Wahlkampf in Deutschland: Auch eine künstliche Intelligenz hat dazu Meinungen
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Wahlkampf in Deutschland: Auch eine künstliche Intelligenz hat dazu Meinungen

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Welche Partei ChatGPT wählen würde

Ein Test ergibt: Die Künstliche Intelligenz ChatGPT würde vermutlich am ehesten die Grünen wählen – wenn sie in Deutschland das Wahlrecht hätte. Die politischen Ansichten des Chatbots sind unter Experten jedoch umstritten – und ihre Herkunft unklar.

Der Chatbot ChatGPT würde die Grünen wählen. Das scheint ein Experiment von drei Forschern der TU München und der Universität Hamburg zu zeigen. In der Studie fütterten sie die künstliche Intelligenz mit Fragen aus dem Wahl-O-Mat, und werteten die Ergebnisse aus. Demnach stimmten die Meinungen von ChatGPT am stärksten mit dem Programm der Grünen überein, gefolgt von SPD und Linke. Am wenigsten überein stimmte der Chatbot mit dem AfD-Programm.

Eine KI macht den Wahl-O-Mat

ChatGPT ist eine Entwicklung des KI-Unternehmens OpenAI. Die künstliche Intelligenz ist in Form eines Chatbots für jeden angemeldeten Internet-Netzer aufrufbar und kann Fragen beantworten, Texte schreiben und zusammenfassen oder als Brainstorming-Partner dienen.

Obwohl sich ChatGPT im Gespräch bei politischen Fragen gerne zurückhält, konnten die Forscher die KI einem umfassenden politischen Meinungstest unterziehen – und zwar in Form des Wahl-O-Mats zur Bundestagswahl 2021. Die Ergebnisse fassten die Forscher als "umweltorientiert" und "linksliberal" zusammen – am Schluss lagen die Grünen in der Auswertung vorne.

Eine linksliberale KI

Das Experiment ist nicht das erste Mal, dass die KI eine linksliberale Tendenz zeigt. Auch andere Forscher wie der Datenexperte David Rozado konnten zeigen, dass der Chatbot eher politische Positionen vertritt, die eher links der Mitte verordnet sind. Dazu gehören etwa eine strikte Trennung von Kirche und Staat, eine starke Regulierung des Markts, höhere Steuern für Reiche und Kritik an fossilen Brennstoffen.

In Expertenkreisen stößt die politische Neigung des Chatbots immer wieder auf Kritik. "Vor dem Hintergrund der millionenfachen Nutzung von ChatGPT und der Bedeutung politischer Wahlen für demokratische Gesellschaften, ist es wichtig, dass solche algorithmischen Verzerrungen aufgedeckt und öffentlich diskutiert werden", sagt Forscher Jochen Hartmann, der das Wahl-O-Mat-Experiment mit geleitet hat.

Einprogrammierte Politik?

Noch nicht ganz geklärt ist, woher die politischen Ansichten des Chatbots überhaupt kommen. Da der Quellcode von ChatGPT nicht frei verfügbar ist, können Forscher zwar nachvollziehen, wie der Bot antwortet, nicht aber, wie er zu diesen Antworten gelangt ist.

Es ist nicht auszuschließen, dass ChatGPT von seinen Entwicklern beeinflusst wurde – sei es absichtlich oder unabsichtlich. In der Vergangenheit sind Chatbots immer wieder durch kontroverse Äußerungen aufgefallen, etwa als Microsofts Chatbot Tay im Jahr 2016 rassistische Botschaften verbreitete. Ein möglicher Grund für die Haltung von ChatGPT, so die Autoren der neuen Studie, ist starke Content-Moderation bei OpenAI, die einen ähnlichen Skandal verhindern soll.

OpenAI-Chef wehrt ab

Eine andere Theorie betrifft die Daten, mit denen ChatGPT trainiert wurde. Das KI-Modell wurde nämlich massenhaft mit Texten aus dem Internet gefüttert. Diese, so die Spekulation, könnten in der Summe eher im linksliberalen Spektrum verordnet sein, was den Chatbot dazu bringt, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Auf Vorwürfe, dass ChatGPT politisch voreingenommen sei, hat OpenAI bislang nur vereinzelt reagiert. Sam Altman, CEO von OpenAI, bezeichnete die subjektiven Meinungen des Chatbots als "unbeabsichtigt; es wird Zeit brauchen, das alles richtig hinzubekommen".

Video: Macht uns ChatGPT überflüssig?

quer vom 02.02.2023
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quer vom 02.02.2023

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