im Zug.

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Die gute Nachricht zuerst: wer Videos streamt, muss nicht unbedingt ein schlechtes Gewissen haben. Allerdings sollte man sich zuerst einmal Gedanken machen, welche Datenverbindung man nutzt. Die Unterschiede in puncto Treibhausgasemissionen bei den verschiedenen Varianten hat das Umweltbundesamtes vom Öko-Institut und dem Fraunhofer IZM im Rahmen des Forschungsprojektes "Green Cloud-Computing" ermitteln lassen.

Ergebnis: wer zu Hause sitzt und über eine Glasfaser-Leitung verfügt, ist fein raus. Für eine Stunde HD-Video fallen dann gerade mal 2 Gramm CO2 je Stunde an. Die Zahl sagt so relativ wenig, wird allerdings anschaulicher im Vergleich mit den anderen Übertragungsvarianten.

UMTS ist die "schmutzigste" Variante

Bei einem Kupferkabel (dazu zählen auch die DSL-Verbindungen) verdoppelt sich die CO2-Menge auf 4 Gramm. Noch mehr wird es unterwegs. Wer den neuesten Mobilfunkstandard 5G nutzen kann, produziert durch die Übertragung der Daten 5 Gramm. 4G - auch bekannt als LTE – schlägt mit 13 Gramm zu Buche. Richtig "schmutzig" ist die alte Handynetz-Variante 3G, beziehungsweise UMTS. Darauf ist man meist noch angewiesen, wenn man im Zug sitzt oder im Auto auf dem Land unterwegs ist. Hier werden 90 Gramm je Stunde Video-Streaming produziert. Der Vergleich zeigt aber auch, Streaming ist nicht unbedingt eine Umweltsünde.

"Eine gute Nachricht für Film- und Serienfreunde: Wer zu Hause über Glasfaser oder VDSL streamt, kann dies mit gutem Klimagewissen tun.“ Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Riesenbildschirme machen die Ökobilanz kaputt

Bei den obigen Zahlen handelt es sich lediglich um Angaben zur Datenübertragung. Der Anteil an den CO2-Emissionen durch die Datenverarbeitung im Rechenzentrum ist immer gleich und mit jeweils 1,5 Gramm CO2 pro Stunde relativ gering. Interessanter ist wieviel Strom die Endgeräte, also das Handy oder der PC fressen. Wer zu Hause Filme anschaut muss noch Router, TV-Gerät und/oder Empfänger dazu rechnen. Laut Ökoinstitut macht sich die Ökobilanz wieder kaputt, wer einen wandfüllenden Bildschirm nutzt. Auch der Video-Empfang über eine Spielekonsole (die ja mit dem Internet verbunden ist) anstatt über einen kleinen TV-Stick braucht deutlich mehr Strom.

Lieber HD als ultra-HD

Viel für die Umwelt tun kann man auch, indem eine möglichst geringe Auflösung gewählt wird. Für Geräte mit kleinem bis mittlerem Display reicht HD völlig aus, der Qualitätsunterschied zu Ultra-HD ist für das menschliche Auge dann gar nicht wahrnehmbar. Der Spar-Effekt ist allerdings beachtlich. Eine Übertragung in Ultra-HD-Auflösung benötigt laut Umweltbundesamt die zehnfache Menge gegenüber HD-Qualität, nämlich 7 GB pro Stunde statt 700 MB pro Stunde. In CO2 bedeutet das, die Übertragung eines Films über LTE produziert dann eben zu Hause selbst mit Glasfaser doch wieder 20 Gramm – anstatt nur 2 Gramm. Auch bei Videokonferenzen gilt deshalb, wenn möglich, die schlechteste Bildqualität wählen. Vielleicht will von den Kollegen und Kolleginnen ohnehin gar nicht so genau gesehen werden.

Gesamtverbrauch drosseln

Die Nutzung der Cloud-Dienste wächst unaufhörlich. Durch die Corona-Pandemie ist der Bedarf noch weiter gestiegen: Die Nutzung von Streaming und Cloud-Gaming hat sich laut Umweltbundesamt von Februar bis März 2020 um 30 Prozent erhöht. Im März wurde am weltgrößten Internetknoten in Frankfurt am Main (DE-CIX) ein neuer Rekord gemessen (9,16 Terabit pro Sekunde). Das entspricht der gleichzeitigen Übertragung von mehr als zwei Millionen HD-Videos. Für die Macher der Studie ist deshalb klar, es muss unbedingt alles unternommen werden, um diesen Anstieg abzubremsen. Die zentralen Forderungen lauten nun: mehr Glasfaser, mehr 5G und mehr Umweltbewusstsein von uns allen beim Streamen.

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