BR24 Logo
BR24 Logo
Netzwelt

Wie Faktenchecks auf Facebook und Twitter funktionieren | BR24

© Screenshot: Twitter

Twitter dokumentierte im März, dass US-Präsident Trump ein manipuliertes Video über seinen Kontrahenten Joe Biden veröffentlicht hat.

Per Mail sharen

    Wie Faktenchecks auf Facebook und Twitter funktionieren

    Corona-Zeit ist Fake-News-Zeit. Deswegen haben Facebook und Twitter Corona-Falschnachrichten den Kampf angesagt. Wir erklären, wie Faktenchecker sie dabei unterstützen – und wer die Faktenchecker checkt.

    Per Mail sharen

    Krisenzeiten sind immer auch Zeiten, in denen viele Falschmeldungen verbreitet werden. Während der Corona-Pandemie ist dieses Phänomen besonders stark ausgeprägt. Etwa, dass das Coronavirus in einem Labor in den USA entstanden sei. Bei BR24 deckt das Faktenfuchs-Team die wichtigsten Falschnachrichten rund um Corona auf. Viele davon werden über die sozialen Netzwerke oder über Messenger verbreitet. Die großen Player sind sich dieses Problems bewusst und gehen gegen die Verbreitung von falschen Nachrichten beziehungsweise Behauptungen zum Coronavirus vor.

    © Screenshot: Facebook

    Facebook weist darauf hin, dass Faktenchecker Aussagen des Ex-AfD-Politikers Wolfgang Gedeon über das Coronavirus als falsch bewerten.

    Facebook arbeitet mit externen Fact-Checkern

    Facebook überprüft Falschmeldungen, die auf seiner Plattform verbreitet werden, nicht selbst, sondern hat diesen Job bereits vor knapp dreieinhalb Jahren an unabhängige Fact-Checker aus aller Welt ausgelagert. Inzwischen sind es laut Facebook mehr als 60 Organisationen, die Inhalte in mehr als 50 Sprachen überprüfen.

    Bei allen zu bewertenden Inhalten muss der Faktenprüfer folgende Frage beantworten: "Wie zutreffend ist diese Meldung?" Bei der Faktenprüfung auf Facebook gibt es neun Bewertungsoptionen, die von falsch über teilweise falsch, wahr, falsche Überschrift bis zu Satire und Meinung reichen.

    Reichweite von Falschnachrichten wird drastisch reduziert

    Kommen Faktenchecker zu dem Schluss, der ein Inhalt ganz oder teilweise falsch ist, zeigt Facebook den entsprechenden Hinweis direkt unter dem Link zu dem fraglichen Inhalt an. Teilt der Nutzer ihn trotzdem, wird er Inhalt im News Feed nur noch eingeschränkt verbreitet. Laut Facebook reduziert sich die Reichweite solcher Posts um 80 Prozent.

    Für die Faktenprüfung hat Facebook einschlägige Organisationen ausgewählt, die vom International Fact-Checking Network (IFCN) zertifiziert sind. Dort bewerben können sich Fact-Checking-Organisationen, die bei ihrer Arbeit den fünf Punkte umfassenden Code of Principles des IFCN beachten. Dazu zählen:

    1. Überparteilichkeit und Fairness
    2. Quellentransparenz
    3. Angaben zur eigenen Finanzierung
    4. Erläuterung der eigenen Arbeitsweise
    5. Bekenntnis zur Korrektur von Fehlern

    Fact-Checker kontrollieren sich selbst

    Externe Gutachter, zu denen andere Fact-Checker, investigative Journalisten oder (Kommunikations-)Wissenschaftler gehören, bewerten die Bewerbung. Eine positive Zertifizierung gilt ein Jahr lang und muss danach neu beantragt werden. Wer mit der Arbeit einer vom IFCN zertifizierten Fakt-Checker-Organisation nicht einverstanden ist, kann sich über ein Beschwerdeformular an das IFCN wenden.

    Aus Deutschland zählen Correctiv und dpa-Faktencheck zu den IFCN-Mitgliedern. Beim Start des Fakt-Checkings für Facebook hat Correctiv noch umsonst für das Netzwerk gearbeitet, seit 2018 bekommt das Recherchebüro Geld für seine Facebook-Faktenchecks. Geschäftsführer David Schraven spricht gegenüber BR24 von einem fünfstelligen Betrag im Jahr, wie hoch die Summe genau ist, hänge von der Anzahl der Faktenchecks ab.

    Blogger beschwert sich über Correctiv-Bewertung

    Es kommt immer wieder vor, dass Betroffene nicht mit der Bewertung einverstanden sind. So beschwerte sich kürzlich ein oberbayerischer Blogger bei Correctiv, das seinen auf Facebook mehr als 4.000 Mal geteilten Artikel "Bayern zahlt keine Sofort-Hilfe für Unternehmen bis 10 Mitarbeiter" als "größtenteils falsch" eingestuft hatte. Nach einem Mailwechsel zwischen dem Blogger und Correctiv änderte der Faktencheck-Autor seine Bewertung in "teilweise falsch", da dem Blog-Artikel vor allem Kontext gefehlt habe.

    Twitter prüft falsche und irreführende Inhalte selbst

    Auch Twitter ist daran interessiert, die Verbreitung von falschen oder irreführenden Inhalten einzudämmen und hat dazu im Februar seine Nutzungsbedingungen aktualisiert. Dazu zählt auch die "Richtlinie zu synthetischen und manipulierten Medien". Ob ein Tweet und die darin verwendeten Medien gegen diese Richtlinie verstoßen, hängt von drei Kriterien ab:

    1. Technische Manipulation: Hier geht es unter anderem um die Frage, ob Zusammensetzung, Ablauf, zeitliche Abfolge oder Gestaltung eines Inhalts grundlegend verändert wurden, ob visuelle oder akustische Informationen hinzugefügt oder entfernt wurden. Vor allem dieser Passus dürfte auf Deep Fakes abzielen. Neben eigener Technologie setzt Twitter dabei auch auf Meldungen durch nicht näher bestimmte Dritte.
    2. Irreführende Verbreitung: Twitter prüft, ob der Kontext, in dem Medien geteilt werden, zu Verwirrung oder Missverständnissen führen könnte oder darauf schließen lässt, dass Nutzer absichtlich über die Art oder Herkunft des Inhalts getäuscht werden sollen
    3. Schädliche Auswirkung: Hier wird bewertet, ob Tweets die körperliche Sicherheit einer Person oder Gruppe gefährden, Massengewalt oder Unruhen schüren könnten oder die Meinungsfreiheit einer Person oder Gruppe bedrohen.

    Im Gegensatz zu Facebook nimmt Twitter die Bewertung, ob ein Inhalt, der auf der Plattform geteilt wird, falsch oder irreführend ist, selbst vor. Je nachdem, wie diese Prüfung ausfällt, wird ein Tweet als irreführend oder falsch gekennzeichnet und mit Links zu weiterführenden Erklärungen versehen.

    Twitter kennzeichnet Trump-Tweet als manipuliert

    So geschehen im März: In einem Tweet hatte US-Präsident Trump einen Videoausschnitt von einer Wahlkampfveranstaltung des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden verkürzt und damit den Sinn entstellt. Twitter reagierte, indem es diesen Trump-Tweet als "manipuliert" kennzeichnete und auf eine eigens erstellte Erklärseite zu dem Fall verlinkte.

    Falls alle drei Kriterien erfüllt sind, ist es "wahrscheinlich", dass Twitter den Tweet löscht. Accounts, die wiederholt oder schwerwiegend gegen diese Richtlinie verstoßen, können dauerhaft gesperrt werden.