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Seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica gibt sich der Internet-Gigant deutlich zugänglicher, will für seinen neuen Kurs werben. Facebook hatte 30 Journalisten aus aller Welt eingeladen, um ihnen zu zeigen, dass man aus der Kritik gelernt hat. Hochrangige Manager stellen sich einen Tag lang den Fragen der internationalen Presse. Für viele war es der erste Besuch beim großen Netzwerkkonzern. Hauptthema: Falsch-Nachrichten und Hassrede. Nach den US-Wahlen habe man begonnen, den Newsfeed zu verändern, heißt es. Das ist bei Facebook die Hauptanzeige. Sie ist für jeden Nutzer individualisiert.

Selektion im Facebook-Newsfeed trifft nicht alle gleichermaßen

Neu ist: Nachrichten von professionellen Webseiten, von Medienunternehmen zum Beispiel, werden seltener angezeigt, dafür mehr Inhalte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, erklärt Newsfeed-Chef John Hegemann. Das trifft aber nicht alle gleichermaßen. Im Vorteil sind große Medienhäuser wie zum Beispiel die New York Times. Die Zeitung genießt für ihre zuverlässige Berichterstattung hohes Ansehen. Andere Nachrichtenseiten, die nicht so renommiert sind, werden im Newsfeed zurückgesetzt. Nach einem Tag mit den Managern von Facebook zieht eine Tech-Journalistin folgende Bilanz: „Facebook versucht, sich zu öffnen. Das bedeutet nicht, dass sie das auch wirklich tun. Aber: sie versuchen ein neues Facebook zu zeigen.“

Dass Skepsis weiter angebracht sein könnte, belegt der jüngste Trubel um Äußerungen von Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Es geht um ein Interview zum Thema Fake News und die Frage wie Facebook mit Nutzern umgeht, die den Holocaust leugnen? Zuckerberg antwortete, dass er solche Posts nicht von der Plattform löschen wolle.

WhatsApp beschränkt Nachrichtenweiterleitung

Die Facebook-Tochter WhatsApp geht jetzt gegen massenhaft weitergeleitete Posts vor und versucht so angeblich etwas gegen die Verbreitung von Falschmeldungen zu unternehmen. Konkret heißt das für die Nutzer, sie können auf WhatsApp eine Nachricht nicht mehr auf einmal an beliebig viele Kontakte weiterleiten. Weltweit gilt nun eine Beschränkung auf 20 Weiterleitungen, wie der Branchendienst Recode meldet. Begründet wird der Schritt auch hier mit dem ursprünglichen Ziel eine Plattform für Freunde, Familienangehörige und Kollegen zur Verfügung stellen zu wollen. Die Limitierung ist momentan noch in der Testphase, die Bedingungen können sich also noch ändern. 

WhatsApp will Lychjustiz in Indien verhindern

In Indien, wo die Nutzer besonders rege die Weiterleitungsfunktion für Nachrichten, Fotos und Videos verwenden, wird momentan sogar auf nur fünf Kontakte limitiert. Angeblicher Grund: in Indien verbreiten sich falsche Gerüchte besonders häufig über WhatsApp. Das kann zu Übergriffen und zu Vorfällen von Lynchjustiz führen.

Doch auch hier darf man sich fragen, wie ehrlich diese Begründung wirklich ist. Denn tatsächlich werden durch die Maßnahme Weiterleitungen höchstens verlangsamt. Private Nutzer, die ihre Textnachrichten verbreiten wollen, müssen sie lediglich kopieren und können sie dann wieder problemlos an alle Empfänger in ihrem Adressbuch versenden. Nach diesem kurzen Zwischenschritt gelten die Messages nämlich nicht mehr als Weiterleitung.