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Wenn Stimme, Auge und Gehirnströme die Maus ersetzen | BR24

© picture alliance

Computer-Gehirn-Schnittstelle

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    Wenn Stimme, Auge und Gehirnströme die Maus ersetzen

    Computersteuerung mit Tastatur und Maus ist längst selbstverständlich. Die Erfindung dieser beiden Hilfsgeräte liegt dabei schon geraume Zeit zurück - 50 Jahre. Doch Forscher und Firmen arbeiten an den nächsten Generationen von Eingabegeräten.

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    Douglas Engelbart, Computerspezialist an der Stanford Universität in Kalifornien präsentierte am 9.12.1968 sein Equipement zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Tastatur und Maus als Bedienelemente für den Computer; beides sah schon damals fast genauso aus wie heute.

    Erstaunlich, dass es trotzdem noch gut 15 Jahre dauern sollte, bis sich diese Hilfsmittel wirklich durchsetzten. Es brauchte erst noch Apple-Gründer Steve Jobs, der die Erfindung wieder aufgriff und mit dem ihm eigenen Talent vermarktete. Ab 1983 wurden seine Computer mit Maus und Tastatur ausgeliefert.

    3.000 Stunden Sprache zum Trainieren

    Seitdem feilen nun Forscher und Programmierer an neuen Methoden um Tastatur und Maus überflüssig zu machen, z.B. mittels Sprachsteuerung. Spracherkennungssysteme sind dabei extrem aufwendig. Es dauert Tage um einem Programm genug Beispiele vorzuspielen, wie ein Satz, ein Phonem (kleinste Bedeutungseinheit der Sprache) oder ein Wort klingen muss. Besonders schwierig sind Dialekte, die wieder ganz eigene Phoneme haben. Und dazu kommt, dass Hintergrundgeräusche, Hall in einem Raum oder Straßenlärm den Klang verfälschen können. Inzwischen können Computer mithilfe künstlicher Intelligenz lernen, das Wesentliche herauszuhören … es brauchte aber tausende Stunden an Sprachdaten, um Systeme Siri (Apple), Alexa (Amazon), Google Now oder Cortana (Microsoft) fit zu machen.

    Zwei Kilometer weniger mit der Maus

    Zu Sprachsteuerung und Touch Screens auf dem Smartphone kommt noch eine weitere Möglichkeit hinzu: Eyetracking, eine Technologie, die auf dem Sprung ist. Die Münchner Firma 4titoo etwa hat ein fertiges Produkt im Angebot. Nötig ist nur ein sogenannter Eyetracker, ein kleines Gerät, das man an jeden Bildschirm mit wenigen Handgriffen anbringen kann. Firmengründer Tore Meyer hat die dazu passende Software entwickelt. Für rund 700 Euro Jahresgebühr braucht man die Maus nicht mehr hin- und her zubewegen. Das Auge schaut auf ein bestimmtes Feld, der Cursor bewegt sich dorthin, dann wird geklickt. An einem durchschnittlichen Computer-Arbeitsplatz wird die Maus täglich bis zu sechs Kilometer bewegt, mit der Software von 4titoo kann man sich zwei Kilometer sparen. Umgerechnet in Arbeitszeit sind das 20 bis 45 Minuten weniger. Da sind die 700 Euro schnell wieder drin.

    Das Auge verrät viel über den Nutzer

    Doch Vorsicht: Tore Meyer gibt zu bedenken, dass Eyetracking kein "neutrales" Eingabeinstrument mehr sei.

    "Das Auge ist sehr, sehr dicht an das Gehirn gekoppelt. Eyetracking wird auch als Lügendetector verwendet. In dem Moment wo ich lüge, reduziert sich die Tätigkeit des Auges. Die Prozessorlast des Hirns geht auf das Malen dieser Geschichte und in dem Moment bewegt sich das Auge weniger. Das sind Mikrobewegungen, die sieht man nicht, das ist ein leichtes Zittern." Tore Meyer, Firmengründer

    Mit dem Gehirn "Ja" und "Nein" sagen

    Mathias Hohmann geht noch einen Schritt weiter. Der Doktorand am Max-Planck-Institut, versucht bei der Kommunikation zwischen Mensch und Computer noch etwas tiefer vorzudringen: Hohmann arbeitet an Computer-Hirn Schnittstellen. Eine verdrahtete Kappe registriert die elektromagnetischen Gehirnströme in zwei ganz bestimmten Regionen. Im Frontallappen geschieht alles, was Aufmerksamkeit bzw. Intelligenz benötigt. Der parentale Lappen in der hinteren Hirnhälfte ist dagegen unter anderem für Tagträumen zuständig. Patienten, die sich überhaupt nicht mehr bewegen können, sollen nun an eine schöne Erinnerung denken, wenn sie eine Frage mit "Ja" beantworten möchten. Dann nämlich wird der hintere Teil des Gehirns aktiver. Bei "Nein"-Antworten müssen die Patienten eine Mathe-Aufgabe durchrechnen, dann wird die vordere Gehirnregion aktiv.

    Facebook will Wörter aus dem Gehirn auslesen

    Die Methode soll Menschen helfen, die, wie etwa beim Locked-In-Syndrom, nicht einmal mehr die Augen bewegen können. Facebook versucht unterdessen mit einer anderen Methode und im Schädel fest implantierten Sensoren, den Gehirnströmen mehr zu entlocken, als nur Ja-Nein-Antworten.

    Facebooks Entwicklungschefin, Regina Dugan, erklärte jüngst auf einer Konferenz, dass ihr Unternehmen aus Gehirnströmen einzelne Wörter herauslesen möchte. Das Ziel: eine gedankengesteuerte Texteingabe, die 100 Wörter in der Minute schafft. Schreiben soll auf diese Art fünfmal schneller gehen, als beim Tippen auf dem Smartphone.