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Wenn Alexa vor Gericht geladen wird | BR24

© dpa Themendienst

Smart Speaker gehören zur Ausstattung von immer mehr Wohnungen

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    Wenn Alexa vor Gericht geladen wird

    Immer mehr Smart Speaker stehen in deutschen Wohnungen - Alexa, Google und Siri sind inzwischen schon in der Lage, Mordfälle aufzuklären. Viele juristische Fragen rund um die Geräte sind aber noch unbeantwortet.

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    Noch hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher: Nur rund 10% der Deutschen nutzen laut dem Umfrageinstitut Statista einen Smart Speaker. Trotzdem ist klar: Die Zahl steigt. Immer mehr Menschen haben einen digitalen Mitbewohner namens Amazon Echo, Google Home oder Sonos One. Und damit kommt es immer öfter zu Situationen, mit denen niemand gerechnet hat - der Hersteller genausowenig wie die Besitzerin oder der Gesetzgeber.

    Smart Speaker werden immer schlauer

    Theoretisch ist die Funktion eines Smart Speakers denkbar einfach: Er soll aufwachen, wenn man seinen Namen sagt und dann Fragen beantworten und einfache Aufgaben erledigen. Nur haben die großen Konzerne hinter der Technologie schon lange erkannt, dass die Geräte zu mehr zu gebrauchen sind: So hat Amazon sich etwa eine Software patentieren lassen, die automatisch erkennen soll, ob ihr Besitzer gerade einen Schnupfen hat - um dann entsprechend Erkältungsmedikamente anbieten zu können.

    Wem gehören die Alexa-Daten?

    Besonders bunt wird es aber, wenn Smart Speaker für Aufgaben genutzt werden, für die sie eigentlich gar nicht gedacht waren - ob absichtlich oder unabsichtlich. Eine Studie der University of Michigan fand etwa heraus, dass viele Nutzer das "Activity Log" (das Protokoll aller Gespräche mit dem Gerät) nutzen, um etwa Babysitter und Putzkräfte auszuspionieren. Dabei ist diese Funktion eigentlich zur Stärkung der Privatsphäre gedacht.

    Ob das überhaupt erlaubt ist? Viele Verwendungen von Alexa und Co. bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Genauso unsicher ist, ob man Besucher beim Betreten des Hauses eigentlich darüber informieren muss, dass der Smart Speaker "mithört". Schließlich ist das Gerät eigentlich immer an, es muss ja darauf achten, ob sein Name genannt wird. Und wenn sich ein Paar über Jahre einen Smart Speaker teilt und dann einer auszieht - muss der andere die Daten löschen, um die Privatsphäre des Gegenübers zu wahren? Auch hier geben Gesetze und Regelungen zum Datenschutz wenig aufschlussreiche Antworten.

    Wenn ein Smart Speaker vor Gericht muss

    Schon jetzt kommt es immer öfter zu Fällen, in denen ein Smart Speaker vor Gericht landet - fast wortwörtlich: Im Herbst 2017 schaltete sich ein Amazon Echo in einer Wohnung in Pinneberg mitten in der Nacht ein und spielte Musik - auf der lautesten Lautstärke. Der Bewohner war außer Haus, die Polizei brach schließlich die Tür auf. Für den Einsatz zahlen musste Amazon selbst. Das passiert, wenn ein Gerät zwar einen Besitzer hat, aber auch ein eigenes Gehirn - das nicht immer perfekt funktioniert.

    Währenddessen gab es in den USA schon mehrfach Gerichtsverfahren mit einer außergewöhnlichen Zeugin: Alexa. 2017 in Arkansas und 2018 in New Hampshire wurde Amazon von Gerichten aufgefordert, Ton-Aufnahmen freizugeben, die ein Smart Speaker kurz vor und während zwei Mordfällen gemacht hatte. Man erhoffte sich von den Aufzeichnungen wertvolle Informationen darüber, was eigentlich passiert war. Ob es etwas gebracht hat? Darüber wurde Stillschweigen bewahrt.