Symbolbld: Eine einzelne Schneeflocke
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Symbolbld: Eine einzelne Schneeflocke

    Wie "Snowflake" die Internetzensur im Iran durchbrechen kann

    Immer wieder sperren Staaten den freien unzensierten Zugang zum Internet. Doch Bürger in anderen Staaten können helfen, die Sperre zu durchbrechen. Zum Beispiel mit der Browser-Erweiterung "Snowflake".

    Erst unlängst hat der Iran vor dem Hintergrund der Proteste wegen des Todes der 22-jährigen Mahsa Jina Amini den Zugang zum Internet eingeschränkt.

    Um zu verhindern, dass sich die Protestierenden abweichend von der offiziellen Regierungslinie auf internationalen Nachrichtenseiten informieren oder über Social-Media-Plattformen organisieren, hat die iranische Regierung den Zugriff via Internet, Messenger- oder Social-Media-Diensten stark eingeschränkt.

    Internet in Teheran stark gestört

    Technisch belegen das zum Beispiel Daten des Open Observatory of Network Interference (OONI) oder der Nichtregierungsorganisation NetBlocks. Sie zeigen, dass seit 19. September nahezu der gesamte Internetzugang in Teilen Kurdistans verhindert und die Internetverbindung in die Hauptstadt Teheran stark gestört wurde.

    Hack der Hauptnachrichten im Staatfernsehen

    Dass das Bedürfnis nach Informationen abseits der offiziellen staatlichen Darstellung sehr groß ist, zeigt riskante der Hack der Hauptnachrichten des Staatsfernsehens am 8. Oktober: Aktivisten ist es dabei gelungen, Kritik am repressiven Vorgehen gegen Frauen einzublenden. "Das Blut der Jugend klebt an euren Händen", war während der Nachrichtensendung am Samstagabend zur besten Sendezeit auf den Bildschirmen zu lesen.

    Der Iran ist aber nur ein Beispiel von vielen. Auch Staaten wie beispielsweise Russland oder China versuchen den Zugang zu ausländischen Informationsportalen einzuschränken.

    Technische Brücke bauen

    Internetaktivisten weisen drauf hin, dass sich die staatlichen Zensurmaßnahmen technisch unterlaufen lassen. Menschen, die einen unzensierten Internetzugang haben, könnten den Menschen in Regionen mit eingeschränktem Internetzugang eine technische Brücke bauen. Über diese Brücke können sie dann unzensiert surfen.

    Kostenfreie Browser-Erweiterung "Snowflake"

    Eine Möglichkeit, mit der Menschen außerhalb dieser Staaten den Bürgern dort helfen können, an unzensierte Informationen zu kommen, ist die Browser-Erweiterung "Snowflake", englisch für Schneeflocke - übrigens nicht zu verwechseln mit einem kommerziellen Programm "Snowflake", über das Cloud-Speicher angeboten werden kann. Die Browser-Erweiterung "Snowflake", die hier gemeint ist, ist für viele gängige Browser, wie Chrome, Edge, Firefox oder den Tor-Browser kostenfrei erhältlich.

    Wie funktioniert die Browser-Erweiterung "Snowflake"?

    "Snowflake" wird auf beiden Seiten, also im freien und im zensierten Teil der Internetregion in die Internet-Browser integriert. Die Software stellt nach der Installation eine Echtzeit-Direktverbindung aus der zensierten Region zu einem Rechner in der unzensierten Zone her und geht von dort in das Tor-Netzwerk. Durch die Direktverbindung erhält der Rechner in der zensierten Region alle Möglichkeiten des Rechners in der unzensierten: Der Rechner in der unzensierten Regie wird zu einem Proxy-Server.

    Dichtes "Schneetreiben" gegen die Zensur

    Dabei war es den Machern der "Snowflake"-Software sehr wichtig, dass die Browser-Erweiterung sehr einfach installiert und genutzt werden kann. Denn je mehr Menschen in der unzensierten Region des Netzes ihren Rechner als potenziellen Proxy-Server zur Verfügung stellen, desto schwerer ist es für Regierungen, den Zugang zum unzensierten Teil des Netzes zu sperren. Je größer die Auswahl an potenziellen Verbindungen, die zudem teils dynamisch generiert werden, desto schwerer ist es, Verbindungen zu verhindern.

    Große Portale als Tarnung

    Zudem werden die Anfragen aus dem zensierten Teil über große Verteilplattformen wie Google oder Amazon gelenkt, auf denen Vermittlungsserver die Verbindung herstellen. So geht die Anfrage aus dem zensierten Teil scheinbar beispielsweise an amazon.com, und erst durch versteckte Informationen im Übertragungssignal wird ein Vermittlungsserver aktiviert, der dann die Verbindung zum Proxy-Server herstellt. Die Zensurbehörden müssten also den Zugang zu allen großen Internetportalen sperren, um eine Verbindung zu verhindern, was eher unwahrscheinlich ist.

    Weiterleitung durch Verschlüsselung kein Risiko

    Experten erkennen für Leute, die in der unzensierten Region des Internets ihren Rechner mittels Snowflake-Erweiterung als Proxy-Server zur Verfügung stellen, bislang kein Risiko, beispielsweise durch die zensierenden Staaten entdeckt zu werden. Das liegt unter anderem daran, dass die Daten über den Proxy-Server direkt ins Tor-Netzwerk weitergeleitet werden. Dort läuft die Anfrage über ein System weiterer Proxy-Server, sodass die Anfrage am Ende so verschlüsselt ist, dass weder klar wird, wer die Website tatsächlich ansurft, noch dass sie über einen "Snowflake"-Proxy geleitet wurde.

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