LKW-Platoon
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Neue Technologien könnten den Beruf des Truckers verändern - oder ihn sogar zum Verschwinden bringen.

    Wenn Lkw selbst fahren, was wird dann aus den Fernfahrern?

    Selbstfahrende Autos werden noch auf sich warten lassen – wenn sie denn überhaupt jemals kommen. Aber im Speditionswesen könnten autonome Systeme bald Einzug halten. Doch, was wird dann aus den Fernfahrern?

    Eigentlich müssten auf den Straßen schon längst selbstfahrende Autos zum Straßenbild gehören, zumindest wenn es nach den Prognosen von Elon Musk geht. 2015 sagte der Tesla-Gründer voraus, dass zwei Jahre später vollautonome Autos durch die Gegend kurven würden.

    Seitdem hat er die Prognose Jahr um Jahr immer wieder angepasst. Kürzlich meinte Musk, dass es 2022 endgültig so weit sein werde. Aber nicht nur Musk hat sich, wenn es um selbstfahrende Autos geht, gewaltig verschätzt. Viele der großen Autohersteller kündigten für 2020 autonom fahrende Autos an, die aber immer noch auf sich warten lassen.

    Viele Fragen sind ungeklärt

    Kein Wunder, denn die technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, um komplett autonom fahrende Autos auf die Straße zu bringen, sind gewaltig - und viele Fragen ungeklärt. Was passiert bei unvorhergesehenen Verkehrssituationen? Was wenn der Mensch doch mal das Steuer übernehmen muss, seine Fahrkünste jedoch schon längst verkümmert sind? Was bedeuten autonome Fahrzeuge für die Verkehrs – und Stadtplanung? Wer haftet bei Unfällen? Es ist also durchaus denkbar, dass Elon Musk seine Prognose weiterhin Jahr für Jahr wird aktualisieren müssen.

    Revolutioniert "Platooning" das Speditionswesen?

    Es gibt allerdings Verkehrssituationen, die in ihrer Komplexität überschaubar sind und in denen autonomen Fahrzeugen in Zukunft durchaus eine Bedeutung zukommen könnte. Auf Autobahnen und Highways wird beispielsweise längst mit automatisierten Lkw-Kolonnen experimentiert. Bei diesem sogenannten "Platooning" fahren mehrere Brummis hintereinander her, wobei nur das erste Fahrzeug in der Kolonne von einem Menschen gelenkt werden muss.

    "Platooning" soll Sprit sparen, da der Windschatten der Fahrzeuge effizienter genutzt werden kann. Aber es liegt auch der Verdacht nahe, dass zudem Personal eingespart werden könnte, da man weniger Fernfahrer benötigt. Dass hier gesellschaftlicher Sprengstoff liegen könnte, zeigen nicht zuletzt die gerade stattfindenden Trucker-Proteste in Kanada.

    Europäische Perspektiven

    BR24 wählt regelmäßig Inhalte von unseren europäischen öffentlich-rechtlichen Medienpartnern aus und präsentiert diese hier im Rahmen eines Pilotprojekts der Europäischen Rundfunkunion.

    Wie verändert sich der Beruf des Fernfahrers?

    In 26 von 50 US-Bundesstaaten ist Trucker-Fahrer der häufigste Beruf. Die Wahrscheinlichkeit, dass er in den nächsten zwanzig Jahren komplett verschwindet, liegt laut einer aufsehenerregenden Oxford-Studie aus dem Jahr 2017 bei 67 Prozent. Es muss allerdings nicht so kommen.

    Der Ökonom John Maynard Keynes prophezeite im Jahr 1930, dass wir im Jahr 2030 nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten würden. In einem Aufsatz mit dem Titel the "Economic Possibilities for our Grandchildren" schrieb der Brite, dass sich dank der Automatisierung eine neue Klasse herausbilden würde, nämlich die Freizeitklasse, welche irgendwann die Arbeiterklasse ablöst. Danach sieht es gerade nicht aus und man sollte generell vorsichtig sein, wenn es darum geht vorherzusagen, wie sehr sich künstliche Intelligenz und Automatisierung auf den Arbeitsmarkt auswirken wird.

    Es ist durchaus möglich, dass der Beruf des Fernfahrers nicht verschwindet, sondern sich lediglich verändert. Beispielsweise ist die Rede davon, dass Fernfahrer in Zukunft zu Logistik-Managern werden, die Route planen oder Termine vereinbaren. Und so könnten zwar bestimmte Tätigkeiten verschwinden, aber die Jobs bleiben.

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