BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Was steckt hinter der Social-Media-Kampagne für Sputnik V? | BR24

© Sputnik Vaccine / Bayerischer Rundfunk
Bildrechte: Sputnik Vaccine / Bayerischer Rundfunk

Der russische Impfstoff Sputnik V wird von einer großen Social Media-Kampagne unterstützt

13
Per Mail sharen

    Was steckt hinter der Social-Media-Kampagne für Sputnik V?

    Russlands Impfstoff Sputnik V wird von einer massiven Social-Media-Kampagne unterstützt, die auch auf Menschen in Deutschland abzielt. Hinter der Kampagne steckt ein russischer Staatsfonds - und eine Erinnerung an den Wettstreit des Kalten Krieges.

    13
    Per Mail sharen
    Von
    • Gregor Schmalzried

    Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V ist nur einer von vielen, die in Deutschland noch zum Einsatz kommen könnten. Aber er ist der einzige mit einer eigenen Social-Media-Präsenz, unter anderem auf Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. Hinter der aggressiven Kampagne steht ein Investmentfonds des russischen Staates - und wohl der Versuch, das Image Russlands in Europa zu verbessern.

    Die Impfkampagne von Sputnik V

    Besonders auf Twitter schlägt der Account von Sputnik V Wellen. Dort hat er über 200.000 Follower und ist mit einem der begehrten "blauen Haken" versehen: Das bedeutet, die Echtheit des Accounts wurde von Twitter verifiziert. Was wiederum nicht bedeutet, dass alle Tweets tatsächlich inhaltlich stimmen müssen.

    In Deutschland werden in letzter Zeit immer mehr Twitter-User auf den Account aufmerksam. Denn der Sputnik V-Account kauft oft Werbeplätze in der Timeline. Damit kauft er sich auf Twitter Reichweite, um von möglichst vielen Menschen gesehen zu werden.

    Wer durch die Werbung den Account von Sputnik V besucht, stößt auf eine ständig aktualisierte Liste von positiven Nachrichten und Meinungen über den russischen Impfstoff. Ein Tweet feiert in Großbuchstaben das Näherrücken eines Einsatzes von Sputnik V in Österreich, in einem anderen berichtet der russische Kosmonaut Oleg Artemyev davon, wie gut seine Impfung mit Sputnik V verlief. Alle Tweets sind auf Englisch verfasst, oft in Umgangssprache und mit Emojis. Es soll ein möglichst breites Publikum angesprochen werden - nicht unbedingt Fachleute oder Menschen aus der Politik. Zuletzt warb der Account sogar für möglichen Impf-Tourismus nach Russland.

    Wer steckt hinter dem Account?

    Die Social Media-Accounts von Sputnik V, sowie die dazugehörige Website, gehören zwei Organisationen: Dem Gamaleja-Institut in Moskau, welches den Impfstoff entwickelt hat und dem Russian Direct Investment Fund - einem Investmentfonds, der vom russischen Staat verwaltet wird. Bedeutet: Das Geld für die Kampagne stammt letztlich aus staatlichen Organen Russlands.

    Im November 2020 kündigte der Russian Direct Investment Fund die Kampagne in einer Pressemitteilung an. Man wolle mit der Kampagne "aktuelle Informationen über unseren Impfeinsatz für ein weltweites Publikum zur Verfügung stellen", so Kirill Dmitriev, der CEO des Russian Investment Funds. "Wir laden alle Menschen aus verschiedenen Ländern ein, sich unserer Kampagne anzuschließen und unseren #SputnikV-Impfeinsatz zu unterstützen."

    Diese Kampagne startete bereits Monate bevor Sputnik V offiziell für eine Freigabe in Europa eingereicht wurde.

    Die Kampagne zielt auf Europa

    Nun ist klar: Deutschland ist eines der Hauptziele der Kampagne. Die Sputnik V-Werbung wird auf Twitter nämlich explizit an Personen ausgespielt, die sich in Deutschland befinden. Während Informationen über andere Impfstoffe in Deutschland über Presse und offizielle Stellen verbreitet werden, möchte der russische Impfstoff seinen eigenen Informationskanal etablieren.

    Public Diplomacy oder Propaganda?

    Sarah Pagung, Associate Fellow an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, beobachtet die Social Media-Aktivitäten von Sputnik V schon seit einer Weile. Für sie verfolgt die Kampagne mehrere Zwecke: "Zum einen, das Image des Impfstoffes aufzupolieren, der vor allem durch die frühe Zulassung gerade in Europa ja massiv gelitten hat." Tatsächlich hatte Russland mit dem Einsatz von Sputnik V bereits im August 2020 begonnen - trotz wohl unzureichender Tests.

    Gleichzeitig geht es aber auch um das Image von Russland selbst. Für Sarah Pagung ist die Sputnik V-Kampagne ein klassisches Beispiel für russische Public Diplomacy: "Die Kommunikation eines Staates mit der Bevölkerung eines anderen Staates, um das eigene Land positiv darzustellen."

    Nur: Wie legitim ist ein solches Vorgehen? Über die Sicherheit von Impfstoffen entscheiden in Europa die dafür zuständigen Institute und Behörden, nicht die allgemeine Bevölkerung. "Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Unterschied zwischen Public Diplomacy und Propaganda umstritten", sagt Pagung. "Es gibt Leute, die sagen, Public Diplomacy sei quasi nur ein positives Wort für Propaganda."

    Für Russland ein Wettbewerb?

    Besonders brisant: Es stehen Vorwürfe im Raum, dass die russische Kampagne nicht nur daraus besteht, den eigenen Impfstoff zu loben, sondern auch darin, andere Impfstoffe zu kritisieren. Erst vor kurzem teilte der Sputnik V-Account etwa einen Artikel über einen möglichen Zusammenhang zwischen seltenen Blutgerinnseln und der AstraZeneca-Impfung.

    Nicht nur hier weckt die Kampagne Erinnerungen an den Wettbewerb zwischen den Großmächten im Kalten Krieg: Der Name "Sputnik" erinnert vor allem im Westen an den "Wettlauf ins All" der 50er- und 60er-Jahre. Und in den Social-Media-Profilen von Sputnik V wird groß darauf hingewiesen, dass es "der erste registrierte Impfstoff gegen Covid-19" sei.

    Gleichzeitig berichtet das Wall Street Journal, dass russische Geheimdienste hinter koordinierten Aktionen auf Social Media stecken könnten, die Falschinformationen über den BioNTech-Impfstoff und andere Impfstoffe aus Europa und den USA verbreiten.

    Ist der Sputnik V-Impfstoff gut?

    Dass es sich bei der Kampagne für Sputnik V vor allem um eine politische Kampagne zu handeln scheint, hat aber auch sein Gutes: Mit dem Impfstoff selbst hat sie nämlich wohl nichts zu tun. Und die Wirksamkeit des Impfstoffs scheint ersten Studien zufolge hoch zu sein.

    Auch in Deutschland könnte Sputnik V bald zum Einsatz kommen: Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verwies zuletzt auf die wohl hohe Wirksamkeit des Impfstoffs, und sprach sich für eine schnelle Zulassung aus.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!