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Wie das Internet beim Lernen hilft – auch nach Corona | BR24

© dpa/Eduardo Parra

Lernen in Zeiten von Corona ist nicht immer einfach: Digitale Angebote können ein wenig helfen.

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    Wie das Internet beim Lernen hilft – auch nach Corona

    Gleich mehrere Monate Unterricht fehlen Schülern im Corona-Jahr 2020 bisher. Viele Lehrer und Schulen tun ihr Bestes, um dennoch Wissen zu vermitteln. Unterstützen können dabei digitale Lernhilfen – und zwar bei allen Formen des Lernens.

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    Non vitae sed scholae discimus, schrieb der römische Schriftsteller Seneca in einem Brief: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Viele von uns kennen den Spruch wohl genau umgekehrt: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, sagen Eltern, die Schüler in Sinnkrisen zum Lernen motivieren wollen.

    Wer eine Schule besucht hat, weiß, dass wohl beide Sätze irgendwie richtig sind. Manche Dinge lernt man für Prüfungen und vergisst sie sofort wieder, andere Dinge wie Sprachen, Grundrechenarten oder politische Bildung kann man das ganze Leben lang gebrauchen. Letztlich sind beide Formen des Lernens wichtig. Eine führt zu Abschlüssen, die andere hilft im Alltag weiter.

    In der Corona-Krise kommen letztlich aber wohl beide Lernformen etwas kurz. Auch wenn der Bayerische Rundfunk zahlreiche Lernmaterialen zur Verfügung stellt, die Lehrkräfte etwa auf der bayerischen Lernplattform mebis einstellen und teils gar in Video-Calls Wissen vermitteln, ist echter Unterricht schlicht nur in sehr geringem Maße möglich.

    Grund genug, sich in unserer vermeintlich digitalisierten Welt einmal nach digitalen Lernhilfen umzusehen, die das Lernen fürs Leben und für die Schule in diesen, aber auch anderen Zeiten erleichtern können.

    1. Digital für die Schule lernen

    "Für die Schule lernen" - das tut man in der Regel für gute Noten oder zumindest die Versetzung in die nächste Klassenstufe - und irgendwann schließlich für einen Schul- oder auch Hochschulabschluss. Dafür muss man sich in mündlichen oder schriftlichen Prüfungen beweisen, also Wissen aneignen, abspeichern und in der Prüfungssituation abrufen.

    In naturwissenschaftlichen Fächern geht es zumeist stark um die Anwendung des Erlernten. Daher sollte man wohl genau das auch vor Prüfungen trainieren. Heißt: Übungsaufgaben rechnen und anschließend mit einer Lösung vergleichen. Das ist auch online möglich:

    • Anton ist eine von der EU-geförderte Lernplattform für Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse. Sie konzentriert sich auf die Kernfächer Mathe, Deutsch und Sachkunde und orientiert sich an den Lehrplänen. Geboten werden sowohl Wissensvermittlung als auch Übungen. Prinzipiell können sich auch Schulen beziehungsweise Lehrer dort anmelden, Klassen bilden und Aufgaben verteilten. Die Datenschutz-Angaben erscheinen vertrauenswürdig. Die App ist werbefrei. Schüler melden sich mit einem Spitznamen an, E-Mail und Co. sind nicht nötig, eine Weitergabe von Daten an Dritte erfolgt laut Entwicklern nicht. Autorisierte Lehrer können die Schüler dann Klassen zuweisen. Es gibt eine kostenpflichtige Version namens Anton Plus, die beispielsweise einen Offline-Modus bietet.
    • Mit klarem Fokus auf Mathematik und Naturwissenschaften kommt das Angebot der Khan Academy daher. Schüler bis zur achten Klasse können sich dort kurze Erklärvideos zu Geometrie, Algebra und Co. ansehen und im Anschluss kleine Übungen machen und Lösungen dazu anschauen. Grundsätzlich anmelden muss man sich dafür nicht. Eine Anmeldung bringt jedoch weitere Funktionen wie eine Speicherung des Lernfortschritts mit sich. Finanziert wird das Projekt durch Spenden, etwa auch von Google oder dem Ehepaars Gates.
    • Ganz simpel, aber auch werbefinanziert, können sich vor allem ältere Schüler auf der Website Worksheeps mathematische Aufgaben plus Lösungswege holen. Dies geht von der Kurvendiskussion und Vektoren bis hin zur höheren Mathematik. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

    Schulfächer wie Heimat- und Sachkunde, Geschichte, Erdkunde, Wirtschaft und Recht oder Sozialkunde setzen stärker auf konkrete Daten und Fakten, die es zu erinnern und in Kontext zu setzen gilt. Hierfür eignet sich beispielsweise das Anlegen von Karteikarten, mit deren Hilfe man sich selbst abfragen kann. Das kann auch in Fächern wie Biologie oder Chemie natürlich beim Lernen helfen. Verschiedene Online-Tools bieten diese Funktion an:

    • Die App von Studysmarter bietet ein solches Karteikarten-System aber auch die Erstellung von Mindmaps oder Lernstoff-Zusammenfassungen an. Außerdem können Nutzer teils auf Lerninhalte, etwa aus Büchern des Stark-Verlags zurückgreifen. Zugleich arbeitet die App auch mit Affiliate-Links, es werden also Produkte zum Kauf verlinkt. Eine Weitergabe von Daten wie Lernfortschritt oder E-Mail-Adresse gibt es laut Entwicklern nicht. Die Finanzierung erfolgt offenbar vor allem darüber, dass Unternehmen die auch für Studenten gedachte App gegen Zahlung zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter nutzen können.
    • Ein Kartensystem ganz ohne Schnickschnack und schniekes Design kann man sich auch mit der Open-Source-Software Pauker anlegen. Die ist kostenlos und frei, funktioniert auf Java-Basis und braucht eine entsprechende Programm-Infrastruktur. Der PC des Autors dieses Artikels wollte das Programm nicht installieren.

    Karteikarten helfen auch bei Fremdsprachen weiter. Gerade in Fächern wie Latein, aber auch in "lebenden" Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch lässt sich so der Wortschatz erweitern und behalten. Darüber hinaus ist bei Sprachen natürlich auch Übung im Sprechen, Hören und Anwenden wichtig. Dabei können folgende Tools im Internet helfen:

    • Wer sich mit dem "toten" Latein müht, der kann auf e-Latein Musterübersetzungen der Klassiker von Ovid & Co. finden. So können Schüler sich im Übersetzen üben und ihr Ergebnis schließlich selbst vergleichen.
    • Eine breite Auswahl an Material findet sich auf den Seiten von Onlineuebung.de, dass die Bloggerin und Mutter Nicole Hocks aufgebaut hat. Die Seite finanziert sich mit Werbung. Zu finden sind Materialien zu den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch. Neben kleinen Grammatik- und Textanalyse-Lektionen finden sich auch Empfehlungen für Bücher, Serien, Filme, Podcasts in der jeweiligen Fremdsprache. Das kann gerade beim Verstehen der Sprache helfen, auch über die Schule hinaus.

    Da gerade Sprachen etwas sind, die man in vielen Fällen nicht nur für einen Abschluss lernt, sondern ein Leben lang anwendet, verläuft hier quasi die Grenze zum Lernen fürs Leben.

    2. Für das Leben lernen

    So ist es zum Beispiel möglich, sein Englisch das Leben lang aufzubessern, indem man sich Vorträge oder selbst Serien und Filme auf Englisch statt auf Deutsch ansieht. Das Ansehen von Vorträgen bietet jedoch den Vorteil, dass man neben dem Verbessern der Fremdsprache auch weiteres Wissen vermittelt bekommt. Inhaltlich sind dem persönlichen Lerninteresse dabei kaum Grenzen gesetzt. Auch, wenn man vermutlich nicht davon ausgehen sollte, dass das Wissen aus diesen Vorträgen sich direkt in gute Noten oder Abschlüsse ummünzen lässt. Aber auch hier lernt man ja für sein Leben.

    • Ein Angebot ist englischsprachige EdX, das mit verifizierten Inhalten von Top-Universitäten wie Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) aufwarten kann. Angeboten werden Seminar- und Vorlesungsreihen zu unzähligen Themen von Geschichte über Literatur bis hin zu Informatik und Mathematik. Die Teilnahme ist oftmals kostenlos. Für ein Teilnahmezertifikat müssen Nutzer jedoch zahlen. Für die Teilnahme an den Online-Seminaren muss man einen Account bei EdX erstellen. Die Datenschutzerklärung dazu liest sich gewohnt amerikanisch-großzügig. Allerdings ist das Angebot laut eigener Aussage sowohl "non-profit" als auch "open-source".
    • In Deutschland gibt es keine vergleichbare Plattform, die mehrere Universitäten und ihre Inhalte vereint. Stattdessen gibt es die Suchmaschine Edukatico. Je nach Interesse kann der Nutzer dort verschiedene Kurse finden. Sowohl deutsch als auch englischsprachige Kurse werden gelistet, ebenso wie kostenlose und kostenpflichtige Kurse. Wer ein wenig Recherchezeit investiert, kann so spannende und kostenlose Vorlesungsreihen von deutschen Universitäten wie der LMU München, der Uni Hamburg oder der Uni Tübingen finden.
    • Darüber hinaus bleibt natürlich immer auch der Blick auf Video-Plattformen wie Youtube möglich. Auch dort findet sich eine Menge an Vorlesungen und Vorträgen. Das Problem: Wie glaubwürdig oder seriös ein Vortrag ist, lässt sich bei Youtube oft schwer erkennen. Gerade in Corona-Zeiten zeigt sich, dass es auf solchen Plattformen von manipulativen bis böswilligen Videos im seriösen Gewand von Vorträgen oder Journalismus nur so wimmelt. Hier ist entsprechend Vorsicht geboten. Wer sich an offizielle und verifizierte Kanäle von Universitäten, Schulen oder auch seriöse Medien hält, sollte aber auch auf solchen Portalen auf der sicheren Seite sein.

    Aktuelle Recherchen zu Corona-Mythen und Internet-Gerüchten finden Sie beim BR24-Faktenfuchs