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Cookies

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    Wenn der Browser nervige Cookie-Banner verschwinden lässt

    Der österreichische Datenschützexperte Max Schrems hat mit seiner Organisation noyb eine Lösung entwickelt, damit User nicht mehr bei jeder Webseite erneut Cookie-Einstellungen vornehmen müssen. Nun kommt es auf den EU-Gesetzgeber an.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Es wäre zu schön: Einfach nur einmal im Browser einstellen, welche Cookies man möchte und welche nicht und dann nie mehr mit Warnhinweisen behelligt werden. Seitdem der Bundesgerichtshof vor rund einem Jahr entschieden hatte, dass Nutzerinnen und Nutzer den Unternehmen aktiv ihre Zustimmung geben müssen, wenn diese Cookies einsetzen wollen, muss jedes Mal extra nachgefragt werden. Firmen nutzen diese kleinen Programme unter anderem, um die User wiederzuerkennen, wenn sie das nächste Mal auf ihrer Website vorbeischauen.

    Das hilft, der Kundschaft damit die nicht jedes Mal persönliche Angaben aufs Neue eintippen muss, es hilft aber auch den Firmen Persönlichkeitsprofile zu erstellen und der Werbebranche gezielt Anzeigen schalten zu können. Seit dem Richterspruch letztes Jahr müssen nun alle Betreiber von Internetseiten den Usern die Wahlmöglichkeit bieten, Cookies generell zu erlauben, komplett abzulehnen oder nur bestimmte Cookies zu erlauben. Doch alleine mit diesen wenigen Optionen ist man schnell überfordert, wenn man schnell - sagen wir – nach einem Paar Sommerschuhen sucht und dafür ein Dutzend Internetseiten aufruft.

    Kleines Programm managt Cookies im Hintergrund

    Deshalb hat nun die Organisation noyb, hinter der unter anderem der österreichische Datenschützer Max Schrems steckt, gemeinsam mit der Wirtschaftuniversität Wien einen Vorschlag präsentiert, der Entlastung schaffen soll. Es geht um ein neues automatisches Browser-Signal, das die Datenschutzanfragen im Hintergrund managt, ohne das Nutzer nochmal eingreifen müssen. Schrems nennt diesen Cookie-Manager Advanced Data Protection Control, kurz ADPC. Diese Software kann zum Beispiel gleichartige Anfragen von Websites automatisch beantworten. Doch es soll noch mehr möglich sein:

    "Ein Nutzer könnte etwa sagen, 'bitte frage mich erst, wenn ich auf der Seite mehrmals war' oder 'frag mich nach 3 Monaten wieder“. Max Schrems

    Außerdem soll es sogenannte "Whitelists" geben. Nutzer können also zum Beispiel Seiten, die auf einer Liste für Qualitätsjournalismus oder für Kunst und Kultur stehen, mit einem Klick erlauben, Cookies zu nutzen. Solche Whiteslists könnten beispielsweise Verbände zusammenstellen.

    Eigentlich müsste es die "Cookie-Bremse" längst geben

    Die Datenschützer von Noyb betonen, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung solche Lösungen eigentlich vorsehen würde. Dass automatischen Signale trotzdem nicht zur Anwendung kommen, liege wohl auch daran, dass sich viele Tracking-Unternehmen mehr Zustimmung seitens der Nutzer durch nervige Banner versprechen, so der Vorwurf.

    Ein ähnliches, wenngleich nicht so differenziert einstellbares Do-not-track-Signal wie Schrems ADPC, haben einige Browser, wie Safari und Firefox bereits integriert. Damit könnten User eigentlich bereits pauschal der Datenverarbeitung zu Werbezwecken widersprechen. Hilft aber nichts, weil die meisten Website-Betreiber bislang nicht mitmachen.

    Der "Facebook-Schreck" macht Druck auf EU

    Max Schrems, der mit seinen Klagen bereits gegen Facebook vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich war, versucht deshalb mit der neuen Software ein Zeichen zu setzen, um etwas zu bewegen.

    "Wir wollen dem europäischen Gesetzgeber mit ADPC auch zeigen, dass so ein Signal einfach machbar ist und für alle Seiten Vorteile bringt." Max Schrems

    Die EU könnte Lösungen wie die von Noyb zur Pflicht machen, und zwar indem sie sie in die neue ePrivacy Verordnung, über die noch immer verhandelt wird, noch hineinschreibt. Die Mitgliedsstaaten haben ihre Vorstellungen zu diesem EU-Gesetz bereits vorgelegt und wurden dafür von Daten- und Verbraucherschützern heftig kritisiert. Derzeit läuft der Trilog, also die Verhandlungen zwischen EU-Staaten, Kommission und Europäischen Parlament, in denen ein Kompromiss gefunden werden muss. Womöglich wird ja doch noch im Sinne der User nachgebessert.

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