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Smartphone-Display
© BR 2018

Autoren

Mathias Flasskamp
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Smartphone-Display

Mutter mit Baby im Arm, die auf ihr Smartphone schaut

Mutter mit Baby im Arm, die auf ihr Smartphone schaut

Das kleinste Familienmitglied fordert unmissverständlich Zuwendung. Gemeint ist nicht das quengelnde Kleinkind, sondern das elterliche Smartphone, dass mit rhythmischem Vibrationsimpuls und leisem Brummen die Verfügbarkeit neuer Informationen meldet. Eltern die jetzt plötzlich verstummen, den Blick aufs Display richten, und damit die Aufmerksamkeit von ihren Sprösslingen abziehen, fügen diesen damit möglicherweise emotionalen Schaden zu - so zumindest das Ergebnis einer Studie des US-Fachmagazins "Pediatric Research“.

Kinder reagieren mit Wut oder Hyperaktivität

Bei Versuchen mit 183 Elternpaaren zeigte sich, dass die Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren mit Wut, Hyperaktivität oder Apathie reagierten, wenn die Eltern unvermittelt auf ihr Smartphone-Display guckten, obwohl sie sich gerade noch mit ihrem Nachwuchs beschäftigt hatten.

Erschütterter Zusammenhalt

Der emotionale Zusammenhalt kann dadurch erschüttert werden, erklärt Carolin Seilbeck vom Deutschen Jugendinstitut in München. Sie beschäftigt sich mit den psychologischen Parametern von innerfamiliären Beziehungsmustern. Das sei klassische, entwicklungspsychologische Bindungstheorie, sagt die Forscherin: "Wenn Eltern nicht feinfühlig auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kleinkinder reagieren, ist das ein Risikofaktor, der die Entwicklung beeinträchtigen kann - allerdings nur ein Risikofaktor von vielen."

Eltern mehr am Handy als bei ihren Kindern

Man kann entsprechende Szenen an jedem Spielplatz beobachten: Die Eltern sitzen auf den Bänken am Rand und beschäftigen sich mit dem Handy, während die Kleinen über die Anlage toben und um die Aufmerksamkeit der Eltern buhlen.

Aber führt jede auch kurzzeitige Abwendung der Aufmerksamkeit gleich zu einer Entwicklungsstörung bei den Kindern, wie es die Studie suggeriert? Andere Wissenschaftler bezweifeln, dass die Folgen immer gleich so dramatisch sind. Etwa Dr. Susanne Eggert vom Institut für Medienpädagogik. Sie kritisiert die Machart der Studie: "Zum einen liegt der Untersuchung eine viel zu geringe Fallzahl zugrunde. Die Studie ist also nicht repräsentativ. Hinzu kommt, dass die Reaktion der Kleinkinder ausschließlich mit dem Smartphone-Gebrauch der Eltern in Zusammenhang gebracht wurde. Andere Faktoren, wie etwa das familiäre Umfeld wurden dagegen außer Acht gelassen. Die Ergebnisse sind also meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen."

Wie mit Kind und Handy umgehen?

Vorsichtige Entwarnung also. Dennoch beschreiben die amerikanischen Forscher zumindest ein mögliches Problem. Wie soll man mit dem allzeit bereiten und allzeit fordernden Handy, umgehen, dass für viele unverzichtbar ist? Den eigenen Smartphone-Konsum gerade im Beisein der Kinder kritisch zu überdenken, das rät Dr. Marc Urlen. Er arbeitet ebenfalls am Deutschen Jugendinstitut und plädiert für handyfreie Zonen in der Familie. "Zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Orten, etwa beim gemeinsamen Essen, sollten Smartphones tabu sein. Diese Regel muss allen Familienmitgliedern bekannt und im Vorfeld auch miteinander ausdiskutiert worden sein. Wer als Elternteil diese Regel bricht, sollte seinen Kindern auf jeden Fall erklären warum er das tut und klar machen, dass es sich um eine Ausnahme gehandelt hat."

Ergebnisse der Studie nicht repräsentativ

Panisch auf jede Mediennutzung im Beisein der Kinder zu verzichten, weil das ja deren Entwicklung beeinträchtigen könnte, sei allerdings übertrieben, denn die Ergebnisse der US-Studie seien eben nicht repräsentativ. Eltern sollten mit ihren Kindern so viel wie möglich reden, auch über die Nutzung digitaler Geräte und sich dabei ihrer Vorbildfunktion, die sie auch in diesem Bereich haben, bewusst sein, rät der Forscher.

Autoren

Mathias Flasskamp

Sendung

Abendschau vom 23.08.2018 - 18:00 Uhr