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Wenn der politische Gegner den eigenen Account kapert | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Falsche Likes - Wenn der politische Gegner den eigenen Account kapert

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    Wenn der politische Gegner den eigenen Account kapert

    Für Unternehmen und Politiker sind Likes und gute Kommentare im Netz wichtig fürs Geschäft. Was aber, wenn das Lob auf einmal von Usern kommt, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte?

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    Likes und Kommentare spielen auf sozialen Medien eine wichtige Rolle. Drei Beispiele, die auf den ersten Blick vielleicht harmlos wirken. Auf den zweiten Blick aber zeigen, welche Rolle Likes und Kommentare spielen, um Debatten und Meinungen im Netz zu prägen.

    Im Juni schrieb der österreichische Waffelhersteller Manner diesen Tweet: "Bitte unterlassen sie es mit unserer Marke politische Stimmung zu machen! Seit 130 Jahren ist Manner für alle Menschen da, denn im Herzen sind wir alle rosa! #blacklivesmatter"

    Rechtsextremist gegen Manner

    Zuvor hatte ein bekannter österreichischer Rechtsextremist die Firma auf Twitter gefeiert, weil sie ihr Profilbild nicht wie viele andere auf Schwarz geändert hatte, um die Blacklivesmatter-Bewegung zu unterstützen. Stattdessen war das Profilbild der Waffelfirma rosa geblieben, wie immer.

    Auch andere Firmen, die ihr Profilbild nicht umgestellt hatten, bekamen die Unterstützer-Tweets von Rechts. Die meisten Firmen haben inzwischen reagiert und deutlich gemacht, dass sie Beifall von dieser Seite nicht wollen. Alles in allem also eine Aktion, bei der die rechten Akteure in ihre Schranken gewiesen wurden. Warum sie mit solchen Aktionen trotzdem gewinnen, hat zwei Gründe, erklärt Thomas Laschyk. Er betreibt den Blog "Volksverpetzer", auf dem er und sein Team Falschnachrichten nachgehen und sie richtig stellen.

    Grund eins ist, dass solche Posts Zustimmung zu rechtem Gedankengut vorgaukeln, auch wenn es keine Zustimmung gibt und zwar so lange, sagt Laschyk: "Bis es genug Menschen glauben, damit es wahr wird."

    Der zweite Grund ist: Aufmerksamkeit: "Sie versuchen mit jeder Strategie Aufmerksamkeit zu bekommen, eine Bühne zu bekommen, in die Nachrichten zu kommen, in die Twittertrends zu kommen und dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Sie versuchen sich einen Platz in der Öffentlichkeit zu erkämpfen, um dann ihre Inszenierung durchzuführen."

    Schwieriger Umgang für die Unternehmen

    Deshalb ist es für Unternehmen auch so schwer, richtig zu reagieren wenn die Likes von einer Seite kommen, die sie eigentlich nicht unterstützen: Retweeten sie die ungewollte Danksagung zusammen mit ihrer Distanzierung, dann verbreiten sie die Botschaft noch weiter. Reagieren sie nicht, machen sie sich angreifbar.

    Auch die Posts des bayerische Liedermacher Hans Söllner haben während der Corona-Krise Zuspruch von Rechts bekommen. Söllner ist bekannt als linker Freigeist, eine Verbindung zur rechten Szene würde ihm wohl niemand nachsagen.

    In der Corona-Krise postete er aber Verschwörungstheorien und verglich die Coronamaßnahmen mit der NS-Zeit. Beifall bekam er dafür von der breiten Allianz aus Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und Rechten. Für die sind vor allem die vielen Anhänger von jemandem wie Hans Söllner interessant, sagt Thomas Laschyk: "Deren Ziel ist natürlich, eine neue Gefolgschaft zu finden. Sie können dann zur Radikalisierung dieser Gruppen beitragen. Denn Menschen, die in den Coronaprotesten, die Pandemie verharmlosen oder von den Maßnahmen verärgert sind und nicht wissen wohin mit der Wut, richten sich dann natürlich einfach gegen das System und die Regierung. Und selbst wenn man nicht als Rechtsextremist gestartet hat, man aber dann nur Ablehnung aus dem in Anführungsstrichen 'Mainstream' erhält und nur Applaus von Rechts, dann nähert man sich dieser Ideologie erst einmal physisch aber später auch ideologisch an."

    Strategie: Sich an die Fanbase hängen

    Die Strategie, sich an eine große Fanbase zu hängen, um für die eigene Sache zu werben, geht aber auch in die andere Richtung – 2017 zum Beispiel hat die Satire Partei "Die Partei" zusammen mit dem Satiriker Shahak Shapira 31 Facebook-Gruppen, die für die AfD warben unter ihre Kontrolle gebracht. Monatelang waren sie dafür in den Gruppen aktiv, gaben vor, AfD-Anhänger zu sein und stiegen irgendwann zu Gruppen-Administratoren auf. Einmal dort angekommen, fluteten sie die Accounts mit Informationen, die sonst eher nicht in der rechten Filterblase auftauchen. Sie posteten Wahlwerbung für ihre Satire-Partei, AfD-Kritische Beiträge und Videos wie dieses, in dem Shahak Shapira erklärt: "Mein Team und ich, nun übernehmen wir die Macht. Das ist eine gute Nachricht für Sie. Weil von nun an werden sie ausschließlich von echten Menschen verarscht!"

    AfD-Facebook Gruppen unterwandert

    In dem Video klärt Shapira auf, dass die Gruppen ursprünglich von Bots und mit falschen Profilen aufgebaut wurden, um systematisch potentielle AfD-Sympathisanten aus dem Netz zu fischen. Für Thomas Laschyk vom Blog Volksverpetzer ist eine solche Aktion gelungen: "Dafür ist Satire sehr gut und wichtig, weil sie humorvoll diese Strategien und Mechanismen aufdecken kann."

    Weniger sinnvoll seien Aktionen, die sich nur über den Gegner lustig machen: "Insbesondere wenn dann der Kern des sich Lustig machens nicht deren menschenfeindliche Ideologie ist, sondern wenn sie sich aufs Aussehen beziehen oder die Intelligenz. Das ist einfach nur Spott um des Spottes willen. Deswegen würde ich eine klare Destinktion machen zwischen Satire und Spott."

    Eine gelungene Aktion gegen Rechte und Populisten zu starten ist also genauso schwer, wie sich gegen ungewollte Likes zu wehren, ohne ihnen noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

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