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Wegen Hate Speech: Firmen boykottieren Facebook-Werbung | BR24

© dpa/Uli Deck

Facebook steht wieder einmal wegen Hate Speech unter besonderer Beobachtung.

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    Wegen Hate Speech: Firmen boykottieren Facebook-Werbung

    Seit Jahren wird Facebook von Aktivisten und Politik dafür kritisiert, zu wenig gegen Hate Speech zu tun. Mit wenig Erfolg. 2020 steigen Unternehmen in den Protest ein: Sie wollen keine Werbung mehr bei Facebook schalten, bis das Problem gelöst ist.

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    Wer Hass verbreiten will, hat es bei Facebook oft ziemlich leicht: Um das zu erkennen, muss man kein Experte sein – auch wenn Experten und Forscher diesen Alltagseindruck vieler Nutzer immer wieder bestätigen.

    2020 zeigt sich der laxe Umgang mit Hass und Falschinformationen gleich mehrfach. Sei es bei Tweets von Donald Trump, die Facebook nicht checken will, oder bei Fake News zu Corona. Die "Black Lives Matter"-Bewegung wirft zudem ein Schlaglicht auf Rassismus weltweit und Spaltung in den USA, die viele auch durch Facebook befeuert sehen.

    Prominente Marken boykottieren Werbung

    Genau das veranlasst nun einige Firmen in den Vereinigten Staaten zum Handeln. Unternehmen wie Eishersteller Ben & Jerry’s, teil des Großkonzerns Unilever, der Mobilfunkkonzern Verizon sowie die Outdoormode-Marken Patagonia und The North Face wollen fürs Erste keine Werbung mehr bei Facebook schalten. Verizon will etwa erst wieder bei Facebook werben, wenn der Social-Media-Konzern eine akzeptable Lösung gegen die Verbreitung von Hassrede, Falschinformationen und Mobbing vorlegt. Auch die Facebook-Tochter Instagram ist davon betroffen. Einen entsprechenden Boykott-Aufruf hatten Bürgerrechtsgruppen in den USA gestartet.

    Facebook nimmt einen Großteil seines Umsatzes über Werbung ein. Der Boykott soll den Konzern daher – zumindest symbolisch – wohl an geschäftlicher Stelle treffen. Allgemeine Appelle und auch nationale Gesetze zu Hate Speech bei Facebook & Co. gibt es seit Jahren.

    Lange Debatte, wenig Besserung?

    Facebook hat seitdem laut eigener Aussage stark gegen Hass und Hetze im Netzwerk angekämpft, beispielsweise mit Technologie aber auch menschlichen Beschäftigten zum Aufspüren und Entfernen von Hate Speech. Auch einige öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie ein prominent besetztes Expertengremium gab es. Echte Verbesserungen scheinen jedoch vielen Nutzern und Experten nicht aufzufallen.

    Erst kürzlich deckte etwa eine Recherche des BR mit WDR und NDR rechte Facebookgruppen auf, in denen Hass und Gewaltandrohungen seit Jahren ungeahndet geteilt werden. Angesichts der Corona-Krise wandten sich zudem jüngst weltweit Ärzte an Facebook und Youtube und wiesen auf die teils tödlichen Gefahren von Verschwörungstheorien und Falschinformationen zu Gesundheitsthemen hin - und forderten entschiedeneres Handeln dagegen.

    Umgang mit Trump

    Für Debatten sorgten zuletzt auch verstärkt Beiträge des US-Präsidenten Donald Trump. Facebook-Konkurrent Twitter hatte begonnen, dessen Tweets auf Fakten zu prüfen und mit Hinweisen zu versehen, falls sie etwa Falschbehauptungen oder Drohungen enthielten. Facebook möchte politische Aussagen dagegen nicht auf Fakten checken oder mit Warnhinweisen versehen. Trumps - bei Facebook ungefilterte - Äußerungen über Demonstranten der "Black Lives Matter"-Bewegungen hatten Facebook-Chef Zuckerberg selbst bei Mitarbeitern in die Kritik gebracht.

    Auf die jüngsten Boykott-Ankündigungen der US-Firmen hin gelobt Facebook erneut Besserung und gibt laut der Nachrichtenagentur Reuters an, sich auf die Entfernung von Hassrede konzentrieren zu wollen und mit Bürgerrechtlern zusammenzuarbeiten. Erst kürzlich löschte der Konzern tatsächlich ein Werbevideo der Trump-Kampagne, das Symbole aus der Zeit des Nationalsozialismus enthielt, was weltweit Beachtung fand.

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