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Wie Facebooks neue Super-App funktionieren könnte | BR24

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Facebook will seine Apps enger miteinander verflechten

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    Wie Facebooks neue Super-App funktionieren könnte

    Mark Zuckerberg will Facebook, WhatsApp und Instagram enger miteinander verbinden. Was bedeutet das für die Nutzer? Vermutlich mehr Freiheit - aber auch weniger Sicherheit. Noch ist außerdem fraglich, ob Facebook seinen Plan überhaupt umsetzen darf.

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    Facebook und der Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram: Sie alle gehören dem gleichen Konzern. 2012 und 2014 hat Mark Zuckerbergs Facebook-Konzern seine zwei größten Konkurrenten aufgekauft, bevor sie ihm gefährlich werden konnten. Trotzdem funktionieren die Apps weitgehend separat: Es ist nicht möglich, beispielsweise mit WhatsApp eine Nachricht direkt auf den Messenger zu schicken. Das soll bald geändert werden, hat Facebook angekündigt.

    Eine Facebook-Super-App?

    Sollte der Plan in die Tat umgesetzt werden, würde das trotzdem nicht heißen, dass die drei Apps ineinander verschmelzen - zumindest nicht für die Nutzer. Der Gedanke ist: Wenn die Mutter lieber Facebook benutzt und die Tochter lieber Instagram, könnte beide in die jeweils bevorzugte App schreiben und Nachrichten direkt senden und empfangen.

    Nutzer hätten so also mehr Wahlfreiheit. Allerdings: Wählen kann man nur unter Produkten, die Facebook gehören. Alternative Messenger wie Signal, Threema oder andere Social-Media-Apps wie Snapchat blieben dem aus Facebook-Kosmos ausgesperrt. Die würden weiterhin nur in der jeweils eigenen App funktionieren. Es sei denn, Facebooks Entscheidung setzt einen Domino-Effekt in Gang - und Snapchat macht gemeinsame Sache mit Apples Facetime und TikTok. Es könnte das einzige Mittel gegen Facebooks neue Super-App sein.

    Der Plan könnte Chatten unsicherer machen

    Eine solche Zusammenlegung, wie sie Facebook plant, hat es so noch nie gegeben. Wohl auch zurecht. "Das ist auf keinen Fall eine gute Nachricht", sagt Julia Reda, Digital-Expertin im EU-Parlament. "Vor allem für die Sicherheit der User." Das Problem: WhatsApp ist im Moment Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das heißt, die Nachrichten sind vor Hacks geschützt und werden auch von Facebook nicht ausgelesen. Instagram- und Facebook-Nachrichten sind aber weit weniger sicher. Julia Reda befürchtet, dass bald nicht etwa Instagram und Facebook sicherer werden, sondern eher die Sicherheit von WhatsApp herabgesenkt wird. Sie empfiehlt alternative Messenger: etwa die App Signal.

    Schon jetzt nutzt Facebook die Daten von verschiedenen Diensten, um ein großes virtuelles Profil über eine Person zu erstellen: Wenn für Facebook zum Beispiel klar ist, dass ein Instagram-User auch ein Facebook-Profil hat, werden die Profile intern miteinander verknüpft - vor allem, um noch genauere Werbung auszuspielen. Dafür werden sogar die Inhalte von privaten Nachrichten ausgelesen. WhatsApp-Nachrichten und -Nummern wären nur der nächste Schritt, um Facebook noch mehr Macht als bisher einzuräumen.

    Darf Facebook das überhaupt?

    Eins ist klar: Schon technisch ist die Zusammenlegung der Messenger-Dienste eine Mammut-Aufgabe, selbst für den gigantischen Facebook-Konzern. Schließlich funktionieren die Messenger anders, sie haben andere Funktionen, sind anders programmiert: WhatsApp unterstützt zum Beispiel Sticker, Instagram nicht. Trotzdem sollen die wohl beim Empfänger ankommen. Und was ist mit Nutzern, die mehrere Instagram-Profile haben? All das ist noch nicht geklärt.

    Und ist dieser Plan überhaupt erlaubt? EU-Abgeordnete Julia Reda vermutet, dass Facebook bereits jetzt an einigen Punkten gegen die Datenschutzgrundverordnung verstößt - nur dauert es sehr lange, um so etwas festzustellen und zu ahnden. Und das Bundeskartellamt verweist auf Anfrage auf ein bereits laufendes Verfahren gegen Facebook: Hier soll bald entschieden werden, ob der Konzern seine große Marktmacht zum übermäßigen Datensammeln ausnutzt.

    Vielen Wettbewerbshütern ist Facebook wegen seiner monopolartigen Stellung schon lange ein Dorn im Auge. Unter heutigen Umständen würde ein Kauf wie der von WhatsApp wohl nicht mehr erlaubt. Trotzdem tut sich politisch noch nicht viel. Mark Zuckerberg weiß das: Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Facebook den Schritt jetzt angekündigt hat. Denn sobald die Apps erst einmal eng miteinander verflochten sind, ist es unwahrscheinlich, dass man sie wieder aufgespaltet bekommt.